Soul Kitchen
Tolle Typen! Tolle Musik! Tolle Sprüche!
Ulrich Kriest, veröffentlicht am 28.12.2009
Filmbeschreibung
Beim Anschauen von "Soul Kitchen", dem neuen Spielfilm des über alle Maßen erfolgreichen Regisseurs Fatih Akin, kommt man sich immer wieder vor wie auf dem Hamburger Fischmarkt. Hier gibt es lauter Sensationen, alles nur vom Feinsten und dabei erstaunlich preisgünstig: Tolle Typen! Tolle Szene! Tolle Frauen! Tolle Musik! Tolle Sprüche! Tolle Posen! Tolle Stimmung!
Nachdem Fatih Akin zuletzt etwas sehr expressionistisch ("Gegen die Wand") als Rock' n 'Roll-Schmerzensmann oder etwas sehr bedeutungsvoll ("Auf der anderen Seite") als Vorzeige-Autorenfilmer mit Migrationshintergrund gehandelt wurde, schaltet er jetzt mit "Soul Kitchen" erstmal grundsympathisch einen Gang zurück und präsentiert sich als Hamburger Heimatfilmer in der "wilden" und schmutzigen Tradition eines Klaus Lemke. Für Akin ist sein neuer Film ein "Best of" - er knüpft direkt bei seinem bislang besten Film "Kurz und schmerzlos" von 1998 an und erzählt eine Geschichte von einer Kiez-Clique, in der die Jungs einen auf dicke Hose macht, vielleicht auch ein bisschen labil oder kleinkriminell und gefährdet sind, aber letztlich ihr Herz am rechten Fleck tragen. Das merkt man daran, welche Musik sie hören: Sweet Soul Music! Und als kleine Verbeugung vor der bundesrepublikanischen Gegenwart gibt es diesmal sogar noch etwas "Kochen im Kino" als Dreingabe. Schließlich betreibt der nicht mehr ganz junge Zinos Kazantsakis (Adam Bousdoukos) ein Restaurant, besser: eine Frittenbude in Hamburg-Wilhelmsburg.
"Soul Kitchen" nennt sich die heruntergewirtschaftete Kneipe mit Stammpublikum, in das Zino und sein neuer Koch Shayn (Birol Ünel) reichlich Unruhe bringen. "Ambitioniert" ist (zunächst einmal) nicht gefragt, wo altes Bratfett die Poren verklebt. Später, wenn die Tänzer von der Musicalschule nebenan kommen, werden die Karten allerdings neu gemischt.
Wäre da nicht Zinos' Bandscheibenvorfall, Zinos Bruder Illias (Moritz Bleibtreu), der gerade aus dem Knast kommt, wäre da nicht der Liebeskummer, den Zinos wegen der Pfeffersack-Tochter Nadine Krüger (Pheline Roggan) hat, wäre da nicht der schmierige Immobilienhai Neumann (Wotan Wilke Möhring), der leider auch noch ein alter Kumpel von Zinos ist - alles könnte so schön sein in der Subkultur. So aber denkt man: es wird böse enden, aber der Weg dorthin ist immerhin höchst unterhaltsam.
Akin bedient zuvorkommend alle Wünsche seines potenziellen Zielpublikums, fährt ein ansehnliches Ensemble auf, das mit viel Spaß und Engagement bei der Sache ist (Catrin Striebeck, Jan Fedder, Lars Rudolph) und sagt nichts anderes als: Hamburg, mien Jung, is the place to be. Das Ganze ist sehr nett anzuschauen, aber auch sehr vorhersehbar erzählt. Akin hat einen Film gedreht, wie man ihn vielleicht von Leander Haußmann erwarten würde: Berufsjugendlich bis spätpubertär, mit einem tollen Soundtrack und einem ordentlichen Schuss orientalischer Sentimentalität. Der Film versprüht eine rührende Sehnsucht nach autonomen, nicht subventionierten subkulturellen Räumen, die von Kreativen produktiv und attraktiv gestaltet werden können - bis die Immobilienmakler kommen. Dann zieht die Karawane weiter!
