Streit um Löws Vertrag Alte Riege gegen die junge Garde
Thomas Haid, veröffentlicht am 09.02.2010
Aserbaidschan - Zurzeit muss man schon bis nach Aserbaidschan fahren, um zum Durcheinander bei der Nationalmannschaft eine klare Stellungnahme zu bekommen. "Jedes Wort darüber ist fehl am Platz", sagt der dortige Nationaltrainer Berti Vogts, der von 1990 bis 1998 auch die deutsche Elf betreut hat, "sie sollen das Thema beenden - am besten schon heute. Man muss sich jetzt auf die WM konzentrieren." Doch dieser gut gemeinte Vorstoß wird aller Voraussicht nach verpuffen. Es ist ein frommer Wunsch, den Vogts da ausspricht.
Sehr wahrscheinlich wird der Machtkampf im Deutschen Fußball-Bund (DFB) nämlich bis zur Weltmeisterschaft im Sommer andauern und auch während des Turniers nicht enden. Dabei geht es um mehr als die in der vergangenen Woche geplatzten Vertragsverlängerungen des Bundestrainers Joachim Löw und des Teammanagers Oliver Bierhoff. Dahinter steckt ein Grundsatzkonflikt zwischen der alten und der neuen Fußballfamilie im Verband.
Die Auseinandersetzung begann schon 2004 mit der Einstellung von Jürgen Klinsmann, der eher ein Reformer und ein Projektleiter war denn ein Fußballlehrer. Das war die Geburtsstunde der neuen Familie. Auch sechs Jahre später sind die Animositäten zwischen den beiden Lagern nicht ausgeräumt. Im Gegenteil, der Ton hat sich nun weiter verschärft.
Gekränkte Eitelkeiten schwingen mit, wozu die Vorgeschichte passt. Die Verpflichtung von Klinsmann erfolgte einst weniger aus Überzeugung und mehr aus Mangel an Alternativen und zähneknirschend. Von Anfang an fürchtete die alte DFB-Riege um ihre Pfründe - und in der Tat änderte sich einiges.
So gibt es inzwischen eine sichtbare Grenze zwischen der sportlichen Abteilung und den Funktionären, die zuvor bei Großveranstaltungen im Mannschaftshotel gewohnt und sich mit der Nähe zu den Spielern geschmückt hatten. Das schaffte Klinsmann ab, was vielen Leuten im Verband ein Ärgernis war - und ist. Sie mussten Abstriche machen und auf Privilegien verzichten, die sie lieber heute als morgen zurückhätten. Jetzt sehen sie offenbar die Chance zur Retourkutsche.
Zu dieser alten Familie gehören der DFB-Präsident Theo Zwanziger, der Generalsekretär Wolfgang Niersbach, der Sportdirektor Matthias Sammer, der Ligachef Reinhard Rauball und Franz Beckenbauer, aber auch die früheren Stars Oliver Kahn und Lothar Matthäus. Auf der anderen Seite stehen Löw, der sich jedoch im Gegensatz zu Klinsmann als reiner Trainer begreift, und Bierhoff. Das ist eine Art Staat im Staat, wobei Bierhoff seit dem Rücktritt von Klinsmann 2006 ein Problem hat: er muss die Manageraufgaben alleine schultern. Zuvor hatte das Klinsmann zu großen Teilen erledigt - und Bierhoff dadurch aus der Schusslinie genommen.
Nun steht er im Feuer. Dabei machte er sich in den Augen der alten Familie angreifbar. Ihm fehlt die mitreißende Art, mit der Klinsmann zuvor auf der mittleren DFB-Dienstebene und auch bei den Fans gepunktet hatte. Bei Bierhoff herrscht der Eindruck vor, dass er sich von der Basis ziemlich weit entfernt hat. Auch bei den meisten Bundesligisten ist er umstritten. Wenn es hart auf hart kommt, kann er jedenfalls kaum auf eine breite Unterstützung zählen - was die alte Familie wohl registriert hat. Für sie ist Bierhoff derjenige, der sie von der Nationalmannschaft fernhält, wofür die räumliche Trennung mit der Unterbringung in unterschiedlichen Hotels ein Symbol ist. Ohne Bierhoff wäre alles leichter.
