Tablet-Computer
Apple präsentiert "iPad"
Walther Rosenberger, veröffentlicht am 27.01.2010
San Francisco - In den vergangenen Jahren hat Apple die Musik- und Handybranche kräftig durcheinandergewirbelt. Jetzt geht die IT-Schmiede daran, auch die Medienbranche umzuwälzen. Der Schlüssel ist ein flacher Rechner, nur wenig kleiner als ein DIN-A4-Blatt und nur wenig dicker. Am Mittwoch wurde er vorgestellt.
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Auf der Bühne ist Steve Jobs in seinem Element. Der Apple-Chef spricht dann nicht wie ein Firmenlenker, sondern wie ein Prophet. "Es wird besser als ein Laptop, besser als ein Smartphone", sagt er. Und: "Wir nennen es iPad."
Wochenlang hatten Millionen Apple-Fans auf diesen Auftritt gewartet. Sie wollten sehen, wie der 54-jährige auf die Bühne tritt und die Welt eine andere ist, nachdem er sie wieder verlassen hat. In Blogs und Internet-Foren hatten sie sich über Form, Größe und technische Eigenschaften jenes ominösen Flachcomputers gestritten, der Apple neue Millionen in die Firmenkasse spülen soll und nebenbei darbenden Verlagen zum rettenden Strohhalm werden könnte. Aber erst jetzt kristallisiert sich heraus: Apple hat wohl das geliefert, was die Fans erwartet haben. Einen Rechner, mit dem man mobil im Internet surfen, Filme abspielen, aber auch elektronische Bücher und Zeitungen lesen kann. Der iPad trete an, die Lücke zwischen Handy und Laptop zu schließen, sagt Jobs. Als der Apple-Mitgründer den gerade mal 1,25 Zentimeter dünnen Rechner zum ersten Mal in den Händen wiegt, die Finger über den Bildschirm streichen lässt und auf der Leinwand im Hintergrund immer neue Anwendungen auf- und abrollen, brandet in der Halle Beifall auf. Die knisternde Spannung ist verschwunden. Jetzt herrscht Euphorie.
So viel Hype um einen kleinen Rechner? Eigentlich ist das schwer einzusehen. Der Konzern jedenfalls tut traditionell wenig, die Ekstase seiner Fans anzuheizen. Beworben werden Apples Innovationen im Vorfeld der großen Produktschauen kaum. Wie kein anderer hüllt sich der Konzern aus Cupertino regelmäßig in Schweigen. Allerdings nicht ganz: Gewollt oder ungewollt finden immer wieder Gerüchte aus dem Unternehmensumfeld ihren Weg ins Internet und breiten sich dort epidemisch aus. Virales Marketing heißt diese scheinbar unkontrollierte Art der Weiterverbreitung, und glaubt man Fachleuten wie Henning Lobin, beherrscht sie Apple ziemlich gut.
Durch "künstliche Verknappung" offizieller Informationen einerseits und eine gärende Gerüchteküche im Internet andererseits werde gezielt Spannung geschürt, sagt der Gießener Sprachwissenschaftler und Computerlinguist. Alles kulminiere dann in der Präsentation des Produkts durch Steve Jobs. Der Apple-Chef, der in Turnschuhen und Jeans über die Bühne streicht, ist für Lobin ein moderner Priester, der seiner Gemeinde die Heilsbotschaft mittels der kleinen Rechner verkündet. In San Francisco sieht das so aus: schwarze Leinwand, sphärisches Licht und der iPad wie ein Kelch auf dem Altar. Die Szenerie habe "klare sakrale Anklänge", sagt Lobin. Allein die Präsentation, die seit Jahren immer gleich ablaufe, sei Kult und eine der Wurzeln des Erfolgs von Apple.
Tatsächlich könnte auch der neue iPad wieder einmal das Zeug dazu haben, eine ganze Branche umzukrempeln. Die ab 1984 eingeführten Mac-Rechner revolutionierten durch ihre grafische Oberfläche und die Bedienung mit einer Maus das Arbeiten am PC. Mit der Einführung des Musikspielers iPod schaffte es Apple, im Jahr 2001 auch in der Unterhaltungsbranche Fuß zu fassen.
