Verdammnis
Die Hackerin, die Frauenhasser hasst
Ulrich Kriest, veröffentlicht am 04.02.2010
Filmbeschreibung
Weiter geht es mit den Verfilmungen der drei Stieg-Larsson-Bestsellerkrimis! Auf die durchaus packende "Verblendung" (im Original eher "Männer, die Frauen hassen") folgt jetzt "Verdammnis" ("Das Mädchen, das mit dem Feuer spielte"), der zweite Teil der "Millennium"-Trilogie, diesmal unter der Regie von Daniel Alfredson. Erneut geht es um Verbrechen, um Recherchen und um Dinge, die nur scheinbar in der Vergangenheit schlummern, aber noch sehr vital in die Gegenwart hineinwirken.
Diesmal sind es zwei junge Amateure, die im internationalen Mädchenhandel recherchieren. Sie bieten die Ergebnisse ihrer Arbeit zunächst Mikael Blomkvist und dem Politmagazin "Millennium" an und bezahlen dafür fast gleichzeitig mit ihrem Leben. Die Exposition ist kurz, ökonomisch erzählt und setzt selbstbewusst die Kenntnis des ersten Teils der Filmtrilogie voraus. Dann wird schon international wegen dreifachen Mordes nach Lisbeth Salander (Noomi Rapace) gefahndet.
Allein der Journalist Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) glaubt nicht an Salanders Schuld und beginnt gleichfalls mit Nachforschungen. Wie in einem guten alten Sjöwall/Wahlöö-Krimi der siebziger Jahre zeigt sich erstaunlich rasch, dass die Klientel des Mädchenhändlerringes bis in höchste Polizei-, Mediziner- und Politikkreise reicht. Die Fäden laufen bei einem mysteriösen Geheimdienstler zusammen, der aber von mächtigen Stellen protegiert wird. Allein sein Deckname "Zala" löst bei Eingeweihten Furcht und Schrecken, Mord und Totschlag aus.
"Verdammnis" knüpft an die kalkulierte Düsternis von "Verblendung" an, setzt auf die desorientierende Wirkung der mobilen Handkamera und spart nicht mit Szenen expliziter Gewalt. Dennoch gelangt der deutlich einer TV-Ästhetik verpflichtete Film dramaturgisch nicht über einen 130-minütigen Cliffhanger vor dem finalen dritten Teil hinaus, der erst im Frühsommer zu sehen sein wird. Zwar ist auch "Verdammnis" der deutschen "Tatort"-Konfektion allemal vorzuziehen, aber bei der Zurichtung der Romanvorlage hat man es sich etwas leicht gemacht. Der Film beginnt mit Hinweisen auf ein Komplott, doch dann entscheidet er sich viel zu schnell, statt der vielen und kompliziert verflochtenen Geschichten lieber nur eine einzige zu zeigen und die anderen lieber referieren zu lassen.
Von erstaunlicher Schwerfälligkeit ist die fortwährende Darstellung der investigativen Recherche. So faszinierend die Hackerfähigkeiten der Salander auch sind, letztlich erwecken ihre mühelosen Erfolge den Eindruck, dass man sich nur mal ein Viertelstündchen an den Computer setzen muss, um sämtliche Verschwörungen dieser Welt aufzudecken. Wenn jemand im Kampf Techniken verrät, die auf eine Vergangenheit als Boxer schließen lassen, dauert es keine fünf Minuten, bis dessen Vita (fast) lückenlos ermittelt ist, obwohl die Spur bis ins Hamburger Halbweltmilieu der späten achtziger Jahre zurückführt. Vielleicht steckt in diesem Vertrauen ins Internet sogar der aufklärerische Impuls der "Millennium"-Trilogie, aber befriedigend ist das Ganze nicht.
Im Mittelpunkt des zweiten Teils der Trilogie steht eindeutig Lisbeth Salander, deren bislang irritierend geheimnisvolle Erscheinung nun etwas belichtet wird. Sie ist ein exemplarisches Opfer des in Verbrechen verstrickten staatlichen Machtapparats. Immerhin wurde sie nie müde, Widerstand zu leisten und ihre Peiniger zielstrebig zur Rechenschaft zu ziehen. Sie hat dafür auch gute Gründe. Die Reise in die Nacht ihrer Kindheit und Jugend offenbart einen Abgrund misogyner Gewaltverhältnisse, die letztlich immer Familienverhältnisse sind.
"Verdammnis" bietet also letztlich nur eine Variation und historische Verankerung eines wohl elementar zu denkenden Frauenhasses, einer Verbindung von Faschismus und Sadismus. Und Lisbeth Salander ist die Frau, die die Männer für diesen Hass hasst - einen ganz bestimmten Mann ganz besonders. Die politische Dimension der Romanvorlage bleibt in dieser Rachevariante allerdings auf der Strecke. Stattdessen lebt der Film seinen Sinn für gotischen Horror aus: Gleich außerhalb der Städte gibt es leere Fabrikhallen und Landhäuser, in denen der Schrecken wohnt. Dort ist das Reich des Supergangsters "Zala" und seines hünenhaften und im Wortsinne gefühllosen Adlatus - beim ausgedehnten und dabei doch recht statisch inszenierten Showdown kippt "Verdammnis" endgültig um in die triviale Filmwelt von James Bond, Michael Myers & Co., in der schwer geschundene Körper sich immer wieder noch ein weiteres Mal erheben.
