Bright Star - Meine Liebe. Ewig
Der Poet, das Mädchen und der Zerrissene
Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 28.12.2009
Filmbeschreibung
In den Kurzeinträgen im Literaturlexikon kommen sie besser weg. Da ist John Keats (1795-1821), das große romantische Dichtergenie mit dem tragisch kurzen Lebensdocht. Und Charles Armitage Brown (1787-1842) ist sein selbstloser Freund, ein gelernter Kaufmann, voller Liebe zur Literatur, aber mit dem kleineren Talent, der nun Keats stützt und begleitet, den Todkranken aufopferungsvoll pflegt und sich dann um den Nachlass aus Worten und Gedanken kümmert. In Jane Campions Spielfilm "Bright Star - Meine Liebe. Ewig" treten uns Keats und Brown als komplexere, zwielichtigere, warzigere Figuren entgegen. Keats (Ben Wishaw) ist ein von seinem Talent und von seiner sozialen Ohnmacht als Dichter zur Seltsamkeit verzerrter junger Mann. Einer, der die Liebe nicht einmal unbedingt braucht, um produktiv glücklich und unglücklich sein zu können. Den die Liebe aber trotzdem einholt. Und der sich diese Liebe eben nicht leisten kann. Fanny Brawne (Abbie Cornish), aus deren Perspektive Campion diesen Film erzählt, wird von ihrer Familie nur einem Mann anvertraut werden, der ein ordentliches Einkommen, langfristige Sicherheiten und soziale Anpassungsfähigkeit vorzuweisen hat.
Man kann "Bright Star" also durchaus als gut gemachtes, klassisches Kollisionsfilmchen zwischen Feingeistigkeit und Ökonomie sehen, als Beitrag zur langen Reihe über die schwierigen Herzens- und Finanzangelegenheiten der Dichter und der Dichtermusen. Die Neuseeländerin Jane Campion, Jahrgang 1954, hat sich weit entfernt von der Wucht und Bissigkeit ihrer frühen Filme wie "Sweetie" (1989) und "Ein Engel an meiner Tafel" (1990). Sie findet auch nicht mehr zur kassenträchtigen Mischung aus Pathos, Sarkasmus und Poesie zurück, die aus "Das Piano" (1993) einen Welthit des Arthouse-Kinos gemacht hat. Aber sie liefert mit "Bright Star" auch keinen überkandidelten, verkrampften Versuch, Kostümfilm, Subversionsblick und Emanzipationsdrama zu vereinen wie in dem Nicole-Kidman-Vehikel "The Portrait of a Lady" (1996). Campion tappt nicht einmal in die Falle der ambitionierten BBC-Literaturgeschichtsproduktion, die gerne mal klug und adrett, aber auch ein wenig langweilig und nippeshaft daherkommt. Campions "Bright Star" ist als Geschichte einer scheiternden Liebe zugleich luftig und bedächtig, geruhsam und spannend.
Aber die eigentliche Attraktion des Filmes ist seine Interpretation von Charles Armitage Brown (der wuchtig präsente Paul Schneider, der Gus in "Lars und die Frauen" gespielt hat). Brown tritt Fanny gegenüber als Rüpel auf, als ein Salongorilla, der eine Frau dafür verachtet, dass sie von der Gesellschaft in ihren Entfaltungsmöglichkeiten so eingeschränkt wird, und der sie bitter verhöhnt, wenn sie sich aus den Beschränkungen zu lösen versucht. Dieser Charles Brown bekommt hier Züge eines Jago, ohne dass man dem hinter seiner Grobheit hilflosen Mann böse sein kann. Dieser Zerrissene ist nämlich nach beiden Seiten hin eifersüchtig.
Er will seinen Freund Keats für sich behalten und die kleine Schneiderin Fanny verscheuchen, sowohl die erotische Versucherin wie die fasziniert Poesieaufsaugende, die dem gebildeteren Brown die Rolle der Muse und des Hüters von Keats streitig macht. Aber Brown fühlt sich eben auch zu Fanny hingezogen. Er neidet seinem Freund die Eroberung, unternimmt selbst plumpe Vorstöße und schmäht wüst, was er nicht zart verzaubern kann.
Campion kriecht interessanterweise nicht nahe an ihre Figuren heran, begibt sich nicht in den Glutofen von Leidenschaft und Wahn. Sie bleibt in einer beobachtenden Distanz. Immer wieder zeigt sie, als seien's Bilder aus dem Katalog des Dichterhausmuseums, schwer möblierte Zimmer, in denen die Menschen scheinbar gut aufgehoben sind. Aber wir wissen, dass diese Figuren sich im freien Fall befinden.
