13. Schuljahr

Salem zieht Antrag zurück

dpa/lsw, veröffentlicht am 02.02.2010
Foto: Schloss Salem

Salem - Das traditionsreiche Elite-Internat Salem am Bodensee hat seinen Antrag auf ein 13. Schuljahr zurückgezogen. Das teilte am Dienstag eine Sprecherin des Kultusministeriums in Stuttgart mit. Schulleiterin Eva Marie Haberfellner bestätigte den Rückzug. Sie sagte: "Politische Parteien und viele andere haben uns zur Speerspitze gewählt, um G8 noch einmal infrage zu stellen. Dabei haben wir nie das neunjährige Gymnasium wieder einführen wollen." Die oppositionelle SPD forderte unterdessen, die CDU/FDP-Landesregierung müsse der Schule in Salem das 13. Schuljahr genehmigen.

Am achtjährigen Gymnasialzug (G8) gibt es seit Monaten heftige Kritik von Eltern, Lehrern und Schülern. Die Verkürzung von neun auf acht Jahre führe dazu, dass mehr Schüler mit Gymnasialempfehlung auf die Realschule wechselten als nötig. Einen Antrag des Auguste-Pattberg-Gymnasiums in Mosbach (Neckar-Odenwald-Kreis), neben dem achtjährigen einen neunjährigen Zug einzurichten, hatte das Regierungspräsidium Karlsruhe in Abstimmung mit dem Kultusministerium im März 2009 abgelehnt. Baden-Württemberg hatte als erstes großes Flächenland das achtjährige Gymnasium im Schuljahr 2004/05 eingeführt.

Die Salemer Schulleiterin Haberfellner erläuterte, das zusätzliche Jahr sei von Anfang an nicht als reguläres Schuljahr gedacht gewesen. Vielmehr sollte damit einigen Schülern aus dem Ausland der Wechsel in das deutsche Bildungssystem erleichtert werden. "Es wäre uns dabei um 15 oder 20 Schüler gegangen."

Haberfellner sagte: "Mit unserem Antrag haben wir offenbar einen Nerv getroffen." Plötzlich habe ganz Baden-Württemberg ein "Salemjahr" machen wollen. Diese große Zustimmung sei bei den Gesprächen mit dem Ministerium jedoch eher hinderlich als hilfreich gewesen. Die Schule wolle jetzt mit ihren ausländischen Partnern nach Alternativen suchen. "Das Jahr ist nicht aufgegeben." Es gehe vor allem um eine Flexibilisierung im Sinne der Schüler. Ziel sei, deren Persönlichkeit zu stärken und möglichst niemanden zurücklassen zu müssen.

Die SPD kritisierte, dass die Schule ihren Antrag "nach massivem Druck aus dem Ministerium" habe zurückziehen müssen. Die Ablehnung sei ein weiteres Beispiel dafür, dass die CDU ihre Bildungspolitik gegen die berechtigten Wünsche der betroffenen Schulen und Eltern autoritär durchboxe.

Die Schule Schloss Salem wurde im April 1920 von Prinz Max von Baden und dem Pädagogen Kurt Hahn gegründet. Nach der Erweiterung des Campus des Salem International College bei Überlingen erreichte die Schülerzahl ihren bisherigen Höchststand: Im Schuljahr 2008/09 besuchten mehr als 700 Schülerinnen und Schüler die drei Salemer Teilschulen.
 

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