Der letzte und technologisch bedeutendste Schritt gelang 2007. Mit dem iPhone-Handy wurde der Konzern zum Wegbereiter des mobilen Internets - einer Technologie, die nach Expertenmeinung so ziemlich alle anderen Wege, Informationen zu versenden, verdrängen könnte. Knapp neun Millionen iPhones hat Apple allein im letzten Quartal 2009 weltweit verkauft und sich dabei eine goldene Nase verdient.
Das Geheimnis der Apple-Produkte sei ihre "gnadenlos einfache" Bedienbarkeit und die geschickte Verknüpfung von Hard- und Software, sagt Tim Bosenick, Geschäftsführer der IT-Beratung Sirvaluse. Zum iPod-Musikspieler habe der Konzern die eigene iTunes-Plattform gleich mitgeliefert und quasi nebenbei der durch illegale Musik-Downloads unter Druck geratenen Musikbranche das Geschäft gerettet. Nicht ohne Eigennutz: Mittlerweile ist Apple der größte Musikverkäufer im Internet überhaupt. Sein Multifunktions-Handy kombinierte Apple mit einem Krämerladen für Kleinsoftware - dem sogenannten App-Store, in dem mittlerweile 130.000 Hilfsprogramme eingestellt sind. Gigantische drei Milliarden Mal sollen die Nutzer bislang zugegriffen haben.
Ist der jetzt vorgestellte Flachcomputer ein ähnliches Wunderding? Der Start der Geräteklasse verlief jedenfalls ziemlich holprig. Bereits zu Beginn der 90er Jahre experimentierten mehrere Herstellern mit den dünnen Rechnern, die nicht über eine Tastatur, sondern über einen Stift bedient wurden. Kinderkrankheiten machten den Flachcomputern aber zunächst den Garaus.
Jetzt allerdings scheint die Zeit für die elektronische Schiefertafel reif. Besonders die darbende Zeitschriften- und Zeitungsbranche sieht in den aufgemotzten Lesegeräten einen Rettungsanker. Seit Jahren brechen den Verlagen Auflagen und Gewinne weg, weil sich immer mehr Leser lieber gratis im Internet informieren, als für Informationen in Print-Produkten zu bezahlen. Branchenkenner wie Holger Kansky, Multimediareferent beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), halten es für eine Herkulesaufgabe, dem stationären Internet diese Gratiskultur auszutreiben. Anders sieht es bei mobilen Anwendungen aus. Die Neigung der Nutzer, hier Geld für Informationen auszugeben, wird höher eingeschätzt. "Alles Mobile sehen wir als Chance", sagt Kansky.
Daher schielen gerade Medienkonzerne in den USA, wo der Slate als Erstes auf den Markt kommt, mit Argusaugen auf die Schiefertafel. Fünf Großverlage, das kündigte Jobs gestern an, bauen derzeit eine Vertriebsplattform auf, über die bald Beiträge oder Bücher angeboten werden sollen - ähnlich wie Musik heute im iTunes-Store oder Software im App-Store. Auch deutsche Verlagshäuser arbeiteten nach Angaben Kanskys an einer einheitlichen digitalen Plattform. Entsprechende Überlegungen existieren auch in diesem Haus.
Fachleute glauben, dass die neuen Flachrechner zusammen mit intelligenter Software das Zeug dazu haben, auch den Printmedien wieder bessere Geschäfte zu bescheren. Anzeichen dafür gibt es. Am Tag nach Weihnachten hat der Buchhändler Amazon in den USA erstmals mehr Online-Bücher als gedruckte Exemplare verkauft. Bei Zeitungen und Zeitschriften ist das zwar noch nicht absehbar. Allerdings hat Apple-Chef Jobs mit seinen virtuellen Kaufhäusern iTunes und dem App-Store vorgemacht, wie man mit der entsprechenden Plattform auch im Internet Geld verdienen kann. Bosenick: "Warum soll das bei Magazin- und Zeitungsartikeln nicht auch klappen?"
