Nachhilfe
Eltern im Südwesten geben am meisten aus
dpa/lsw, veröffentlicht am 28.01.2010
Gütersloh - Für den Schulerfolg ihrer Kinder greifen die Eltern im Südwesten besonders tief in die Tasche. Mit 131 Euro pro Schüler und Jahr liegt Baden-Württemberg laut einer Studie der Gütersloher Bertelsmann Stiftung zusammen mit Hamburg auf Platz eins aller Bundesländer. Der Durchschnitt in ganz Deutschland liegt bei 108 Euro. Die private Nachhilfe beginnt wegen der Einteilung für weiterführende Schulen sehr früh: Fast jeder fünfte Viertklässler bekommt bezahlte Deutsch-Nachhilfe, jeder Sechste erhält Zusatzunterricht in Mathematik, wie aus der am Donnerstag veröffentlichten Untersuchung hervorgeht.
Die Autoren der Studie, Klaus und Annemarie Klemm, schätzen, dass rund 180.000 der 1,2 Millionen Schüler im Südwesten Nachhilfe bekommen und dafür zwischen 161 Millionen und 250 Millionen Euro ausgegeben werden. Diese Bandbreite ergebe sich aus der schwierigen Datenlage. Bei der Höchstschätzung ergeben sich sogar 204 Euro Nachhilfeausgaben pro Schüler und Jahr in Baden-Württemberg.
Die SPD-Opposition sieht in der Studie einen weiteren Beleg für ihre Kritik an der Bildungspolitik der CDU/FDP-Landesregierung. "Die Eltern trauen dem Schulsystem offensichtlich nicht zu, dass ihre Kinder bestmöglich individuell gefördert werden", erklärte der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Frank Mentrup.
Ähnlich argumentieren auch die beiden Forscher. Sie kritisieren, dass vor allem Kinder aus wohlhabenden Familien diese außerschulischen Förderung bekämen. Auch längeres gemeinsames Lernen, mehr Ganztagsschulen und weniger Sitzenbleiber könnten zu mehr Chancengerechtigkeit in der Bildung beitragen.
Die Autoren der Studie, Klaus und Annemarie Klemm, schätzen, dass rund 180.000 der 1,2 Millionen Schüler im Südwesten Nachhilfe bekommen und dafür zwischen 161 Millionen und 250 Millionen Euro ausgegeben werden. Diese Bandbreite ergebe sich aus der schwierigen Datenlage. Bei der Höchstschätzung ergeben sich sogar 204 Euro Nachhilfeausgaben pro Schüler und Jahr in Baden-Württemberg.
Die SPD-Opposition sieht in der Studie einen weiteren Beleg für ihre Kritik an der Bildungspolitik der CDU/FDP-Landesregierung. "Die Eltern trauen dem Schulsystem offensichtlich nicht zu, dass ihre Kinder bestmöglich individuell gefördert werden", erklärte der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Frank Mentrup.
Ähnlich argumentieren auch die beiden Forscher. Sie kritisieren, dass vor allem Kinder aus wohlhabenden Familien diese außerschulischen Förderung bekämen. Auch längeres gemeinsames Lernen, mehr Ganztagsschulen und weniger Sitzenbleiber könnten zu mehr Chancengerechtigkeit in der Bildung beitragen.
Kommentare
Jorge Negro,
07.02.2010 17:38
Als Eltern zweier G8-Schüler wundert man sich schon, was unser Kultusminister so von sich gibt und fragt sich, ob er sich in seiner Amtszeit je genauer mit der Statistik seines Resort befasst hat. Auch fragt man sich, ob seine Kinder oder Enkel je eine herkömmliche Schule besuch(t)en. Schon die Vorgängerin, die heute die Bundesgeschicke lenkt, hat mit Ihrem Stab das G8 ohne Beratung aus der Basis, der Lehrer, durchgepresst. Es gibt einen so eklatanten Mangel an Pädagogen, dass nicht mal die planmäßigen Stundentafeln vernünftig abgedeckt werden können. Und wenn dann auch noch Lehrer krank werden fragen sich die Schüler schon, warum sie weniger Unterricht haben, als in der Grundschule. Und irgendwann merken sie was G8 bedeutet: Schnell ein Thema nach dem anderen durchackern, zur Übung bleibt keine Zeit, verschiebt man ins Elternhaus. Anderes Paradebeispiel: Der Biolehrer fragt sich, ob er die Sexualkunde Ende der 5. Klasse schon durchgehen soll, weil einige Kinder noch so jung sind. Dahingegen übersetzen sie aus den Lateinbüchern, die einst für Klasse 7 gemacht wurden, Themen zu Krieg und Vergewaltigung. Toll Herr Rau, dafür gegeben wir jetzt mal wieder was fürs Marketing aus. Ihr Politiker und Regierungspräsidiums-Sitzer macht endlich zügig Euren Job, bundesweit, einheitlich, pädagogisch, in kleineren Klassen (20), an die biologische und geistige Entwicklung der Kinder angepasst, das heißt Gesamtschule bis zur 6. oder 7. Klasse!
