Gegründet wurde die Lanchester Engine Company Ltd. 1899 von den Brüdern Frederick, Frank und George Lanchester in Birmingham. Schon vier Jahre zuvor, 1895, hatte der technische Kopf des Trios, der studierte Ingenieur Frederick Lanchester, mit dem Bau des ersten rein britischen Automobils für Aufsehen gesorgt. Zwei Jahre später folgte ein erster Geniestreich des Frederick Lanchester. Geniestreich, weil sein Prototyp bereits einen Rohrrahmen besaß, auf luftgefüllten Pneus der Firma Dunlop statt auf den damals üblichen Vollgummireifen rollte und sein zweizylindriges, luftgekühltes Triebwerk als Unterflurmotor in der Fahrzeugmitte unter den vorderen Sitzen platziert war. Die beiden Zylinder dieses Aggregats lagen sich zwar wie bei einem Boxermotor gegenüber, die Kolben indes bewegten sich nicht gegenläufig aufeinander zu, sondern im Gleichklang nach links und rechts. Zwei Kurbelwellen und zwei Schwungräder sorgten für eine bis dahin nicht gekannte Laufruhe. Die acht PS wurden, auch Weltneuheit, über eine Kardanwelle auf die Hinterachse übertragen.
Diesen "Fingerübungen" folgte 1901 die Kommerzialisierung des Unternehmens. Der erste prominente Kunde, der einen Lanchester in Empfang nahm, war der Schriftsteller und "Dschungelbuch"-Autor Rudyard Kipling, dessen Mobilitätsbedarf bis dahin von einem dampfbetriebenen amerikanischen Locomobile befriedigt worden war. Im Vergleich mit dem Locomobile, das lange vorgeheizt werden musste und dessen Wasservorräte nur für etwa 30 Kilometer Fahrt reichten, war der Lanchester ein Ausbund an Modernität und Bedienungsfreundlichkeit. Er verfügte unter anderem bereits über eine Vorwahlgangschaltung und über eine Scheibenbremse, die auf die Getriebewelle wirkte. Sogar die abnehmbaren Speichenräder hatte der zur Pedanterie neigende Lanchester selbst entwickelt. Der wassergekühlte Zweizylindermotor leistete zwölf PS und verhalf dem Automobil zu einer Höchstgeschwindigkeit von 48 km/h.
Sein Streben nach Perfektion bis ins Detail kam zwar dem Ruf des Hauses zugute, stand aber oft der Wirtschaftlichkeit entgegen. Frederick Lanchester geriet im Familienbetrieb zunehmend in eine Außenseiterrolle und hatte von 1910 an nur noch beratende Funktion für die inzwischen in Lanchester Motor Company Ltd. umbenannte Automobilmanufaktur. Drei Jahre später schied er ganz aus und arbeitete fortan für verschiedene Unternehmen. In diese Zeit fällt seine Erfindung des Lanchester-Ausgleichs, bei dem Ausgleichswellen die im Motor auftretenden Massenkräfte zweiter Ordnung eliminieren und für vibrationsarmen Motorlauf sorgen, sowie die Entwicklung des Drehschwingungsdämpfers an der Kurbelwelle, mit dem viele Motoren auch heute noch "ruhiggestellt" werden. Der 1946 verstorbene Frederick Lanchester war der vielleicht genialste Konstrukteur, den das britische Empire bis dahin hatte.
Seine beiden Brüder Frank und George blieben an der Spitze des Unternehmens - Frank als kaufmännischer Direktor und George als Chefkonstrukteur und Designer. Sein Meisterwerk war der Lanchester HP 30 von 1929, dessen Achtzylinder-Reihenmotor 82 PS mobilisierte und dessen Kurbelwelle zehnfach (!) gelagert war. Doch die Tage der Unabhängigkeit waren da schon gezählt: Am 28. Dezember 1930 wurde infolge der Weltwirtschaftskrise die von ihrer Hausbank im Stich gelassene Lanchester Motor Company Ltd. von BSA (Birmingham Small Arms Company) geschluckt. Damit war der im Motorrad- und Waffengeschäft erfolgreiche Konzern BSA im Besitz von zwei namhaften britischen Automobilherstellern, denn schon 1910 hatte man sich in Coventry die Firma Daimler einverleibt.
In Coventry wurden künftig auch die Lanchester-Modelle gebaut, wobei die Marke schon bald in die Rolle der preiswerteren Daimler-Derivate gedrängt wurde. Am Ende unterschieden sich die Modelle nur noch durch den Kühlergrill. Als letzter echter Lanchester gilt der 1931 vorgestellte 15/18 HP, dessen 2,5-Liter-Reihensechszylinder eine siebenfach gelagerte Kurbelwelle besaß. Ein weiteres Highlight dieses Typs, der noch einmal alle Lanchester-Eigenschaften, nämlich höchsten Qualitätsstandard, penible Verarbeitung, samtweichen Motorlauf und innovative Technik, in sich vereinte, war die Halbautomatik mit Flüssigkeitskupplung und Vorwählgetriebe. Zu den Lanchester-Kunden zählte neben dem bereits erwähnten Rudyard Kipling vor allem das englische Königshaus mit King George V. und dessen Sohn, dem Herzog von York und späteren George VI. an der Spitze, sowie die englische Oberschicht. Der Inder Jam Sahib of Nawanagar, weltweit berühmtester Kricketspieler seiner Zeit, besaß in den 40er Jahren sogar eine ganze Flotte von Lanchester-Automobilen.
