Fame
Toberei mit Klimpern, Blasen, Beineschleudern
Ruprecht Skasa-Weiß, veröffentlicht am 28.12.2009
Filmbeschreibung
Zur Weihnachtszeit will der Mensch nur Menschen guten Willens sehen: die an sich glauben; die gemeinsam Großes leisten wollen; die ihren Ehrgeiz in den Dienst der guten Sache stellen; die ihre Verantwortung entdecken, für sich wie andere - Himmelsstürmer, deren Eifer die Mitmenschen mitreißt, bis alle reif sind fürs große, gemeinsam zu feiernde Fest.
Weihnachten sind wir hoffnungsvoll sentimental: und genau darauf spekuliert der deutsche Verleih, wenn er den Hollywoodfilm "Fame" pünktlich zum 24. Dezember ins Kino bringt. "Fame" erbaut. Auch zuzusehen, wie ein Hochhaus erbaut, wie ein Musical einstudiert, wie ein Spielfilm gedreht wird vom ersten Insert "Das erste Schuljahr" bis zum letzten Insert "Das Abschlussjahr", ist ja erbaulich.
Aber wer redet von Fame? "Fame - der Weg zum Ruhm", das war Alan Parkers temperamentvoller Tanz- und Gesangsfilm, gedreht 1980 in New York mit den Eleven der berühmten High School of Performing Arts: ein veritables Leinwand-Popmusical "in progress", deren Songs sich für Oscar-Ehren empfahlen - "Fame", ein Klassiker seines Genres.
Denn längst sind enthusiastische Let's- do-it-Filme eine Gattung für sich, meist angelegt als dokumentarischer Dauerspähblick in den Probenbetrieb, von Axel Veiels "Spielwütigen" bis zum Dokumentarfilm "Rhythm is it!". Jetzt aber Kevin Tancharoens Wiederbelebungsversuch "Fame" - was ist das? Sagen wir es ehrlich: eine Bereicherung des Genres nur bedingt. Das "Fame"-Remake ist ein Abklatsch des Originals, ein matter - trotz aller Toberei mit Klimpern, Blasen und Beineschleudern.
Die Schülergruppe ist die Knetmasse, die gilt's zu gestalten - die Regie selber gestaltet ihr Werk nach Schema F, serviert den üblichen Mix von kleineren Tragödien und großen Flapsereien, Rap-Gejappe gegen Geigenklang, Tumultuarik gegen Szenen stiller Konzentration, all dies stockkonservativ, unberührt von der ruppigen Realität heutiger Castingshows. "Das Theater ist ein heiliger Ort, an dem Ihre Wut nichts verloren hat." Dergleichen predigen die Lehrer in diesem Film immer noch, im Ernst.
Also ein Déjà-vu-Erlebnis, was sonst? Wobei die Dramaturgie nach Kräften Emotionen schürt und unerschrocken auch im lauen Wasser des Gefühlskitsches badet. Erweckungsreden, Workshop-Realistik und Selbstfindungspathos, hier wird's verrührt zum Goodwill-Abenteuer, dampfend in altväterlicher Pädagogik. Was rauskommt, ist ein multikultureller Patchworkfilm mit eingebauten Beziehungsaffärchen, doch ohne Verlierer. Selbst der Talentlose kehrt unentmutigt zurück nach Iowa und wird dort, wie man ihm weissagt, der "verdammt beste Tanzlehrer sein, den es jemals gab". "Fame" ist eben ein Weihnachtsfilm. Und alle fassen sich an den Händen.
Weihnachten sind wir hoffnungsvoll sentimental: und genau darauf spekuliert der deutsche Verleih, wenn er den Hollywoodfilm "Fame" pünktlich zum 24. Dezember ins Kino bringt. "Fame" erbaut. Auch zuzusehen, wie ein Hochhaus erbaut, wie ein Musical einstudiert, wie ein Spielfilm gedreht wird vom ersten Insert "Das erste Schuljahr" bis zum letzten Insert "Das Abschlussjahr", ist ja erbaulich.
Aber wer redet von Fame? "Fame - der Weg zum Ruhm", das war Alan Parkers temperamentvoller Tanz- und Gesangsfilm, gedreht 1980 in New York mit den Eleven der berühmten High School of Performing Arts: ein veritables Leinwand-Popmusical "in progress", deren Songs sich für Oscar-Ehren empfahlen - "Fame", ein Klassiker seines Genres.
Denn längst sind enthusiastische Let's- do-it-Filme eine Gattung für sich, meist angelegt als dokumentarischer Dauerspähblick in den Probenbetrieb, von Axel Veiels "Spielwütigen" bis zum Dokumentarfilm "Rhythm is it!". Jetzt aber Kevin Tancharoens Wiederbelebungsversuch "Fame" - was ist das? Sagen wir es ehrlich: eine Bereicherung des Genres nur bedingt. Das "Fame"-Remake ist ein Abklatsch des Originals, ein matter - trotz aller Toberei mit Klimpern, Blasen und Beineschleudern.
Die Schülergruppe ist die Knetmasse, die gilt's zu gestalten - die Regie selber gestaltet ihr Werk nach Schema F, serviert den üblichen Mix von kleineren Tragödien und großen Flapsereien, Rap-Gejappe gegen Geigenklang, Tumultuarik gegen Szenen stiller Konzentration, all dies stockkonservativ, unberührt von der ruppigen Realität heutiger Castingshows. "Das Theater ist ein heiliger Ort, an dem Ihre Wut nichts verloren hat." Dergleichen predigen die Lehrer in diesem Film immer noch, im Ernst.
Also ein Déjà-vu-Erlebnis, was sonst? Wobei die Dramaturgie nach Kräften Emotionen schürt und unerschrocken auch im lauen Wasser des Gefühlskitsches badet. Erweckungsreden, Workshop-Realistik und Selbstfindungspathos, hier wird's verrührt zum Goodwill-Abenteuer, dampfend in altväterlicher Pädagogik. Was rauskommt, ist ein multikultureller Patchworkfilm mit eingebauten Beziehungsaffärchen, doch ohne Verlierer. Selbst der Talentlose kehrt unentmutigt zurück nach Iowa und wird dort, wie man ihm weissagt, der "verdammt beste Tanzlehrer sein, den es jemals gab". "Fame" ist eben ein Weihnachtsfilm. Und alle fassen sich an den Händen.
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