Vergabe von Studienplätzen Studiengänge werden überbucht
Michael Trauthig, veröffentlicht am 04.02.2010
Stuttgart - Man muss nicht von "Zulassungschaos" wie in der Vergangenheit reden. Doch große Probleme gibt es bei der Studienplatzvergabe weiterhin. Das zeigt eine Erhebung der Kultusministerkonferenz (KMK), die der StZ vorliegt. Danach waren Ende Oktober 2009 bundesweit in den Numerus-Clausus-Fächern noch mindestens 18.000 Studienplätze unbesetzt, also zu einem Zeitpunkt, da die Vorlesungen schon liefen und Vorbereitungskurse beendet sind. Bis weit ins Semester dauerten dann die Nachrückverfahren an den Unis. "Dies beeinträchtigt einen erfolgreichen Start ins Studium erheblich", heißt es in dem Entwurf, den die Amtschefs der Ministerien heute erörtern.
Die Schwierigkeiten sind beileibe nicht neu. Sie waren im Jahre 2008 sogar so groß, dass viele Studienplätze trotz starker Nachfrage unbesetzt blieben. Das Problem hatte sich aufgeschaukelt, seitdem die Zentrale Vergabestelle für Studienplätze (ZVS) ihre Steuerungsfunktion weitgehend verlor. Weil es heute für zahlreiche Fächer örtliche Zulassungsbeschränkungen gibt, schicken Abiturienten mehrere Bewerbungen ab, teilweise mehr als zehn.
Das ist verständlich, macht den Hochschulen aber zu schaffen. Wenn diese ihre Zulassungsbescheide verschicken, bleibt mancher Sitz im Hörsaal frei, weil der Aspirant inzwischen ein besseres Angebot andernorts angenommen hat. Die Folge sind die Nachrückverfahren. Diese gehen allerdings mittlerweile besser über die Bühne als zuvor.
"In Baden-Württemberg kann von einem Einschreibchaos keine Rede sein", sagt ein Sprecher des Wissenschaftsministeriums und untermauert dies mit Zahlen. Die Hochschulen im Land haben in den Bachelor-, Lehramt- und Staatsexamenstudiengängen mit örtlichem NC nicht weniger, sondern mehr Bewerber zum Zuge kommen lassen, als es Plätze gab. Die Auslastung liegt bei 106 Prozent. Betrachtet man die Universitäten allein, fällt die Bilanz zwar schlechter, aber immer noch besser als 2008 aus. Dort blieben jetzt nur noch 320 Studienplätze frei. Zuvor waren es rund 2000 gewesen.
Dieser Fortschritt hat mehrere Gründe. Eine Online-Studienplatzbörse hat ein wenig geholfen. Wichtiger war jedoch, dass die Zahl der Studiengänge mit lokalem NC etwa im Südwesten von 279 auf 212 sank, ähnlich war es andernorts. Außerdem haben die Hochschulen dazugelernt. Die Verfahren wurden gestrafft, Mehrfachbewerbungen mit einkalkuliert. Die Unis fahren dabei eine zum Teil riskante Strategie, weil sie ihre Studiengänge stark "überbuchen".
An der Universität Mainz gab es zum Beispiel laut der Erhebung der KMK für den Bachelor-Studiengang Biologie mit 108 Plätzen 877 Bewerbungen. In einem ersten Schwung erhielten sage und schreibe 676 Aspiranten den Zuschlag. Dennoch schrieben sich nur 92 bis zum Vorlesungsbeginn ein. Ähnlich lief es in den Rechtswissenschaften. Trotz 1381 Zulassungen gab es zunächst lediglich 240 Einschreibungen.
Die Verantwortlichen in Mainz hatten mit ihrer Taktik Erfolg. Sie brauchten durchschnittlich nur zwei Nachrückverfahren. An der Uni Würzburg musste dagegen bis zu acht mal nachgesteuert werden, was zum Teil bis zum 17. November dauerte. Gegenüber dem Wintersemester 2008/09 habe es Verbesserungen gegeben, urteilt der KMK-Bericht. Das Verfahren müsse trotzdem schneller werden. Möglichst sollten die Studienplätze bereits vier Wochen vor Vorlesungsbeginn vergeben sein. Dann bliebe Zeit für Wohnungssuche, Umzug und Vorbereitung.