Judith Forcher,
02.02.2010 12:14
Als Mutter zweier schulpflichtiger Kinder an staatlichen Schulen kenne ich die Ursachen der Bildungsmisere aus dem Alltag, und zwar ganz genau. Es findet ja kaum noch Unterricht statt, bei dem die notwendigen Grundqualifikationen in Deutsch, Mathe oder Englisch vermittelt werden. Außer den immer ausgedehnteren Ferien reihen sich dann Wintersporttage, an Wandertage, Projekttage, Ausflüge, Landschulheim ...
Wenn z.B. Vormittags ein Wandertag stattfindet, lassen die Lehrer am Nachmittag den Förderunterricht ausfallen ! Genauso lassen die Lehrer spontan den Förderunterricht ausfallen, wenn es im Sommer mal heiß ist, d.h. mehr als 25 Grad
... Das Interesse der Lehrer an den Kindern und deren schulischen Erfolgen ist kaum vorhanden. Es wird Dienst geschoben, der nicht einmal nach Vorschrift ist. Lehrer kommen häufig zu spät, es merkt ja keiner und die Schüler beklagen sich nicht darüber.
Das größte Übel unseres verkehrten Bildungssystems ist nicht ein Mangel an Lehrern, sondern die Verbeamtung der Lehrer. Diese ist unnötig wie ein Kropf und führt zu den Missständen, die heute üerall beklagt werden. Nichts wird sich ändern, wenn dieses System der Verbeamtung nicht abgeschafft wird. Lehrer und Rektoren müssen sich an den Schulen einer tranparenten Qualitätsüberprüfung stellen.
Ganztagsschulen müssen eingerichtet werden. Und dann müssen die Lehrer verpflichtet werden, ihre Arbeitszeit an der Schule zu verbringen. So wie das bei anderen Arbeitnehmern auch üblich ist. Wer dazu nicht bereit ist, zeigt, dass er auch charakterlich wohl zu denen gehört, die nicht für den Lehrerberuf geeignet sind. Und eine Präsenzpflicht an der Schule ist ja wohl nicht zuviel verlangt, sondern eigentlich das natürlichste von der Welt. Dann ist Ganztagsschule möglich.
Alle anderen Maßnahmen sind sinn- und ziellos, weil sie für die Schüler nichts bringen udn letztlich auch nichts für die Gesellschaft, außer dass es viel Geld kostet.
Wenn z.B. Vormittags ein Wandertag stattfindet, lassen die Lehrer am Nachmittag den Förderunterricht ausfallen ! Genauso lassen die Lehrer spontan den Förderunterricht ausfallen, wenn es im Sommer mal heiß ist, d.h. mehr als 25 Grad
... Das Interesse der Lehrer an den Kindern und deren schulischen Erfolgen ist kaum vorhanden. Es wird Dienst geschoben, der nicht einmal nach Vorschrift ist. Lehrer kommen häufig zu spät, es merkt ja keiner und die Schüler beklagen sich nicht darüber.
Das größte Übel unseres verkehrten Bildungssystems ist nicht ein Mangel an Lehrern, sondern die Verbeamtung der Lehrer. Diese ist unnötig wie ein Kropf und führt zu den Missständen, die heute üerall beklagt werden. Nichts wird sich ändern, wenn dieses System der Verbeamtung nicht abgeschafft wird. Lehrer und Rektoren müssen sich an den Schulen einer tranparenten Qualitätsüberprüfung stellen.
Ganztagsschulen müssen eingerichtet werden. Und dann müssen die Lehrer verpflichtet werden, ihre Arbeitszeit an der Schule zu verbringen. So wie das bei anderen Arbeitnehmern auch üblich ist. Wer dazu nicht bereit ist, zeigt, dass er auch charakterlich wohl zu denen gehört, die nicht für den Lehrerberuf geeignet sind. Und eine Präsenzpflicht an der Schule ist ja wohl nicht zuviel verlangt, sondern eigentlich das natürlichste von der Welt. Dann ist Ganztagsschule möglich.
Alle anderen Maßnahmen sind sinn- und ziellos, weil sie für die Schüler nichts bringen udn letztlich auch nichts für die Gesellschaft, außer dass es viel Geld kostet.
