Berlin - Im Jahr 1986 startete das Institut für Computerwissenschaft in Peking in Zusammenarbeit mit der Universität Karlsruhe das "China Academic Network", das erste öffentliche Computernetz Chinas. Im Mai 1994 ging der erste chinesische Webserver ans Netz und der Rootserver, der die Netzadressen der China-Domain .cn verwaltet, wurde von Deutschland nach China transferiert. Inzwischen hat sich eine Menge verändert in der digitalen Welt. "Mögest du in interessanten Zeiten leben!", lautet eine alte chinesische Verwünschung, die davon ausgeht, dass solche Zeiten stets zu tun haben mit revolutionären Umstürzen.
Vor fünf Jahren hat China sich darangemacht, die USA als weltweite Nummer Eins im Internet zu überflügeln. Für chinesische Internetnutzer unter 35 ist das Netz heute die wichtigste Informationsquelle. Es berührt ihre Bedürfnisse - "Wanglian" etwa heißt die chinesische Form der Cyberliebe. Längst versuchen sich die Schwergewichte der IT-Branche im Land der Mitte zu etablieren - und sich mit der Zensur zu arrangieren. Organisationen wie Reporter ohne Grenzen werfen Google, Yahoo und anderen Firmen vor, sich der systematischen Filterung von Inhalten zu unterwerfen.
Routinemäßig blockiert China Zehntausende von Webseiten. Das Reich der Mitte verfügt inzwischen über das weltweit umfangreichste und ausgeklügeltste System zur Netzsäuberung. In diesem Teil des Internets wird eine der entscheidenden Weichenstellungen der digitalen Welt stattfinden: Die chinesischen Behörden wollen schlichtweg unter Beweis stellen, dass das Netz durch umfassende Kontrolle als Herrschaftsinstrument nutzbar ist und erst in bereinigter Form als Informationsmedium.
Vergangene Woche gab die Unternehmensführung von Google bekannt, man werde sich nach massiven, von chinesischen Internetadressen ausgehenden Hackerangriffen nicht länger der staatlicherseits geforderten Zensur beugen und nunmehr ungefilterten Zugriff auf Google.cn bieten. Man nehme äußerstenfalls in Kauf, die Geschäfte in China aufgeben zu müssen. Von Microsoft-Chef Steve Ballmer war daraufhin in einem TV-Interview zu hören, sein Unternehmen werde auch weiterhin in China Geschäfte machen. Hackerangriffe, wie sie Google zu dem Strategiewechsel veranlasst hatten, bezeichnete Ballmer als globales, nicht als chinesisches Problem.
Am Tag darauf veröffentlichte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik eine Warnung über eine bisher unbekannte Sicherheitslücke in Microsofts Internet Explorer. Die Schwachstelle ermögliche es Angreifern, Schadcode in Windows-Rechner zu schleusen und zu starten. Bei den in der vergangenen Woche bekannt gewordenen Hacker-Angriffen auf Google und andere US-Unternehmen wurde vermutlich diese Sicherheitslücke ausgenutzt.
Bemerkenswertes aus der digitalen Welt: »
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Vergangene Woche gab die Unternehmensführung von Google bekannt, man werde sich nach massiven, von chinesischen Internetadressen ausgehenden Hackerangriffen nicht länger der staatlicherseits geforderten Zensur beugen und nunmehr ungefilterten Zugriff auf Google.cn bieten. Man nehme äußerstenfalls in Kauf, die Geschäfte in China aufgeben zu müssen. Von Microsoft-Chef Steve Ballmer war daraufhin in einem TV-Interview zu hören, sein Unternehmen werde auch weiterhin in China Geschäfte machen. Hackerangriffe, wie sie Google zu dem Strategiewechsel veranlasst hatten, bezeichnete Ballmer als globales, nicht als chinesisches Problem.
Am Tag darauf veröffentlichte das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik eine Warnung über eine bisher unbekannte Sicherheitslücke in Microsofts Internet Explorer. Die Schwachstelle ermögliche es Angreifern, Schadcode in Windows-Rechner zu schleusen und zu starten. Bei den in der vergangenen Woche bekannt gewordenen Hacker-Angriffen auf Google und andere US-Unternehmen wurde vermutlich diese Sicherheitslücke ausgenutzt.
E-Mail an den Autor: p.glaser@stz.zgs.de
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