Imam-Ausbildung Unis im Land bewerben sich
dpa, veröffentlicht am 02.02.2010
Tübingen - Die Universitäten Tübingen und Heidelberg wollen sich um Institute zur Ausbildung von Imamen und islamischen Religionslehrern bewerben. Der Wissenschaftsrat, der Bund und Länder in der Hochschul- und Forschungspolitik berät, hatte am Wochenende den Aufbau von Instituten für islamische Theologie an deutschen Universitäten gefordert. Damit könne man eine "fundierte Ausbildung" der islamischen Geistlichen sicherstellen. Für eine entsprechende Stellungnahme hatte eine Expertengruppe während ihrer zweijährigen Beratung auch Kirchen und den Koordinationsrat der Muslime in Deutschland einbezogen.
"Unser Interesse ist sehr ausgeprägt", sagte Tübingens Rektor Bernd Engler am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Die Hochschule sei in den Fächern Orientalistik, Islamwissenschaft, Theologie und interreligiöser Dialog sehr gut aufgestellt.
Die ersten Konzepte für eine wissenschaftliche Aufarbeitung islamischer Religiosität seien in Tübingen schon vor Jahren erarbeitet worden. Generell wolle die Hochschule vor allem die Bereiche in den Geisteswissenschaften stärken, die auch in der gesellschaftlichen Debatte eine Rolle spielen, sagte Engler. Ein Zentrum für islamwissenschaftliche Studien passe sehr gut in dieses Konzept.
Er fürchte auch nicht die von vielen Experten erwarteten Konflikte mit den Vertretern muslimischer Verbände, die bei der Gestaltung der Studiengänge und der Auswahl der Professoren mitbestimmen sollen. "Man sollte nicht das Konfliktpotenzial im Auge haben, sondern unvoreingenommen an solche Gespräche herangehen", sagte der Rektor. Die Universität Tübingen hat 2000 Wissenschaftler und rund 23.000 Studenten, davon knapp 900 in der evangelischen und katholischen Theologie.
"Auch die Uni Heidelberg hat ihren Hut in den Ring geworfen", sagte eine Sprecherin am Dienstag. Denkbar seien neben der reinen Lehrerausbildung auch ein übergreifendes Angebot. Das könnte eine Verknüpfung der theologischen Forschung mit der Kultur- und Integrationsforschung sowie einem Kulturaustausch in der Praxis sein.
Heidelberg böte sich für die Idee zur Imam-Ausbildung und - Forschung an. Zum einen würde das wissenschaftliche Umfeld sehr für die Einführung einer solchen Ausbildung sprechen: Die Islamwissenschaften und die theologische Fakultät seien sehr erfolgreich, zudem bestehe seit längerem eine gute Kooperation mit der jüdischen Hochschule, sagte die Uni-Sprecherin. Und zum anderen gebe es im Verbund mit der nur wenige Kilometer entfernten Stadt Mannheim eine "starke gesellschaftliche Einbindung". Dort sind fast ein Zehntel der Einwohner muslimischen Glaubens.
Für Details zur Ausgestaltung der Ausbildung sei es aber noch zu früh, sagte die Sprecherin weiter. "Alles ist denkbar." Man warte daher auch erst ab, welche Vorgaben es vonseiten des Landes gebe.
In Heidelberg sind von den rund 27 000 Studenten etwa 140 im auslaufenden Magister- und dem neuen Bachelorstudiengang Islamwissenschaften eingeschrieben. Dazu kommen 70 Studenten der Religionswissenschaften und 400 der evangelischen Theologie.
Auch die Universität Münster hat bereits "großes Interesse" am Aufbau eines islamischen theologischen Instituts angemeldet. Münster bildet seit 2004 als fast einzige Hochschule in Deutschland Lehrer für den bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht aus. Die Universität hat eigenen Angaben zu Folge auch die größten Fakultäten für evangelische und katholische Theologie in Deutschland.
Derzeit werden an deutschen Schulen 700.000 muslimische Schüler unterrichtet. Bei Einführung eines islamischen Religionsunterrichts werden nach Schätzungen zwischen 2000 und 5000 Lehrer benötigt.