Dass der Film ganz aktuell zur urbanistischen Debatte um Gentrifizierung und das Hamburger Gängeviertel passt, sollte man eher als Zufall und nicht als "politisch" bewerten, denn dazu ist Akin zu sehr Romantiker. Das ist nicht schlimm, nur sollte man jetzt allmählich anfangen, die Talente des Bauchfilmers Fatih Akin realistisch einzuschätzen. Nichts gegen gute Unterhaltung und die heißen Styles! Aber daneben bietet "Soul Kitchen" nicht allzu viel, was eine Erinnerung lohnen würde! Lautstarkes Jungskino - für den schnellen Verzehr bestimmt.
Nachdem Fatih Akin zuletzt etwas sehr expressionistisch ("Gegen die Wand") als Rock' n 'Roll-Schmerzensmann oder etwas sehr bedeutungsvoll ("Auf der anderen Seite") als Vorzeige-Autorenfilmer mit Migrationshintergrund gehandelt wurde, schaltet er jetzt mit "Soul Kitchen" erstmal grundsympathisch einen Gang zurück und präsentiert sich als Hamburger Heimatfilmer in der "wilden" und schmutzigen Tradition eines Klaus Lemke. Für Akin ist sein neuer Film ein "Best of" - er knüpft direkt bei seinem bislang besten Film "Kurz und schmerzlos" von 1998 an und erzählt eine Geschichte von einer Kiez-Clique, in der die Jungs einen auf dicke Hose macht, vielleicht auch ein bisschen labil oder kleinkriminell und gefährdet sind, aber letztlich ihr Herz am rechten Fleck tragen. Das merkt man daran, welche Musik sie hören: Sweet Soul Music! Und als kleine Verbeugung vor der bundesrepublikanischen Gegenwart gibt es diesmal sogar noch etwas "Kochen im Kino" als Dreingabe. Schließlich betreibt der nicht mehr ganz junge Zinos Kazantsakis (Adam Bousdoukos) ein Restaurant, besser: eine Frittenbude in Hamburg-Wilhelmsburg.
"Soul Kitchen" nennt sich die heruntergewirtschaftete Kneipe mit Stammpublikum, in das Zino und sein neuer Koch Shayn (Birol Ünel) reichlich Unruhe bringen. "Ambitioniert" ist (zunächst einmal) nicht gefragt, wo altes Bratfett die Poren verklebt. Später, wenn die Tänzer von der Musicalschule nebenan kommen, werden die Karten allerdings neu gemischt.
Wäre da nicht Zinos' Bandscheibenvorfall, Zinos Bruder Illias (Moritz Bleibtreu), der gerade aus dem Knast kommt, wäre da nicht der Liebeskummer, den Zinos wegen der Pfeffersack-Tochter Nadine Krüger (Pheline Roggan) hat, wäre da nicht der schmierige Immobilienhai Neumann (Wotan Wilke Möhring), der leider auch noch ein alter Kumpel von Zinos ist - alles könnte so schön sein in der Subkultur. So aber denkt man: es wird böse enden, aber der Weg dorthin ist immerhin höchst unterhaltsam.
Akin bedient zuvorkommend alle Wünsche seines potenziellen Zielpublikums, fährt ein ansehnliches Ensemble auf, das mit viel Spaß und Engagement bei der Sache ist (Catrin Striebeck, Jan Fedder, Lars Rudolph) und sagt nichts anderes als: Hamburg, mien Jung, is the place to be. Das Ganze ist sehr nett anzuschauen, aber auch sehr vorhersehbar erzählt. Akin hat einen Film gedreht, wie man ihn vielleicht von Leander Haußmann erwarten würde: Berufsjugendlich bis spätpubertär, mit einem tollen Soundtrack und einem ordentlichen Schuss orientalischer Sentimentalität. Der Film versprüht eine rührende Sehnsucht nach autonomen, nicht subventionierten subkulturellen Räumen, die von Kreativen produktiv und attraktiv gestaltet werden können - bis die Immobilienmakler kommen. Dann zieht die Karawane weiter!
Dass der Film ganz aktuell zur urbanistischen Debatte um Gentrifizierung und das Hamburger Gängeviertel passt, sollte man eher als Zufall und nicht als "politisch" bewerten, denn dazu ist Akin zu sehr Romantiker. Das ist nicht schlimm, nur sollte man jetzt allmählich anfangen, die Talente des Bauchfilmers Fatih Akin realistisch einzuschätzen. Nichts gegen gute Unterhaltung und die heißen Styles! Aber daneben bietet "Soul Kitchen" nicht allzu viel, was eine Erinnerung lohnen würde! Lautstarkes Jungskino - für den schnellen Verzehr bestimmt.
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