Porsche Boxster Spyder

Wintervergnügen besonderer Art

SoAk , veröffentlicht am 20.01.2010
Foto: Mierendorf

Der kräftige Winter mit klirrenden Minustemperaturen, Schnee und Eis treibt viele auf die Piste: Snowboardfahrer, Langläufer und auch jene mit einem einfachen Holzschlitten. Nur keine Cabriofahrer, die sitzen bei diesem Wetter lieber zu Hause im Warmen und warten gierig auf den nächsten Frühling.

Oder auch nicht. Zumindest in dem Fall, wenn man das richtige Spielzeug für eine Winterfahrt unter freiem Himmel hat. Ein Cabrio, bei dem sich die Frage "Offen oder geschlossen" gar nicht stellt, weil das Verdeck sowieso nur bescheidenen Schutz bietet. Und weil der Spaßfaktor ohne Verdeck noch viel größer ist. Gegen Kälte kann man sich schützen mit Pudelmütze, Schal und Handschuhen. Gegen den Fahrspaß nicht.

Davon bietet der neue Porsche Boxster Spyder sicher genug. Mit dieser Boxster-Variante greift Porsche die Konzeption eines klassischen Spyders aus den fünfziger Jahren auf: leicht, stark, fürs Offenfahren gebaut und daher lediglich mit einem simplen, manuell zu knöpfenden Verdeck ausgestattet. Bei der ersten, exklusiven Testfahrt in Deutschland zeigt der Boxster Spyder, dass er diese Eigenschaften überaus wörtlich nimmt: Schon ab 100 km/h treten am Verdeck deutliche Windgeräusche auf, von hinten zieht die Kälte durch das dünne Tuch, an Temperatur- und Geräuschisolation ist gar nicht zu denken. In diesem stürmischen Umfeld passt auch der Warnhinweis am oberen Verdeckrahmen, der empfiehlt, bei geschlossenem Dach nicht schneller als 200 km/h zu fahren. Nicht dass die Stoffmütze wegfliegt.

Dann lieber konsequent sein: rechts ranfahren und das von Porsche als "Sonnen- und Wetterschutz" beschriebene Verdeck abbauen. Das dauert selbst zu zweit locker fünf Minuten. Zuerst muss die riesige Heckklappe geöffnet werden - sie erfüllt ganz nebenbei die Funktion, in geschlossenem Zustand das Verdeck zu spannen. Diese Konstruktion sorgt nebenbei für eine außergewöhnliche Optik, bei der der Wagen geschlossen eine im Nacken verzurrte Pudelmütze zu tragen scheint. Beim Hochklappen der Haube hilft auch kein moderner Teleskopdämpfer. Wie früher muss zum Arretieren ein Stab als Stütze eingefädelt werden. Erst jetzt lässt sich das Tuch hinter den beiden Sitzen abknöpfen und zusammenfalten. Nach dem Lösen eines weiteren Spannmechanismus gilt es, das Hauptdach abzunehmen und so zu falten, dass es in den vorgesehenen Platz im Heck oberhalb des Mittelmotors passt.

Winterbekleidung und Heizung auf Maximalleistung müssen jetzt reichen. Eine Sitzheizung sucht man im Boxster Spyder vergeblich. Das ist auch gut so, denn eine weitere Spyder-Eigenart ist die schlanke Linie: Gegenüber dem konventionellen Boxster S hat der Spyder rund 80 Kilo abgespeckt und soll mit 1275 Kilogramm Leergewicht sogar das leichteste Modell der gesamten Porsche-Modellpalette sein. Ein äußeres Zeichen der strengen Diät sind die simplen roten Schlaufen, die innen an den Türen als Öffner dienen und gemeinsam mit den roten Sicherheitsgurten einen knalligen Akzent im Interieur setzen.

Das gilt auch für das Fahrwerk, das Porsche überarbeitet und eine Spur "trockener" abgestimmt hat. Da ist mancher Gullydeckel deutlich zu spüren, dennoch gehört der Spyder nicht zur härtesten Sorte. Den Motor hat Porsche in der Leistung geringfügig um 7 kW (10 PS) auf 235 kW (320 PS) gesteigert. Was viel mehr als die nackte Zahl begeistert, ist der ausgewogene Charakter des Sechszylinders: Moderates Cruisen ist ebenso möglich wie sportlicher Einsatz - Letzteres begünstigt durch den niedrigen Schwerpunkt und die ausgeglichene Gewichtsverteilung. Auf verschneiten Strecken der Schwäbischen Alb hilft überdies die Elektronik beim Vorankommen. ESP und Antriebsschlupfregelung machen die Straße zur Loipe.

Seine besondere Linie macht der Boxster Spyder auch beim Blick in den Rückspiegel deutlich: Dort ragt stets charakteristisch der Mittelsteg zwischen den beiden markanten Karosseriehöckern auf dem langgestreckten Heck ins Bild. Es ist nur eines von vielen Details, die deutlich machen: Der Boxster Spyder gehört in diesem Winter zweifelsohne zu den coolsten Schlitten.

Porsche Boxster Spyder

Die Fakten:

Motor 6-Zylinder-Boxer, 3,4 Liter Hubraum Leistung 235 kW (320 PS) bei 7200/min Drehmoment 370 Nm bei 4750/min Höchstgeschwindigkeit 267 km/h (bei geöffnetem Verdeck) Beschleunigung 0 bis 100 km/h 4,8 s Elastizität 80 bis 120 km/h 6,1 s Getriebe 6-Gang-Schaltung Abmessungen 4342 x 1801 x 1231 mm Kofferraumvolumen 150 l/130 l (vorn/hinten) Leergewicht 1275 kg Zuladung 280 kg Tankvolumen 54 l Verbrauch laut Hersteller 9,7 l/100 km Tatsächlicher Verbrauch 10,8 l/100 km CO2-Ausstoß 228 g/km Grundpreis 63 404 Euro Testwagenpreis 85 817 Euro

Lob und Tadel In Sachen Antrieb bleibt Porsche erste Klasse: Der Sechszylinder-Boxer hat jede Menge Power und ist gleichzeitig sehr kultiviert.

Die ungewöhnliche Verdeckkonstruktion gibt dem Boxster Spyder eine ganz besondere Linie - die Stoffmütze ist ein echter Hingucker.

Schaltung, Lenkung, Bremsen - alles arbeitet in bester Porsche-Manier äußerst präzise, feinfühlig und direkt.

Porsche-typisch sind auch die gute Verarbeitungsqualität und Funktionalität.

Das Besondere am Boxster Spyder ist gleichzeitig die größte Schwäche: Das Verdeck ist wirklich nur eine Notlösung für schlechtes Wetter.

Wenn es plötzlich anfängt zu regnen, sollte man die Verdeckmontage vorher schon mal in der Garage geübt haben.

Die straffe Fahrwerksabstimmung passt gut zum sportlichen Charakter des Autos. Lange Autobahntouren lassen sich aber gewiss komfortabler absolvieren.

Angesichts der Sportsitze und des flachen Verdecks brauchen Fahrer und Beifahrer eine gewisse Beweglichkeit beim Ein- und Aussteigen.
 

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