Seinen Posten könnte sofort Sammer beziehen. Dann wäre vieles wie früher und die alte Familie wieder nah dran an den Spielern und glücklich. Die wichtigen Punkte würden vom Präsidium geregelt. So hätte speziell der mit Sammer, Beckenbauer und auch mit Matthäus befreundete Niersbach mehr Einfluss gewonnen.
Jetzt ist aber der Fall eingetreten, dass sich der beim Fußballvolk beliebte Löw vorbehaltlos mit Bierhoff verbündet hat. Dass er das so konsequent tut, hat die alte Familie vermutlich überrascht. Denn bisher ist Löw nur dadurch aufgefallen, dass er seine Energie für die Tätigkeit auf dem Platz aufsparte. Der Erfolg gab ihm recht. In Richtungsfragen hatte sich Löw dagegen schon unter Klinsmann kaum eingemischt. In dieser Beziehung galt er sogar als ein wenig lethargisch. Aber nun ist er sauer.
Nach StZ-Informationen wollte Löw seinen Vertrag verlängern - bis ihm am Dienstag ein Schreiben des Verbands ins Haus flatterte, wonach er sich in den nächsten 48 Stunden definitiv erklären müsse. Löw fühlte sich angesichts des Ultimatums brüskiert. Dabei heißt es intern ohnehin von Zwanziger, dass er seine Mitarbeiter immer zu sehr schnellen Entscheidungen dränge. Endgültig übergelaufen war das Fass für Löw dann, als er vor der DFB-Präsidiumssitzung am Donnerstag in "Bild" lesen musste, welche Forderungen er und Bierhoff angeblich stellen würden. Das war für den Trainer ein Vertrauensbruch.
So ist der Stand. Nahezu ausgeschlossen scheint, dass es vor der Weltmeisterschaft in Südafrika noch zu Verhandlungen und zu einer Annäherung kommt - der Ansage aus Aserbaidschan zum Trotz.
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Eine neue Familie entsteht
Die Auseinandersetzung begann schon 2004 mit der Einstellung von Jürgen Klinsmann, der eher ein Reformer und ein Projektleiter war denn ein Fußballlehrer. Das war die Geburtsstunde der neuen Familie. Auch sechs Jahre später sind die Animositäten zwischen den beiden Lagern nicht ausgeräumt. Im Gegenteil, der Ton hat sich nun weiter verschärft.
Gekränkte Eitelkeiten schwingen mit, wozu die Vorgeschichte passt. Die Verpflichtung von Klinsmann erfolgte einst weniger aus Überzeugung und mehr aus Mangel an Alternativen und zähneknirschend. Von Anfang an fürchtete die alte DFB-Riege um ihre Pfründe - und in der Tat änderte sich einiges.
So gibt es inzwischen eine sichtbare Grenze zwischen der sportlichen Abteilung und den Funktionären, die zuvor bei Großveranstaltungen im Mannschaftshotel gewohnt und sich mit der Nähe zu den Spielern geschmückt hatten. Das schaffte Klinsmann ab, was vielen Leuten im Verband ein Ärgernis war - und ist. Sie mussten Abstriche machen und auf Privilegien verzichten, die sie lieber heute als morgen zurückhätten. Jetzt sehen sie offenbar die Chance zur Retourkutsche.
