Küss den Frosch
Und der Alligator jazzt gegen Vorurteile los
Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 10.12.2009
Filmbeschreibung
Ein alter Bluesvers aus dem Süden der USA benennt ein grundsätzliches Wahrnehmungsproblem: "Du weißt dein Wasser nicht zu schätzen, bis dein Brunnen mal versiegt." In USA ist das Bewusstsein für die kultur- und sozialhistorische Bedeutung der Altstadt von New Orleans jenseits von Mardi-Gras-Touristenabspeisung gewachsen, seit der Hurrikan Katrina New Orleans verwüstet hat. Disneys neuer Zeichentrickfilm "Küss den Frosch" ist auch eine anrührende Liebeserklärung an das alte Zentrum einer Sonderkultur des französisch und afroamerikanisch geprägten Südens.
"The Princess and the Frog", so der Originaltitel, ist der Entwurf eines Märchengartens, der uns nicht das historische New Orleans des frühen zwanzigsten Jahrhunderts zeigt, sondern eines, das wir den Vätern und Müttern des Jazz als Umfeld gewünscht hätten. Obendrein ist der von Ron Clements und John Musker inszenierte Film eine Kurskorrektur der ganz besonderen Art. Der 2-D-Zeichentrick, von Disneys Managern zuletzt für überholt erklärt, wegrationalisiert zugunsten der 3-D-Computeranimation, kehrt hier triumphal zurück. Wer vor "Küss den Frosch" nicht begreift, dass es bei den diversen Tricktechniken nicht um ein Entweder-oder geht, sondern um die vielfältige Bereicherung unserer Bildwelt, der muss sein Herz in einem Einmachglas im Keller und seine Augen in der Pfandleihe haben.
Erzählt wird von Tiana (einer jener hellhäutigen Sklavennachfahrinnen, die es im realen New Orleans von einst weiter nach oben schaffen konnten als in anderen Gegenden), die als Kellnerin und Hausmädchen arbeitet und von einem eigenen Restaurant träumt. Rassismus zeigt der Film keinen, wohl aber oben und unten. Tianas alte Freundin Charlotte ist eine Southern Belle aus der Kaste der Baumwollmillionäre und Plantagenerben. Träumt sie von einem Prinzen, kann ihr Vater einen als Ballgast besorgen. Im Kapitalismus verpflichtet Adel zur Selbstvermarktung.
Oben und unten, Herr und Knecht, Mensch und Tier tauschen bald munter die Körper und Rollen, was wir den Hexereien eines fiesen Voodoo-Priesters zu verdanken haben. Unsere Helden landen draußen im Sumpf bei den Cajuns, den französisch geprägten Hinterwäldlern, und bei Viehzeug, das mehr Mitgefühl aufbringt als einige Gesellschaftszierden der Stadt.
Die Animation ist schwungvoller, runder als in den Disney-Produktionen der letzten Jahre, sie fußt wieder auf der eigenen Tradition und sucht nicht ungeschickt Anknüpfungen an Animes, Flashvideos und die vermeintlichen ethnischen Bedürfnisse ferner Märkte. Genauso entspannt geht das Drehbuch mit vertrauten Mustern um, die plötzlich wieder als stützendes Gerippe der Geschichte, nicht als erstickende Zwangsjacke erscheinen.
Vor allem aber behandelt "Küss den Frosch" positive afroamerikanische Figuren respekt- und liebevoll. Er bricht also mit der unrühmlichsten Tradition des Studios. Immer wieder tauchten afroamerikanische Akzente bei Disney als Ausweis der Schurkenhaftigkeit auf. Dass der Alligator Louis, vor dem zunächst alle Angst haben, doch noch eine Chance bekommt, sein Kornett zu blasen und sein Jazztalent zu demonstrieren, das kann, wer will, politisch deuten. Hier wird gefeiert, dass gerade der Jazz Vorurteile abgebaut hat.
"The Princess and the Frog", so der Originaltitel, ist der Entwurf eines Märchengartens, der uns nicht das historische New Orleans des frühen zwanzigsten Jahrhunderts zeigt, sondern eines, das wir den Vätern und Müttern des Jazz als Umfeld gewünscht hätten. Obendrein ist der von Ron Clements und John Musker inszenierte Film eine Kurskorrektur der ganz besonderen Art. Der 2-D-Zeichentrick, von Disneys Managern zuletzt für überholt erklärt, wegrationalisiert zugunsten der 3-D-Computeranimation, kehrt hier triumphal zurück. Wer vor "Küss den Frosch" nicht begreift, dass es bei den diversen Tricktechniken nicht um ein Entweder-oder geht, sondern um die vielfältige Bereicherung unserer Bildwelt, der muss sein Herz in einem Einmachglas im Keller und seine Augen in der Pfandleihe haben.
Erzählt wird von Tiana (einer jener hellhäutigen Sklavennachfahrinnen, die es im realen New Orleans von einst weiter nach oben schaffen konnten als in anderen Gegenden), die als Kellnerin und Hausmädchen arbeitet und von einem eigenen Restaurant träumt. Rassismus zeigt der Film keinen, wohl aber oben und unten. Tianas alte Freundin Charlotte ist eine Southern Belle aus der Kaste der Baumwollmillionäre und Plantagenerben. Träumt sie von einem Prinzen, kann ihr Vater einen als Ballgast besorgen. Im Kapitalismus verpflichtet Adel zur Selbstvermarktung.
Oben und unten, Herr und Knecht, Mensch und Tier tauschen bald munter die Körper und Rollen, was wir den Hexereien eines fiesen Voodoo-Priesters zu verdanken haben. Unsere Helden landen draußen im Sumpf bei den Cajuns, den französisch geprägten Hinterwäldlern, und bei Viehzeug, das mehr Mitgefühl aufbringt als einige Gesellschaftszierden der Stadt.
Die Animation ist schwungvoller, runder als in den Disney-Produktionen der letzten Jahre, sie fußt wieder auf der eigenen Tradition und sucht nicht ungeschickt Anknüpfungen an Animes, Flashvideos und die vermeintlichen ethnischen Bedürfnisse ferner Märkte. Genauso entspannt geht das Drehbuch mit vertrauten Mustern um, die plötzlich wieder als stützendes Gerippe der Geschichte, nicht als erstickende Zwangsjacke erscheinen.
Vor allem aber behandelt "Küss den Frosch" positive afroamerikanische Figuren respekt- und liebevoll. Er bricht also mit der unrühmlichsten Tradition des Studios. Immer wieder tauchten afroamerikanische Akzente bei Disney als Ausweis der Schurkenhaftigkeit auf. Dass der Alligator Louis, vor dem zunächst alle Angst haben, doch noch eine Chance bekommt, sein Kornett zu blasen und sein Jazztalent zu demonstrieren, das kann, wer will, politisch deuten. Hier wird gefeiert, dass gerade der Jazz Vorurteile abgebaut hat.
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