Leonberger Kreiszeitung

DISKUSSION UM DIE CARL-PETERS-STRASSE "Wir sollten auf einen neuen Namen drängen"

veröffentlicht am 06.02.2010

Der Pfarrer Adolf Rager ist seit mehr als zehn Jahren Priester an der Kirche Sankt Johannes in Korntal. Außerdem ist der 66-jährige für Münchingen, Hemmingen und Kallenberg zuständig. Der Ravensburger studierte in Tübingen und Paris katholische, sowie in Münster ökumenische Theologie.




Der Streit Carl Peters (1856- 1918) war Ende des 19. Jahrhunderts Reichskommissar in Ostafrika. Er war berüchtigt für sein blutiges Regime, was in seinem Leitspruch "Haben Sie noch keinen Neger geschossen?" zum Ausdruck kam. 1897 wurde er nach einem Disziplinarverfahren aus dem Staatsdienst entlassen, weil er seine Konkubine hatte hinrichten lassen. Der Bürgermeister Joachim Wolf möchte, dass der von den Nazis aufs Korntaler Straßenschild gehobene "Hänge-Peters" verschwindet. Am kommenden Donnerstag, 11. Februar, 19 Uhr, entscheidet der Gemeinderat darüber. kew



Sollte die Carl-Peters-Straße in Korntal einen neuen Namen bekommen, wäre davon auch die katholische Kirchengemeinde betroffen. Trotzdem plädiert Pfarrer Adolf Rager für eine Umbenennung. Doch nicht alle 2000 Korntaler Katholiken sind dieser Meinung.



Herr Pfarrer Rager, die Korntaler Kirche ist dem Heiligen Johannes geweiht. . .



Ja, das ist unser Namenspatron, der unsere Kirche seit mehr als 50 Jahren beschützt und begleitet. Johannes ist der Evangelist, der das längste Evangelium geschrieben hat.



Passt er zu Carl Peters?



Eigentlich nicht. Bei Carl Peters ist bekannt, dass er in Ostafrika tätig war und entsprechend eine schlechte Figur abgegeben hat. 1897 wurde er wegen der Art und Weise, wie er die Eingeborenen behandelte, aus dem Staatsdienst entlassen. Das war wohlgemerkt noch zur Kaiserzeit. Das ist schon ein sehr massiver Punkt.



Gehört so jemand aufs Straßenschild?



Ich denke, dass Bedenken voll berechtigt sind. Aber da spreche ich nicht für die ganze Gemeinde, sondern für mich als Einzelperson.



Haben Sie über die gegenwärtig diskutierte Straßenumbenennung schon im Kirchengemeinderat gesprochen?



Teilweise ja. Wir haben das Problem angesprochen. Die Frage kommt ja alle paar Jahre hoch. Auch zu meiner Zeit wurde schon einmal eine Umbenennung diskutiert. Wir haben aber bisher keine abschließende Meinung. Die einen würden gerne den Weg der Umbenennung gehen, andere möchten es lieber so stehen lassen. Es besteht noch Diskussionsbedarf.



Was ist Ihre persönliche Meinung?



Ich würde es gerne sehen, dass eine Umbenennung dieser Straße stattfindet. Damit haben wir auch einen Schnitt. Alle Alternativen, zum Beispiel den Vornamen abzukürzen oder die Straße gedanklich von Carl Peters, den fragwürdigen Kolonialherren, auf Carl Friedrich Peters umzuwidmen, der um 1800 in Leipzig einen Musikverlag gegründet hat, wie dies auch von manchen Gemeindemitgliedern angedeutet wurde, halte ich nicht für die beste Löstung.



Warum?



Der Name würde dann trotzdem stehen. Es wäre eine Umbenennung auf kleinstem Niveau. Das würde ich nicht für gut halten.



Darf jemand, nach dem eine Straße benannt ist, keine dunklen Punkte haben?



Diese dunklen Punkte sind bei Carl Peters sehr massiv. Das sind ja keine harmlosen Dinge. Ich habe vor einem Jahr einen dicken Beschwerdebrief bekommen. Darin hieß es, die Kirche würde dazu schweigen, dass sie an einer Straße stehe, die Carl Peters gewidmet ist. Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Als Kirche muss man schon darauf drängen, dass ein würdiger Name auf dem Straßenschild steht. Das muss kein Seeliger oder Heiliger sein, aber doch ein Würdiger.



Manche meinen, wenn Carl Peters ausgetauscht wird, dann muss auch die Martin-Luther-Straße einen neuen Namen bekommen.



Nein. Martin Luther war ein bedeutender Reformator und hat seine Verdienste. In vielen Dingen war er natürlich nicht einig mit der katholischen Kirche und am Ende seines Lebens hat er auch schlimme Dinge über jüdische Gläubige geschrieben. Aber man muss sein Gesamtwerk betrachten, und seine Schriften auch aus der damaligen Zeit heraus beurteilen, auch wenn man heute manches natürlich nicht mehr akzeptieren kann.



Beim Informationsabend für die Anwohner hatte der Bürgermeister einen schweren Stand. Warum weckt diese Diskussion solche Emotionen?



Auch nach der Zeit des Zweiten Weltkriegs blieb der Name Peters bestehen. Vielleicht hätte man früher überlegen sollen, es zu ändern. Jetzt sind es die Leute gewohnt. Eine ältere Frau hat neulich zu mir gesagt, sie wohne hier seit mehr als 30 Jahren und gehe mit dem Namen um. Vor etwas Neuem haben viele Menschen Angst. Und dann geht es natürlich darum, dass manche Leute ihren Briefkopf ändern müssen.



Haben Sie schon ausgerechnet, was die Umbenennung die katholische Kirchengemeinde kosten würde?



Ich sehe keinen großen Aufwand. Wir haben natürlich wunderschönes Briefpapier. Da stempeln wir dann jeweils unter die Adresse den neuen Straßennamen. Das kostet nicht mehr als einen neuen Stempel, und ich weiß auch schon, wo ich den besorge. Das nächste Briefpapier in etwa einem dreiviertel Jahr muss dann eben neu gedruckt werden. Ich sehe das Problem nicht in den Kosten.



Die Fragen stellte Eberhard Wein.




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