Zu dieser alten Familie gehören der DFB-Präsident Theo Zwanziger, der Generalsekretär Wolfgang Niersbach, der Sportdirektor Matthias Sammer, der Ligachef Reinhard Rauball und Franz Beckenbauer, aber auch die früheren Stars Oliver Kahn und Lothar Matthäus. Auf der anderen Seite stehen Löw, der sich jedoch im Gegensatz zu Klinsmann als reiner Trainer begreift, und Bierhoff. Das ist eine Art Staat im Staat, wobei Bierhoff seit dem Rücktritt von Klinsmann 2006 ein Problem hat: er muss die Manageraufgaben alleine schultern. Zuvor hatte das Klinsmann zu großen Teilen erledigt - und Bierhoff dadurch aus der Schusslinie genommen.
Bierhoff habe sich von der Basis entfernt
Nun steht er im Feuer. Dabei machte er sich in den Augen der alten Familie angreifbar. Ihm fehlt die mitreißende Art, mit der Klinsmann zuvor auf der mittleren DFB-Dienstebene und auch bei den Fans gepunktet hatte. Bei Bierhoff herrscht der Eindruck vor, dass er sich von der Basis ziemlich weit entfernt hat. Auch bei den meisten Bundesligisten ist er umstritten. Wenn es hart auf hart kommt, kann er jedenfalls kaum auf eine breite Unterstützung zählen - was die alte Familie wohl registriert hat. Für sie ist Bierhoff derjenige, der sie von der Nationalmannschaft fernhält, wofür die räumliche Trennung mit der Unterbringung in unterschiedlichen Hotels ein Symbol ist. Ohne Bierhoff wäre alles leichter.
Seinen Posten könnte sofort Sammer beziehen. Dann wäre vieles wie früher und die alte Familie wieder nah dran an den Spielern und glücklich. Die wichtigen Punkte würden vom Präsidium geregelt. So hätte speziell der mit Sammer, Beckenbauer und auch mit Matthäus befreundete Niersbach mehr Einfluss gewonnen.
Jetzt ist aber der Fall eingetreten, dass sich der beim Fußballvolk beliebte Löw vorbehaltlos mit Bierhoff verbündet hat. Dass er das so konsequent tut, hat die alte Familie vermutlich überrascht. Denn bisher ist Löw nur dadurch aufgefallen, dass er seine Energie für die Tätigkeit auf dem Platz aufsparte. Der Erfolg gab ihm recht. In Richtungsfragen hatte sich Löw dagegen schon unter Klinsmann kaum eingemischt. In dieser Beziehung galt er sogar als ein wenig lethargisch. Aber nun ist er sauer.
Löw bruskiert sich über Ultimatum
Nach StZ-Informationen wollte Löw seinen Vertrag verlängern - bis ihm am Dienstag ein Schreiben des Verbands ins Haus flatterte, wonach er sich in den nächsten 48 Stunden definitiv erklären müsse. Löw fühlte sich angesichts des Ultimatums brüskiert. Dabei heißt es intern ohnehin von Zwanziger, dass er seine Mitarbeiter immer zu sehr schnellen Entscheidungen dränge. Endgültig übergelaufen war das Fass für Löw dann, als er vor der DFB-Präsidiumssitzung am Donnerstag in "Bild" lesen musste, welche Forderungen er und Bierhoff angeblich stellen würden. Das war für den Trainer ein Vertrauensbruch.
So ist der Stand. Nahezu ausgeschlossen scheint, dass es vor der Weltmeisterschaft in Südafrika noch zu Verhandlungen und zu einer Annäherung kommt - der Ansage aus Aserbaidschan zum Trotz.
Kommentare (10)
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Ersatzspieler,
10.02.2010
Wer kann Löw beerben ?
Die Frage ist, wer Löw beerben könnte ?
Der ideale Bundestrainer ist und bleibt Hitzfeld, denn er hat alles, was einen idealen Trainer auszeichnet. Vielleicht hat er ja Lust, die Schweizer Nati nach der WM zu verlassen oder mit Löw zu tauschen. Löw in die Schweiz und Hitzfeld zum DFB.
