Missbrauchsskandal bei Jesuiten Weiteres Opfer aufgetaucht
dpa, veröffentlicht am 05.02.2010
Entwicklungen
Im Missbrauchsskandal an Schulen und Einrichtungen des katholischen Jesuitenordens hat sich ein weiteres Opfer gemeldet. Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" erklärte ein früherer Schüler des Bonner Jesuiten-Gymnasiums Aloisiuskolleg, er sei Anfang der 60er Jahre von einem inzwischen gestorbenen Pater missbraucht worden. Ein Anwalt von Opfern am Berliner Canisius-Gymnasium will eine Sammelklage gegen den Jesuiten-Orden in den USA prüfen. Die Deutsche Bischofskonferenz (DKB) setzte das Missbrauchsthema auf die Tagesordnung ihrer nächsten Vollversammlung Ende Februar und kündigte eine öffentliche Stellungnahme an. Erste Missbrauchsfälle aus den 70er und 80er Jahren wurden vor einer Woche in Berlin bekannt. Dann kamen weitere Taten von drei Jesuitenpatres in Hamburg, Hildesheim, Göttingen, Hannover und im Schwarzwald ans Licht. Im Bereich Jesuiten-Ordens gibt es nun mindestens 30 Opfer.
Debatte um Zölibat
Der Missbrauchsskandal entfacht die Debatte über den Zölibat neu. "Es spricht nichts dafür, dass die pädophile Tendenz durch den Zölibat entsteht", sagte Norbert Leygraf vom Institut für Forensische Psychiatrie an der Universität Duisburg-Essen. Das Institut begutachtet im Auftrag der Kirche Mitarbeiter der Kirche, die im Verdacht eines Sexualdeliktes stehen. In den vergangenen sieben Jahren seien das etwa 20 Fälle gewesen. "Der Verzicht auf Sexualität führt nicht dazu, dass die Sexualität sich ändert", stellte Leygraf klar. Der Psychiater warnte vor der Annahme, dass Kindesmissbrauch kirchenspezifisch ist. Pädophilie komme in allen Berufsgruppen vor. In pädagogischen Berufen bestehe allerdings eher die Möglichkeit, die sexuellen Fantasien umzusetzen. Nach Ansicht von Leygraf tut die Kirche heute sehr viel, um Missbrauchsfälle zu verhindern.
Staatliche Schulen
Auch an staatlichen und privaten Schulen in Berlin komme es zu sexuellen Übergriffen auf Schüler. Zehn Missbrauchsfälle hätten sich in den letzten zehn Jahren als begründet herausgestellt, sagte der Sprecher der Senats-Bildungsverwaltung. Angezeigt worden seien in der Bildungsverwaltung 17 Verdachtsfälle.
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