Michael Gomolzig ,
28.01.2010 17:35
Weil an den meisten Schulen zu wenig Stütz- und Fördermaßnahmen angeboten werden, viel zu viele Stunden ausfallen und Klassen pädagogisch unverantwortlich groß sind, greifen immer mehr Eltern auf außerschulische Nachhilfelehrer und Nachhilfe-Institute zurück oder melden ihr Kind gleich an einer Privatschule an.
Da haben Schüler aus einkommensschwächeren Familien eindeutig das Nachsehen.
Kommerzielle, also auf Gewinn ausgerichtete Nachhilfe-Institute liefern zwar gute Arbeit, übernehmen aber mit dem nachmittäglichen Zusatzunterricht im Prinzip staatliche Aufgaben.
Wirklich ausreichende Stützkurse für Schwächere gibt es an den wenigsten Schulen im Land; Teilungsstunden bei übervollen Klassen kennen die meisten nur noch vom Hörensagen.
Bildungspolitik in Zeiten knapper Kassen darf nicht darauf hinauslaufen, dass es an den Schulen Bildung und Erziehung für alle lediglich in der „Demo-Version“ gibt und sich nur finanziell besser gestellte Familien die Vollversion mit allen notwendigen Extras für viel Geld außerhalb der Schule einkaufen. Schulischer Erfolg hängt heute mehr denn je vom Geldbeutel der Eltern ab.
Diese Tatsache ist zwar nicht neu; skandalös ist es jedoch, dass sich an der schul- und bildungspolitischen Schieflage auch nach Pisa nur wenig geändert hat - trotz der "Qualitätsoffensive Bildung". Ausländerkinder - selbst in Baden-Württemberg geborene - kommen häufig mit erheblichen Sprachdefiziten in die Schule. Auch deutsche Kinder leiden unter Sprachstörungen oder Spracharmut.
Das Land ist zwar mit der Sprachförderung in Kindergärten auf dem richtigen Weg, in Schüler mit Lernschwierigkeiten wird jedoch nach wie vor entschieden zu wenig investiert. Vor allem den Grundschulen müssten wieder so viele Förderstunden zur Verfügung gestellt werden, die sie benötigen, um Schwächeren auf Dauer wirkungsvoll zu helfen. Die Lehrerkrankheitsreserve sollte so stark sein, dass nicht zu viel Unterricht ausfallen muss. Und in keiner Klasse dürften heute mehr als 22 Schüler sitzen.
Michael Gomolzig
Sprecher des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE)
Da haben Schüler aus einkommensschwächeren Familien eindeutig das Nachsehen.
Kommerzielle, also auf Gewinn ausgerichtete Nachhilfe-Institute liefern zwar gute Arbeit, übernehmen aber mit dem nachmittäglichen Zusatzunterricht im Prinzip staatliche Aufgaben.
Wirklich ausreichende Stützkurse für Schwächere gibt es an den wenigsten Schulen im Land; Teilungsstunden bei übervollen Klassen kennen die meisten nur noch vom Hörensagen.
Bildungspolitik in Zeiten knapper Kassen darf nicht darauf hinauslaufen, dass es an den Schulen Bildung und Erziehung für alle lediglich in der „Demo-Version“ gibt und sich nur finanziell besser gestellte Familien die Vollversion mit allen notwendigen Extras für viel Geld außerhalb der Schule einkaufen. Schulischer Erfolg hängt heute mehr denn je vom Geldbeutel der Eltern ab.
Diese Tatsache ist zwar nicht neu; skandalös ist es jedoch, dass sich an der schul- und bildungspolitischen Schieflage auch nach Pisa nur wenig geändert hat - trotz der "Qualitätsoffensive Bildung". Ausländerkinder - selbst in Baden-Württemberg geborene - kommen häufig mit erheblichen Sprachdefiziten in die Schule. Auch deutsche Kinder leiden unter Sprachstörungen oder Spracharmut.
Das Land ist zwar mit der Sprachförderung in Kindergärten auf dem richtigen Weg, in Schüler mit Lernschwierigkeiten wird jedoch nach wie vor entschieden zu wenig investiert. Vor allem den Grundschulen müssten wieder so viele Förderstunden zur Verfügung gestellt werden, die sie benötigen, um Schwächeren auf Dauer wirkungsvoll zu helfen. Die Lehrerkrankheitsreserve sollte so stark sein, dass nicht zu viel Unterricht ausfallen muss. Und in keiner Klasse dürften heute mehr als 22 Schüler sitzen.
Michael Gomolzig
Sprecher des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE)
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