Hier setzt die KMK Hoffnungen auf ein computergesteuertes System, das im Herbst starten soll. Dann würden Bewerbungen andernorts sofort gelöscht, wenn sich ein Abiturient mit einer Uni einigt. "Das sollte bald kommen", sagt Achim Meyer-auf der Heyde. Der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks findet es unakzeptabel, dass viele Erstsemester zu Beginn ihres Studiums wertvolle Zeit verlieren. "Bei dem Prüfungsdruck dürfen die Probleme nicht die Studenten ausbaden."
"Dies beeinträchtigt einen erfolgreichen Start ins Studium
erheblich."
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Das KMK-Papier zu langwierigen Zulassungsverfahren
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Das ist verständlich, macht den Hochschulen aber zu schaffen. Wenn diese ihre Zulassungsbescheide verschicken, bleibt mancher Sitz im Hörsaal frei, weil der Aspirant inzwischen ein besseres Angebot andernorts angenommen hat. Die Folge sind die Nachrückverfahren. Diese gehen allerdings mittlerweile besser über die Bühne als zuvor.
"In Baden-Württemberg kann von einem Einschreibchaos keine Rede sein", sagt ein Sprecher des Wissenschaftsministeriums und untermauert dies mit Zahlen. Die Hochschulen im Land haben in den Bachelor-, Lehramt- und Staatsexamenstudiengängen mit örtlichem NC nicht weniger, sondern mehr Bewerber zum Zuge kommen lassen, als es Plätze gab. Die Auslastung liegt bei 106 Prozent. Betrachtet man die Universitäten allein, fällt die Bilanz zwar schlechter, aber immer noch besser als 2008 aus. Dort blieben jetzt nur noch 320 Studienplätze frei. Zuvor waren es rund 2000 gewesen.
Dieser Fortschritt hat mehrere Gründe. Eine Online-Studienplatzbörse hat ein wenig geholfen. Wichtiger war jedoch, dass die Zahl der Studiengänge mit lokalem NC etwa im Südwesten von 279 auf 212 sank, ähnlich war es andernorts. Außerdem haben die Hochschulen dazugelernt. Die Verfahren wurden gestrafft, Mehrfachbewerbungen mit einkalkuliert. Die Unis fahren dabei eine zum Teil riskante Strategie, weil sie ihre Studiengänge stark "überbuchen".
Das Verfahren soll schneller werden
An der Universität Mainz gab es zum Beispiel laut der Erhebung der KMK für den Bachelor-Studiengang Biologie mit 108 Plätzen 877 Bewerbungen. In einem ersten Schwung erhielten sage und schreibe 676 Aspiranten den Zuschlag. Dennoch schrieben sich nur 92 bis zum Vorlesungsbeginn ein. Ähnlich lief es in den Rechtswissenschaften. Trotz 1381 Zulassungen gab es zunächst lediglich 240 Einschreibungen.
Die Verantwortlichen in Mainz hatten mit ihrer Taktik Erfolg. Sie brauchten durchschnittlich nur zwei Nachrückverfahren. An der Uni Würzburg musste dagegen bis zu acht mal nachgesteuert werden, was zum Teil bis zum 17. November dauerte. Gegenüber dem Wintersemester 2008/09 habe es Verbesserungen gegeben, urteilt der KMK-Bericht. Das Verfahren müsse trotzdem schneller werden. Möglichst sollten die Studienplätze bereits vier Wochen vor Vorlesungsbeginn vergeben sein. Dann bliebe Zeit für Wohnungssuche, Umzug und Vorbereitung.
Hier setzt die KMK Hoffnungen auf ein computergesteuertes System, das im Herbst starten soll. Dann würden Bewerbungen andernorts sofort gelöscht, wenn sich ein Abiturient mit einer Uni einigt. "Das sollte bald kommen", sagt Achim Meyer-auf der Heyde. Der Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks findet es unakzeptabel, dass viele Erstsemester zu Beginn ihres Studiums wertvolle Zeit verlieren. "Bei dem Prüfungsdruck dürfen die Probleme nicht die Studenten ausbaden."
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