Das endgültige Aus für Lanchester kam 1956. Letztes Modell war eine 1,6-Liter-Limousine mit vollautomatischem Getriebe namens Sprite, von der aber nur noch zehn Stück gebaut wurden. Daimler blieb vorerst bestehen, Lanchester wurde wegrationalisiert, und auch die späteren Besitzer Jaguar und Leyland dachten nicht daran, die Marke wieder aufleben zu lassen. Ein trauriges Ende für eine Automobilschmiede, die über mehr als fünf Jahrzehnte hinweg auf Augenhöhe mit den Besten ihrer Branche konkurriert hatte.
Diesen "Fingerübungen" folgte 1901 die Kommerzialisierung des Unternehmens. Der erste prominente Kunde, der einen Lanchester in Empfang nahm, war der Schriftsteller und "Dschungelbuch"-Autor Rudyard Kipling, dessen Mobilitätsbedarf bis dahin von einem dampfbetriebenen amerikanischen Locomobile befriedigt worden war. Im Vergleich mit dem Locomobile, das lange vorgeheizt werden musste und dessen Wasservorräte nur für etwa 30 Kilometer Fahrt reichten, war der Lanchester ein Ausbund an Modernität und Bedienungsfreundlichkeit. Er verfügte unter anderem bereits über eine Vorwahlgangschaltung und über eine Scheibenbremse, die auf die Getriebewelle wirkte. Sogar die abnehmbaren Speichenräder hatte der zur Pedanterie neigende Lanchester selbst entwickelt. Der wassergekühlte Zweizylindermotor leistete zwölf PS und verhalf dem Automobil zu einer Höchstgeschwindigkeit von 48 km/h.
Sein Streben nach Perfektion bis ins Detail kam zwar dem Ruf des Hauses zugute, stand aber oft der Wirtschaftlichkeit entgegen. Frederick Lanchester geriet im Familienbetrieb zunehmend in eine Außenseiterrolle und hatte von 1910 an nur noch beratende Funktion für die inzwischen in Lanchester Motor Company Ltd. umbenannte Automobilmanufaktur. Drei Jahre später schied er ganz aus und arbeitete fortan für verschiedene Unternehmen. In diese Zeit fällt seine Erfindung des Lanchester-Ausgleichs, bei dem Ausgleichswellen die im Motor auftretenden Massenkräfte zweiter Ordnung eliminieren und für vibrationsarmen Motorlauf sorgen, sowie die Entwicklung des Drehschwingungsdämpfers an der Kurbelwelle, mit dem viele Motoren auch heute noch "ruhiggestellt" werden. Der 1946 verstorbene Frederick Lanchester war der vielleicht genialste Konstrukteur, den das britische Empire bis dahin hatte.
Seine beiden Brüder Frank und George blieben an der Spitze des Unternehmens - Frank als kaufmännischer Direktor und George als Chefkonstrukteur und Designer. Sein Meisterwerk war der Lanchester HP 30 von 1929, dessen Achtzylinder-Reihenmotor 82 PS mobilisierte und dessen Kurbelwelle zehnfach (!) gelagert war. Doch die Tage der Unabhängigkeit waren da schon gezählt: Am 28. Dezember 1930 wurde infolge der Weltwirtschaftskrise die von ihrer Hausbank im Stich gelassene Lanchester Motor Company Ltd. von BSA (Birmingham Small Arms Company) geschluckt. Damit war der im Motorrad- und Waffengeschäft erfolgreiche Konzern BSA im Besitz von zwei namhaften britischen Automobilherstellern, denn schon 1910 hatte man sich in Coventry die Firma Daimler einverleibt.
In Coventry wurden künftig auch die Lanchester-Modelle gebaut, wobei die Marke schon bald in die Rolle der preiswerteren Daimler-Derivate gedrängt wurde. Am Ende unterschieden sich die Modelle nur noch durch den Kühlergrill. Als letzter echter Lanchester gilt der 1931 vorgestellte 15/18 HP, dessen 2,5-Liter-Reihensechszylinder eine siebenfach gelagerte Kurbelwelle besaß. Ein weiteres Highlight dieses Typs, der noch einmal alle Lanchester-Eigenschaften, nämlich höchsten Qualitätsstandard, penible Verarbeitung, samtweichen Motorlauf und innovative Technik, in sich vereinte, war die Halbautomatik mit Flüssigkeitskupplung und Vorwählgetriebe. Zu den Lanchester-Kunden zählte neben dem bereits erwähnten Rudyard Kipling vor allem das englische Königshaus mit King George V. und dessen Sohn, dem Herzog von York und späteren George VI. an der Spitze, sowie die englische Oberschicht. Der Inder Jam Sahib of Nawanagar, weltweit berühmtester Kricketspieler seiner Zeit, besaß in den 40er Jahren sogar eine ganze Flotte von Lanchester-Automobilen.
Das endgültige Aus für Lanchester kam 1956. Letztes Modell war eine 1,6-Liter-Limousine mit vollautomatischem Getriebe namens Sprite, von der aber nur noch zehn Stück gebaut wurden. Daimler blieb vorerst bestehen, Lanchester wurde wegrationalisiert, und auch die späteren Besitzer Jaguar und Leyland dachten nicht daran, die Marke wieder aufleben zu lassen. Ein trauriges Ende für eine Automobilschmiede, die über mehr als fünf Jahrzehnte hinweg auf Augenhöhe mit den Besten ihrer Branche konkurriert hatte.
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