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Die ersten Konzepte für eine wissenschaftliche Aufarbeitung islamischer Religiosität seien in Tübingen schon vor Jahren erarbeitet worden. Generell wolle die Hochschule vor allem die Bereiche in den Geisteswissenschaften stärken, die auch in der gesellschaftlichen Debatte eine Rolle spielen, sagte Engler. Ein Zentrum für islamwissenschaftliche Studien passe sehr gut in dieses Konzept.
Rektor will unvoreingenommen Gespräche führen
Er fürchte auch nicht die von vielen Experten erwarteten Konflikte mit den Vertretern muslimischer Verbände, die bei der Gestaltung der Studiengänge und der Auswahl der Professoren mitbestimmen sollen. "Man sollte nicht das Konfliktpotenzial im Auge haben, sondern unvoreingenommen an solche Gespräche herangehen", sagte der Rektor. Die Universität Tübingen hat 2000 Wissenschaftler und rund 23.000 Studenten, davon knapp 900 in der evangelischen und katholischen Theologie.
"Auch die Uni Heidelberg hat ihren Hut in den Ring geworfen", sagte eine Sprecherin am Dienstag. Denkbar seien neben der reinen Lehrerausbildung auch ein übergreifendes Angebot. Das könnte eine Verknüpfung der theologischen Forschung mit der Kultur- und Integrationsforschung sowie einem Kulturaustausch in der Praxis sein.
Heidelberg böte sich für die Idee zur Imam-Ausbildung und - Forschung an. Zum einen würde das wissenschaftliche Umfeld sehr für die Einführung einer solchen Ausbildung sprechen: Die Islamwissenschaften und die theologische Fakultät seien sehr erfolgreich, zudem bestehe seit längerem eine gute Kooperation mit der jüdischen Hochschule, sagte die Uni-Sprecherin. Und zum anderen gebe es im Verbund mit der nur wenige Kilometer entfernten Stadt Mannheim eine "starke gesellschaftliche Einbindung". Dort sind fast ein Zehntel der Einwohner muslimischen Glaubens.
Für Details zur Ausgestaltung der Ausbildung sei es aber noch zu früh, sagte die Sprecherin weiter. "Alles ist denkbar." Man warte daher auch erst ab, welche Vorgaben es vonseiten des Landes gebe.
In Heidelberg sind von den rund 27 000 Studenten etwa 140 im auslaufenden Magister- und dem neuen Bachelorstudiengang Islamwissenschaften eingeschrieben. Dazu kommen 70 Studenten der Religionswissenschaften und 400 der evangelischen Theologie.
Auch die Universität Münster hat bereits "großes Interesse" am Aufbau eines islamischen theologischen Instituts angemeldet. Münster bildet seit 2004 als fast einzige Hochschule in Deutschland Lehrer für den bekenntnisorientierten islamischen Religionsunterricht aus. Die Universität hat eigenen Angaben zu Folge auch die größten Fakultäten für evangelische und katholische Theologie in Deutschland.
Derzeit werden an deutschen Schulen 700.000 muslimische Schüler unterrichtet. Bei Einführung eines islamischen Religionsunterrichts werden nach Schätzungen zwischen 2000 und 5000 Lehrer benötigt.
Kommentare (1)
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Thomas Melber,
02.02.2010
Fragen, Fragen ...
Zunächst: Wer bezahlt? Wer darf sich einschreiben (logisch wäre: nur Muslime)? In welcher Richtung wird ausgebildet (sunnitisch, schiitisch, alevitisch, u.a.)? In welcher Sprache wird gelehrt (der Koran ist ausschließlich in arabisch "authentisch")?
Die Ausbildung von Imamen hat mit Islamwissenschaften nur wenig gemein, eigentlich sind von einem fundamental-religiösen Standpunkt aus Islamstudien, wie wir sie durchführen, untersagt.
Die Ausbildung von Imamen hat mit Islamwissenschaften nur wenig gemein, eigentlich sind von einem fundamental-religiösen Standpunkt aus Islamstudien, wie wir sie durchführen, untersagt.
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