Albert Schweitzer - Ein Leben in Afrika
Ein Subversionsagent in der Klinik unter Palmen
Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 28.12.2009
Filmbeschreibung
Ach, wie sie selig lachen, die schwarzen Heiden, dass der weiße Doktor von fernher ihre Gebrechen kuriert. Ein wenig sprunghaft sind sie halt. Kaum kommt der einheimische Soldat und brüllt, sie müssten die Klinik räumen, schon wuseln, hinken und jammern sie durcheinander. Sie strömen zurück zu ihrem grimmig glotzenden Medizinmann mit seinen Wedeln und Hüpftänzen. Aber da, da tritt unser weißer Urwalddoktor Albert Schweitzer auf die Veranda, ermahnt seine Schützlinge, und gleich lachen und jubeln sie, gleich ist der drohende Soldat vergessen. Ja, so wie uns der Spielfilm "Albert Schweitzer - Ein Leben für Afrika" die Klinik Lambarene des großen Humanisten in Gabun zeigt, so haben zu Lebzeiten Schweitzers (1875-1965) Wochenschauen und konservative Jugendillustrierte wie "Der gute Kamerad" über Afrika berichtet.
Diese Rückkehr des kolonialen Blicks ist umso unverständlicher, als die Produzenten eine empörende Episode aus dem Leben Schweitzers erzählen, eine, die lehrt, wie brüchig die damalige Wertschätzung war. Ende der vierziger Jahre fragt Albert Einstein an, ob sein Freund Schweitzer sich nicht ebenfalls gegen die Atomrüstung aussprechen wolle. Sofort beginnen einige amerikanische Medien und Geheimdienste mit einer Schmutzkampagne. Ein eingeschleuster Subversionsagent, so erzählt es diese vom TV-Veteranen Gavin Millar inszenierte deutsch-südafrikanische Koproduktion, versucht sogar, das Lambarene-Projekt zu ruinieren.
Allerdings wird das alles hier so vorsätzlich versimpelt, dass Schweitzer (Jeroen Krabbé) und Einstein (Armin Rohde) selbst in ihren besten Momenten bloß wie nette Opas aus einem Vorschulfilmchen wirken. Beteiligt an der Produktion war die Degeto, die Kitschfabrik der ARD, die ihre Vorstellungen von Unterhaltung gut durchsetzen konnte. "Klinik unter Palmen unplugged" wäre der ehrlichere Filmtitel.
Diese Rückkehr des kolonialen Blicks ist umso unverständlicher, als die Produzenten eine empörende Episode aus dem Leben Schweitzers erzählen, eine, die lehrt, wie brüchig die damalige Wertschätzung war. Ende der vierziger Jahre fragt Albert Einstein an, ob sein Freund Schweitzer sich nicht ebenfalls gegen die Atomrüstung aussprechen wolle. Sofort beginnen einige amerikanische Medien und Geheimdienste mit einer Schmutzkampagne. Ein eingeschleuster Subversionsagent, so erzählt es diese vom TV-Veteranen Gavin Millar inszenierte deutsch-südafrikanische Koproduktion, versucht sogar, das Lambarene-Projekt zu ruinieren.
Allerdings wird das alles hier so vorsätzlich versimpelt, dass Schweitzer (Jeroen Krabbé) und Einstein (Armin Rohde) selbst in ihren besten Momenten bloß wie nette Opas aus einem Vorschulfilmchen wirken. Beteiligt an der Produktion war die Degeto, die Kitschfabrik der ARD, die ihre Vorstellungen von Unterhaltung gut durchsetzen konnte. "Klinik unter Palmen unplugged" wäre der ehrlichere Filmtitel.
Mehr StZ Filmkritiken
I want to run - Das härteste Rennen der Welt 64 Tage lang dem Glück nachlaufen
Ein ruhiges Leben Blutspur in der Provinz
The Yellow Sea Letzte Zockerchance
Janosch - Komm, wir finden einen Schatz! 3D So schön könnte das Leben sein
Moonrise Kingdom Die ernsten Spiele der Kindheit
Die Farbe des Ozeans Grenzgebiete
Kill Me Please Die Verwöhnten und der Tod
Die Kunst zu lieben Sex ist anstrengend
Lachsfischen im Jemen Dr. Jones und die Liebe
Marley Der Star aus Jamaika
Our Idiot Brother Wer Gras an die Polizei verkauft
Alle Artikel anzeigen
Anzeigen
Was möchten Sie unternehmen?
Wann möchten Sie etwas unternehmen?

Monat

| Heute | Morgen | Akt. Woche |
| MO | DI | MI | DO | FR | SA | SO |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
| 0 | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 |
Highlights am 27.05.
Nacht der offenen Kirchen: Orgelkino "Schachfieber" - Paul-Gerhardt-Kirche
Premiere: Es gibt noch Restkarten - Renitenztheater
Legendäre Meisterwerke. Kulturgeschichte(n) aus Württemberg - Landesmuseum Württemberg
StZ digital
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
Für Abonnenten
Für Käufer
Hier können sie sich über Preise informieren, Abos abschließen oder Einzelexemplare kaufen.