Man kann "Bright Star" also durchaus als gut gemachtes, klassisches Kollisionsfilmchen zwischen Feingeistigkeit und Ökonomie sehen, als Beitrag zur langen Reihe über die schwierigen Herzens- und Finanzangelegenheiten der Dichter und der Dichtermusen. Die Neuseeländerin Jane Campion, Jahrgang 1954, hat sich weit entfernt von der Wucht und Bissigkeit ihrer frühen Filme wie "Sweetie" (1989) und "Ein Engel an meiner Tafel" (1990). Sie findet auch nicht mehr zur kassenträchtigen Mischung aus Pathos, Sarkasmus und Poesie zurück, die aus "Das Piano" (1993) einen Welthit des Arthouse-Kinos gemacht hat. Aber sie liefert mit "Bright Star" auch keinen überkandidelten, verkrampften Versuch, Kostümfilm, Subversionsblick und Emanzipationsdrama zu vereinen wie in dem Nicole-Kidman-Vehikel "The Portrait of a Lady" (1996). Campion tappt nicht einmal in die Falle der ambitionierten BBC-Literaturgeschichtsproduktion, die gerne mal klug und adrett, aber auch ein wenig langweilig und nippeshaft daherkommt. Campions "Bright Star" ist als Geschichte einer scheiternden Liebe zugleich luftig und bedächtig, geruhsam und spannend.
Aber die eigentliche Attraktion des Filmes ist seine Interpretation von Charles Armitage Brown (der wuchtig präsente Paul Schneider, der Gus in "Lars und die Frauen" gespielt hat). Brown tritt Fanny gegenüber als Rüpel auf, als ein Salongorilla, der eine Frau dafür verachtet, dass sie von der Gesellschaft in ihren Entfaltungsmöglichkeiten so eingeschränkt wird, und der sie bitter verhöhnt, wenn sie sich aus den Beschränkungen zu lösen versucht. Dieser Charles Brown bekommt hier Züge eines Jago, ohne dass man dem hinter seiner Grobheit hilflosen Mann böse sein kann. Dieser Zerrissene ist nämlich nach beiden Seiten hin eifersüchtig.
Er will seinen Freund Keats für sich behalten und die kleine Schneiderin Fanny verscheuchen, sowohl die erotische Versucherin wie die fasziniert Poesieaufsaugende, die dem gebildeteren Brown die Rolle der Muse und des Hüters von Keats streitig macht. Aber Brown fühlt sich eben auch zu Fanny hingezogen. Er neidet seinem Freund die Eroberung, unternimmt selbst plumpe Vorstöße und schmäht wüst, was er nicht zart verzaubern kann.
Campion kriecht interessanterweise nicht nahe an ihre Figuren heran, begibt sich nicht in den Glutofen von Leidenschaft und Wahn. Sie bleibt in einer beobachtenden Distanz. Immer wieder zeigt sie, als seien's Bilder aus dem Katalog des Dichterhausmuseums, schwer möblierte Zimmer, in denen die Menschen scheinbar gut aufgehoben sind. Aber wir wissen, dass diese Figuren sich im freien Fall befinden.
Mehr StZ Filmkritiken
I want to run - Das härteste Rennen der Welt 64 Tage lang dem Glück nachlaufen
Ein ruhiges Leben Blutspur in der Provinz
The Yellow Sea Letzte Zockerchance
Janosch - Komm, wir finden einen Schatz! 3D So schön könnte das Leben sein
Moonrise Kingdom Die ernsten Spiele der Kindheit
Die Farbe des Ozeans Grenzgebiete
Kill Me Please Die Verwöhnten und der Tod
Die Kunst zu lieben Sex ist anstrengend
Lachsfischen im Jemen Dr. Jones und die Liebe
Marley Der Star aus Jamaika
Our Idiot Brother Wer Gras an die Polizei verkauft
Alle Artikel anzeigen
Anzeigen
Was möchten Sie unternehmen?
Wann möchten Sie etwas unternehmen?

Monat

| Heute | Morgen | Akt. Woche |
| MO | DI | MI | DO | FR | SA | SO |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
Highlights am 27.05.
Nacht der offenen Kirchen: Orgelkino "Schachfieber" - Paul-Gerhardt-Kirche
Premiere: Es gibt noch Restkarten - Renitenztheater
Legendäre Meisterwerke. Kulturgeschichte(n) aus Württemberg - Landesmuseum Württemberg
StZ digital
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
Für Abonnenten
Für Käufer
Hier können sie sich über Preise informieren, Abos abschließen oder Einzelexemplare kaufen.