Der iPad soll Ende März weltweit im Handel erhältlich sein. Der Preis für das kleinste Modell mit 16 GB Speicher wird bei 499 Dollar liegen.
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Auf der Bühne ist Steve Jobs in seinem Element. Der Apple-Chef spricht dann nicht wie ein Firmenlenker, sondern wie ein Prophet. "Es wird besser als ein Laptop, besser als ein Smartphone", sagt er. Und: "Wir nennen es iPad."
Wochenlang hatten Millionen Apple-Fans auf diesen Auftritt gewartet. Sie wollten sehen, wie der 54-jährige auf die Bühne tritt und die Welt eine andere ist, nachdem er sie wieder verlassen hat. In Blogs und Internet-Foren hatten sie sich über Form, Größe und technische Eigenschaften jenes ominösen Flachcomputers gestritten, der Apple neue Millionen in die Firmenkasse spülen soll und nebenbei darbenden Verlagen zum rettenden Strohhalm werden könnte. Aber erst jetzt kristallisiert sich heraus: Apple hat wohl das geliefert, was die Fans erwartet haben. Einen Rechner, mit dem man mobil im Internet surfen, Filme abspielen, aber auch elektronische Bücher und Zeitungen lesen kann. Der iPad trete an, die Lücke zwischen Handy und Laptop zu schließen, sagt Jobs. Als der Apple-Mitgründer den gerade mal 1,25 Zentimeter dünnen Rechner zum ersten Mal in den Händen wiegt, die Finger über den Bildschirm streichen lässt und auf der Leinwand im Hintergrund immer neue Anwendungen auf- und abrollen, brandet in der Halle Beifall auf. Die knisternde Spannung ist verschwunden. Jetzt herrscht Euphorie.
So viel Hype um einen kleinen Rechner? Eigentlich ist das schwer einzusehen. Der Konzern jedenfalls tut traditionell wenig, die Ekstase seiner Fans anzuheizen. Beworben werden Apples Innovationen im Vorfeld der großen Produktschauen kaum. Wie kein anderer hüllt sich der Konzern aus Cupertino regelmäßig in Schweigen. Allerdings nicht ganz: Gewollt oder ungewollt finden immer wieder Gerüchte aus dem Unternehmensumfeld ihren Weg ins Internet und breiten sich dort epidemisch aus. Virales Marketing heißt diese scheinbar unkontrollierte Art der Weiterverbreitung, und glaubt man Fachleuten wie Henning Lobin, beherrscht sie Apple ziemlich gut.
Durch "künstliche Verknappung" offizieller Informationen einerseits und eine gärende Gerüchteküche im Internet andererseits werde gezielt Spannung geschürt, sagt der Gießener Sprachwissenschaftler und Computerlinguist. Alles kulminiere dann in der Präsentation des Produkts durch Steve Jobs. Der Apple-Chef, der in Turnschuhen und Jeans über die Bühne streicht, ist für Lobin ein moderner Priester, der seiner Gemeinde die Heilsbotschaft mittels der kleinen Rechner verkündet. In San Francisco sieht das so aus: schwarze Leinwand, sphärisches Licht und der iPad wie ein Kelch auf dem Altar. Die Szenerie habe "klare sakrale Anklänge", sagt Lobin. Allein die Präsentation, die seit Jahren immer gleich ablaufe, sei Kult und eine der Wurzeln des Erfolgs von Apple.
Tatsächlich könnte auch der neue iPad wieder einmal das Zeug dazu haben, eine ganze Branche umzukrempeln. Die ab 1984 eingeführten Mac-Rechner revolutionierten durch ihre grafische Oberfläche und die Bedienung mit einer Maus das Arbeiten am PC. Mit der Einführung des Musikspielers iPod schaffte es Apple, im Jahr 2001 auch in der Unterhaltungsbranche Fuß zu fassen.
