Lange haben die Geschichten aus seiner Kindheit in Charles Aceval geruht, andere Dinge waren wichtiger. 1973 kam er als 22-Jähriger über Frankreich nach Reutlingen, wo einer seiner Brüder bei der französischen Armee stationiert war. In Tübingen lernte Aceval seine Frau kennen, mit der er nach einer kurzen Episode in Paris seit mehr als 30 Jahren in Weil im Schönbuch lebt. Die beiden Kinder sind längst erwachsen und Aceval ist zweifacher Großvater. Schwere Zeiten habe er hinter sich, sagt der 58-Jährige. Mit diversen Jobs und Tätigkeiten habe er sich über Wasser gehalten, bis er zusammenbrach und Depressionen sein Leben bestimmten. Doch dann stieß Aceval wieder auf den Schatz in seinem Inneren: die Geschichten seiner Kindheit. "Die Märchen haben mich gerettet", sagt er. Und er begann, diesen Schatz an andere weiterzugeben. Vorbild ist dabei seine Schwester Nora, eine bekannte Märchenerzählerin in Frankreich.
Bei seinen Erzählstunden verlässt sich der Erzähler ausschließlich auf die mündlich überlieferten Geschichten aus seiner Kindheit. Diese mischt er mit Anekdoten aus seinem eigenen Leben und auch so manch Erdachtem. Wahrheit und Märchen, Realität und Fiktives verschwimmen. Stets findet Aceval ganz getreu der orientalischen Erzählkunst in seinen Geschichten einen neuen Faden.
Das Erzählen übt Charles Aceval auf ausgedehnten Spaziergängen durch den Schönbuch. Und er hat dabei so manch erfreuliche Begegnung. "Kürzlich habe ich eine Frau mit ihrem Hund getroffen und ihr spontan eine kleine Geschichte erzählt", sagt Aceval. "Als ich sie Wochen später zufällig wiedertraf, hat sie sich bei mir bedankt und gesagt, meine Geschichte hätte ihr weitergeholfen."
Ein eigenes Programm hat Aceval für Kinder entwickelt. Ausgangspunkt ist dabei eine Reise auf dem fliegenden Teppich. Für jede Situation hat er eine Geschichte. Zum Beispiel zur Entstehung des algerischen Nationalgerichts Couscous: die Engel weinten über die hungernden Menschen während einer Dürre. Und die Tränen, die auf die Erde fielen, verwandelten sich in nahrhafte Couscouskörner. Gerne erzählt Aceval bei Veranstaltungen dieses Märchen und bereitet dazu das Gericht zu. Denn er ist nebenbei auch ein Koch.
Weitere Informationen gibt es unter
http://www.aceval.net
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.