Nummer Zwei: Da wirds schon viel schwieriger: Magath könnte es auch, aber der würde dann gleichzeitig die Jobs von Bierhoff, Löw, Sammer und z.T. von Zwanziger machen. Das würde nicht mit den DFB-Statuten vereinbar sein. Also dann doch weiterhin Schalke.
Nummer Drei: Christoph Daum war doch schon einmal einen gefühlten Tag Bundestrainer bis er den grandiosen Fehler beging, sich zu einer Haarprobe hinreißen zu lassen, ohne dabei zu bedenken, dass nicht nur das Kopfhaar untersucht wird, sondern auch eine Probe seiner Schamhaare. Dies hat damals Hoeness den Kopf und damit seinen Managerposten gerettet. Also dann lieber doch nicht.
Nummer Vier: Einen Elsässer wie Arsene Wenger, der kann Deutsch wohl in Wort und Schrift und vielleicht wäre der Posten des Bundestrainers eine Herausforderung, der er sich stellen möchte und dies wäre eine tolle Sache für die deutsch-französische Freundschaft.
Nummer Fünf: Ralf Rangnick, der es auch kann und der nicht nur 150 % Leidenschaft hätte, sondern glatt das Doppelte. Einziges Manko: Er ist noch nicht so diplomatisch wie Hitzfeld und es könnte aus ihm irgendwann ein kleiner Hitzkopf werden.
Nummer Sechs: Armin Veh: Er ist Meistertrainer und er war Trainer bei dem noch aktuellen Deutschen Meister bis der Preissn-Hoeness kam. Veh ist nicht zufällig Meister geworden, er ist frei und kann sofort beginnen und er erfüllt auch das K.O-Kriterium: Trainerstation VfB Stuttgart. Veh könnte es viel besser als viele denken.
Der ideale Bundestrainer ist und bleibt Hitzfeld, denn er hat alles, was einen idealen Trainer auszeichnet. Vielleicht hat er ja Lust, die Schweizer Nati nach der WM zu verlassen oder mit Löw zu tauschen. Löw in die Schweiz und Hitzfeld zum DFB.
Nummer Zwei: Da wirds schon viel schwieriger: Magath könnte es auch, aber der würde dann gleichzeitig die Jobs von Bierhoff, Löw, Sammer und z.T. von Zwanziger machen. Das würde nicht mit den DFB-Statuten vereinbar sein. Also dann doch weiterhin Schalke.
Nummer Drei: Christoph Daum war doch schon einmal einen gefühlten Tag Bundestrainer bis er den grandiosen Fehler beging, sich zu einer Haarprobe hinreißen zu lassen, ohne dabei zu bedenken, dass nicht nur das Kopfhaar untersucht wird, sondern auch eine Probe seiner Schamhaare. Dies hat damals Hoeness den Kopf und damit seinen Managerposten gerettet. Also dann lieber doch nicht.
Nummer Vier: Einen Elsässer wie Arsene Wenger, der kann Deutsch wohl in Wort und Schrift und vielleicht wäre der Posten des Bundestrainers eine Herausforderung, der er sich stellen möchte und dies wäre eine tolle Sache für die deutsch-französische Freundschaft.
Nummer Fünf: Ralf Rangnick, der es auch kann und der nicht nur 150 % Leidenschaft hätte, sondern glatt das Doppelte. Einziges Manko: Er ist noch nicht so diplomatisch wie Hitzfeld und es könnte aus ihm irgendwann ein kleiner Hitzkopf werden.
Nummer Sechs: Armin Veh: Er ist Meistertrainer und er war Trainer bei dem noch aktuellen Deutschen Meister bis der Preissn-Hoeness kam. Veh ist nicht zufällig Meister geworden, er ist frei und kann sofort beginnen und er erfüllt auch das K.O-Kriterium: Trainerstation VfB Stuttgart. Veh könnte es viel besser als viele denken.
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