Diesmal sind es zwei junge Amateure, die im internationalen Mädchenhandel recherchieren. Sie bieten die Ergebnisse ihrer Arbeit zunächst Mikael Blomkvist und dem Politmagazin "Millennium" an und bezahlen dafür fast gleichzeitig mit ihrem Leben. Die Exposition ist kurz, ökonomisch erzählt und setzt selbstbewusst die Kenntnis des ersten Teils der Filmtrilogie voraus. Dann wird schon international wegen dreifachen Mordes nach Lisbeth Salander (Noomi Rapace) gefahndet.
Allein der Journalist Mikael Blomkvist (Michael Nyqvist) glaubt nicht an Salanders Schuld und beginnt gleichfalls mit Nachforschungen. Wie in einem guten alten Sjöwall/Wahlöö-Krimi der siebziger Jahre zeigt sich erstaunlich rasch, dass die Klientel des Mädchenhändlerringes bis in höchste Polizei-, Mediziner- und Politikkreise reicht. Die Fäden laufen bei einem mysteriösen Geheimdienstler zusammen, der aber von mächtigen Stellen protegiert wird. Allein sein Deckname "Zala" löst bei Eingeweihten Furcht und Schrecken, Mord und Totschlag aus.
"Verdammnis" knüpft an die kalkulierte Düsternis von "Verblendung" an, setzt auf die desorientierende Wirkung der mobilen Handkamera und spart nicht mit Szenen expliziter Gewalt. Dennoch gelangt der deutlich einer TV-Ästhetik verpflichtete Film dramaturgisch nicht über einen 130-minütigen Cliffhanger vor dem finalen dritten Teil hinaus, der erst im Frühsommer zu sehen sein wird. Zwar ist auch "Verdammnis" der deutschen "Tatort"-Konfektion allemal vorzuziehen, aber bei der Zurichtung der Romanvorlage hat man es sich etwas leicht gemacht. Der Film beginnt mit Hinweisen auf ein Komplott, doch dann entscheidet er sich viel zu schnell, statt der vielen und kompliziert verflochtenen Geschichten lieber nur eine einzige zu zeigen und die anderen lieber referieren zu lassen.
Von erstaunlicher Schwerfälligkeit ist die fortwährende Darstellung der investigativen Recherche. So faszinierend die Hackerfähigkeiten der Salander auch sind, letztlich erwecken ihre mühelosen Erfolge den Eindruck, dass man sich nur mal ein Viertelstündchen an den Computer setzen muss, um sämtliche Verschwörungen dieser Welt aufzudecken. Wenn jemand im Kampf Techniken verrät, die auf eine Vergangenheit als Boxer schließen lassen, dauert es keine fünf Minuten, bis dessen Vita (fast) lückenlos ermittelt ist, obwohl die Spur bis ins Hamburger Halbweltmilieu der späten achtziger Jahre zurückführt. Vielleicht steckt in diesem Vertrauen ins Internet sogar der aufklärerische Impuls der "Millennium"-Trilogie, aber befriedigend ist das Ganze nicht.
Im Mittelpunkt des zweiten Teils der Trilogie steht eindeutig Lisbeth Salander, deren bislang irritierend geheimnisvolle Erscheinung nun etwas belichtet wird. Sie ist ein exemplarisches Opfer des in Verbrechen verstrickten staatlichen Machtapparats. Immerhin wurde sie nie müde, Widerstand zu leisten und ihre Peiniger zielstrebig zur Rechenschaft zu ziehen. Sie hat dafür auch gute Gründe. Die Reise in die Nacht ihrer Kindheit und Jugend offenbart einen Abgrund misogyner Gewaltverhältnisse, die letztlich immer Familienverhältnisse sind.
"Verdammnis" bietet also letztlich nur eine Variation und historische Verankerung eines wohl elementar zu denkenden Frauenhasses, einer Verbindung von Faschismus und Sadismus. Und Lisbeth Salander ist die Frau, die die Männer für diesen Hass hasst - einen ganz bestimmten Mann ganz besonders. Die politische Dimension der Romanvorlage bleibt in dieser Rachevariante allerdings auf der Strecke. Stattdessen lebt der Film seinen Sinn für gotischen Horror aus: Gleich außerhalb der Städte gibt es leere Fabrikhallen und Landhäuser, in denen der Schrecken wohnt. Dort ist das Reich des Supergangsters "Zala" und seines hünenhaften und im Wortsinne gefühllosen Adlatus - beim ausgedehnten und dabei doch recht statisch inszenierten Showdown kippt "Verdammnis" endgültig um in die triviale Filmwelt von James Bond, Michael Myers & Co., in der schwer geschundene Körper sich immer wieder noch ein weiteres Mal erheben.
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