Der letzte und technologisch bedeutendste Schritt gelang 2007. Mit dem iPhone-Handy wurde der Konzern zum Wegbereiter des mobilen Internets - einer Technologie, die nach Expertenmeinung so ziemlich alle anderen Wege, Informationen zu versenden, verdrängen könnte. Knapp neun Millionen iPhones hat Apple allein im letzten Quartal 2009 weltweit verkauft und sich dabei eine goldene Nase verdient.
Das Geheimnis der Apple-Produkte sei ihre "gnadenlos einfache" Bedienbarkeit und die geschickte Verknüpfung von Hard- und Software, sagt Tim Bosenick, Geschäftsführer der IT-Beratung Sirvaluse. Zum iPod-Musikspieler habe der Konzern die eigene iTunes-Plattform gleich mitgeliefert und quasi nebenbei der durch illegale Musik-Downloads unter Druck geratenen Musikbranche das Geschäft gerettet. Nicht ohne Eigennutz: Mittlerweile ist Apple der größte Musikverkäufer im Internet überhaupt. Sein Multifunktions-Handy kombinierte Apple mit einem Krämerladen für Kleinsoftware - dem sogenannten App-Store, in dem mittlerweile 130.000 Hilfsprogramme eingestellt sind. Gigantische drei Milliarden Mal sollen die Nutzer bislang zugegriffen haben.
Ist der jetzt vorgestellte Flachcomputer ein ähnliches Wunderding? Der Start der Geräteklasse verlief jedenfalls ziemlich holprig. Bereits zu Beginn der 90er Jahre experimentierten mehrere Herstellern mit den dünnen Rechnern, die nicht über eine Tastatur, sondern über einen Stift bedient wurden. Kinderkrankheiten machten den Flachcomputern aber zunächst den Garaus.
Jetzt allerdings scheint die Zeit für die elektronische Schiefertafel reif. Besonders die darbende Zeitschriften- und Zeitungsbranche sieht in den aufgemotzten Lesegeräten einen Rettungsanker. Seit Jahren brechen den Verlagen Auflagen und Gewinne weg, weil sich immer mehr Leser lieber gratis im Internet informieren, als für Informationen in Print-Produkten zu bezahlen. Branchenkenner wie Holger Kansky, Multimediareferent beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), halten es für eine Herkulesaufgabe, dem stationären Internet diese Gratiskultur auszutreiben. Anders sieht es bei mobilen Anwendungen aus. Die Neigung der Nutzer, hier Geld für Informationen auszugeben, wird höher eingeschätzt. "Alles Mobile sehen wir als Chance", sagt Kansky.
Daher schielen gerade Medienkonzerne in den USA, wo der Slate als Erstes auf den Markt kommt, mit Argusaugen auf die Schiefertafel. Fünf Großverlage, das kündigte Jobs gestern an, bauen derzeit eine Vertriebsplattform auf, über die bald Beiträge oder Bücher angeboten werden sollen - ähnlich wie Musik heute im iTunes-Store oder Software im App-Store. Auch deutsche Verlagshäuser arbeiteten nach Angaben Kanskys an einer einheitlichen digitalen Plattform. Entsprechende Überlegungen existieren auch in diesem Haus.
Fachleute glauben, dass die neuen Flachrechner zusammen mit intelligenter Software das Zeug dazu haben, auch den Printmedien wieder bessere Geschäfte zu bescheren. Anzeichen dafür gibt es. Am Tag nach Weihnachten hat der Buchhändler Amazon in den USA erstmals mehr Online-Bücher als gedruckte Exemplare verkauft. Bei Zeitungen und Zeitschriften ist das zwar noch nicht absehbar. Allerdings hat Apple-Chef Jobs mit seinen virtuellen Kaufhäusern iTunes und dem App-Store vorgemacht, wie man mit der entsprechenden Plattform auch im Internet Geld verdienen kann. Bosenick: "Warum soll das bei Magazin- und Zeitungsartikeln nicht auch klappen?"
Der iPad soll Ende März weltweit im Handel erhältlich sein. Der Preis für das kleinste Modell mit 16 GB Speicher wird bei 499 Dollar liegen.
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