Das Gefühl von Fremdheit bleibt
Artikel aus der Filder-Zeitung vom 21.01.2010
Der junge Mann balanciert versonnen auf den Schienen, auf denen rund 60 Jahre zuvor Zehntausende von Menschen in den Tod gefahren worden sind. Er trägt Chucks - modisch angesagte Turnschuhe. Ihr leuchtendes Rot sticht vor dem Grau des Stacheldrahts, des Wachturms und der Baracken ins Auge des Betrachters. Die Farbe des Lebens gegen das Grauen der Vergangenheit und den Tod - mit diesem Kontrast spielt die Ausstellung, die am Sonntag, 24. Januar, in der Esslinger Galerie im Heppächer von Oberbürgermeister Jürgen Zieger eröffnet wird.
"Man nannte sie unerziehbar" haben die Fotografin Angelika Beck und die Autorin Gesine Kulcke ihre Installation genannt, die in Bild- und Tondokumenten die Reise einer Schulklasse ins Konzentrationslager Auschwitz nachzeichnet. Die beiden Künstlerinnen geben den jungen Menschen, die von der Stiftung Jugendhilfe betreut werden, bei ihrem Ausflug in die Vergangenheit Stimme und Gesicht. Es sind benachteiligte junge Menschen, die das Gefühl von Fremdheit im eigenen Land nur zu gut kennen und deren Blick auf die deutsche Geschichte gleichzeitig auch ein Blick auf die deutsche Gegenwart ist. Und auch der Bogen nach Esslingen ist leicht geschlagen: Auch hier, im Waisenhaus des Theodor Rothschild, hatte der nationalsozialistische Mob Kinder gejagt, die in seinen Augen als minderwertig gegolten hatten.
Während Angelika Beck die Stimmung des Besuchs mit der Kamera eingefangen hat und in 40 großformatigen Bildern widerspiegelt, ist die Journalistin Gesine Kulcke mit dem Tonband auf Spurensuche gewesen. "Es ist vielleicht gar nicht so entscheidend, was die Jugendlichen sagen, sondern wie sie es sagen", so begründet sie ihre bewusste Entscheidung gegen die Schrift und für die gesprochene Sprache. Eine halbe Stunde lang wechseln sich Zeitzeugen-Schilderungen und die Einschätzungen der jungen Menschen ab. "Die Beiträge zeichnen das Bild einer Jugend, die entgegen der landläufigen Vorstellung sehr wohl in der Lage ist, das Geschehen zu reflektieren", fasst Gesine Kulcke zusammen. Die Erkenntnis eines Jugendlichen, wonach "das für die Juden ja hammerschlimm" gewesen sein müsse, entspricht vielleicht nicht der landläufigen Diktion, zeugt jedoch von unverfälschter Empathie.
"Die Ausstellung öffne den sonst am Rand der Gesellschaft stehenden Jugendlichen einen Raum, den sie sonst nicht haben", sagt Gesine Kulcke. In diesem Fall sogar einen historischen Raum - das jetzt zur Galerie ausgebauten Haus im Heppächer 3 diente einst als Synagoge.
"Man nannte sie unerziehbar" haben die Fotografin Angelika Beck und die Autorin Gesine Kulcke ihre Installation genannt, die in Bild- und Tondokumenten die Reise einer Schulklasse ins Konzentrationslager Auschwitz nachzeichnet. Die beiden Künstlerinnen geben den jungen Menschen, die von der Stiftung Jugendhilfe betreut werden, bei ihrem Ausflug in die Vergangenheit Stimme und Gesicht. Es sind benachteiligte junge Menschen, die das Gefühl von Fremdheit im eigenen Land nur zu gut kennen und deren Blick auf die deutsche Geschichte gleichzeitig auch ein Blick auf die deutsche Gegenwart ist. Und auch der Bogen nach Esslingen ist leicht geschlagen: Auch hier, im Waisenhaus des Theodor Rothschild, hatte der nationalsozialistische Mob Kinder gejagt, die in seinen Augen als minderwertig gegolten hatten.
Während Angelika Beck die Stimmung des Besuchs mit der Kamera eingefangen hat und in 40 großformatigen Bildern widerspiegelt, ist die Journalistin Gesine Kulcke mit dem Tonband auf Spurensuche gewesen. "Es ist vielleicht gar nicht so entscheidend, was die Jugendlichen sagen, sondern wie sie es sagen", so begründet sie ihre bewusste Entscheidung gegen die Schrift und für die gesprochene Sprache. Eine halbe Stunde lang wechseln sich Zeitzeugen-Schilderungen und die Einschätzungen der jungen Menschen ab. "Die Beiträge zeichnen das Bild einer Jugend, die entgegen der landläufigen Vorstellung sehr wohl in der Lage ist, das Geschehen zu reflektieren", fasst Gesine Kulcke zusammen. Die Erkenntnis eines Jugendlichen, wonach "das für die Juden ja hammerschlimm" gewesen sein müsse, entspricht vielleicht nicht der landläufigen Diktion, zeugt jedoch von unverfälschter Empathie.
"Die Ausstellung öffne den sonst am Rand der Gesellschaft stehenden Jugendlichen einen Raum, den sie sonst nicht haben", sagt Gesine Kulcke. In diesem Fall sogar einen historischen Raum - das jetzt zur Galerie ausgebauten Haus im Heppächer 3 diente einst als Synagoge.
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