Die zwei Leben des Daniel Shore
Der neue Mieter, in dem wir uns alle wiedererkennen sollen
Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 11.02.2010
Filmbeschreibung
Die Polizei ist da. Und sie tritt nicht freundlich auf. Wir befinden uns in Tanger. Auf der Straße vor dem Haus liegt ein toter Junge. Und ein junger Europäer, einer von vielen Touristen in Marokko, Daniel Shore (Nikolai Kinski), der Freund der Mutter des Jungen, scheint etwas mit dem Unglück oder der Gewalttat zu tun zu haben.
Wir werden zunächst nicht genau erfahren, was da vorgefallen ist und wie die Verantwortlichkeiten verteilt sind. "Die zwei Leben des Daniel Shore" von Michael Dreher gibt sich Mühe, seine Zuschauer zu verunsichern und in die Irre zu führen. Wir sehen Daniel bald zurück in Deutschland, und er macht keinen guten Eindruck. Was immer geschehen sein mag, es hat ihn mitgenommen. Zurück in Deutschland, das heißt hier nicht: zurück in friedlicher Normalität.
Daniel zieht ins Stuttgarter Mietshaus seiner verstorbenen Großmutter, aber die Atmosphäre dort ist ungemütlich bis unheimlich, und die Mitbewohner scheinen allesamt auf ungute Weise wunderlich zu sein. Roman Polanskis Klassiker "Der Mieter" lässt grüßen.
Michael Dreher, 1974 in Ruit bei Stuttgart geboren, hat in München Regie studiert. Seine Abschlussarbeit "Fair Trade", ein Kurzfilm, hat viele Preise erhalten und war für den Studenten-Oscar nominiert. Mit seinem ersten Langfilm hat er es sich nicht leicht gemacht. Er will provozieren, er will ausbremsen, er will keine hektische Konsumlust bedienen. Er selbst formuliert das so: "Ich habe Daniel Shore bewusst nicht als konflikterprobten, videoverspielten Klischeeaußenseiter gezeigt, sondern als einen aus unserer Mitte. Er sieht sogar besser aus als die meisten von uns und hat vielversprechende Möglichkeiten. In meinem Film geht es also nicht um einen Freak. Es geht um dich und mich. Und darum, dass uns unkontrollierbare Bilder aus dem Fernsehen, Internet und auf Plakaten jeden Tag eine neue Realität vorgaukeln, die wir nicht mehr zu hinterfragen in der Lage sind ... Wir lassen uns von Bildern berauschen, und ein Rausch ist nie etwas Vernünftiges. Verständnis wäre nur mit Vernunft zu erzielen."
So setzt er denn bei aller atmosphärischen Bedrückung auch auf distanzierende Elemente. Nikolai Kinski, Katharina Schüttler und die anderen Darsteller etwa bieten dem Zuschauer nie an, sich mit ihren Figuren aus dem Bauch heraus zu identifizieren. Wir sollen hier grübeln, rätseln, staunen und auf eher intellektuellem Wege zur Einsicht kommen, dass hier ein allgemeines Verstricktsein in Schuld und eine moderne Heimatlosigkeit verhandelt werden. Aber all diese guten Absichten schieben uns auch sehr weit weg vom konkreten Drama der Figuren.
Wir werden zunächst nicht genau erfahren, was da vorgefallen ist und wie die Verantwortlichkeiten verteilt sind. "Die zwei Leben des Daniel Shore" von Michael Dreher gibt sich Mühe, seine Zuschauer zu verunsichern und in die Irre zu führen. Wir sehen Daniel bald zurück in Deutschland, und er macht keinen guten Eindruck. Was immer geschehen sein mag, es hat ihn mitgenommen. Zurück in Deutschland, das heißt hier nicht: zurück in friedlicher Normalität.
Daniel zieht ins Stuttgarter Mietshaus seiner verstorbenen Großmutter, aber die Atmosphäre dort ist ungemütlich bis unheimlich, und die Mitbewohner scheinen allesamt auf ungute Weise wunderlich zu sein. Roman Polanskis Klassiker "Der Mieter" lässt grüßen.
Michael Dreher, 1974 in Ruit bei Stuttgart geboren, hat in München Regie studiert. Seine Abschlussarbeit "Fair Trade", ein Kurzfilm, hat viele Preise erhalten und war für den Studenten-Oscar nominiert. Mit seinem ersten Langfilm hat er es sich nicht leicht gemacht. Er will provozieren, er will ausbremsen, er will keine hektische Konsumlust bedienen. Er selbst formuliert das so: "Ich habe Daniel Shore bewusst nicht als konflikterprobten, videoverspielten Klischeeaußenseiter gezeigt, sondern als einen aus unserer Mitte. Er sieht sogar besser aus als die meisten von uns und hat vielversprechende Möglichkeiten. In meinem Film geht es also nicht um einen Freak. Es geht um dich und mich. Und darum, dass uns unkontrollierbare Bilder aus dem Fernsehen, Internet und auf Plakaten jeden Tag eine neue Realität vorgaukeln, die wir nicht mehr zu hinterfragen in der Lage sind ... Wir lassen uns von Bildern berauschen, und ein Rausch ist nie etwas Vernünftiges. Verständnis wäre nur mit Vernunft zu erzielen."
So setzt er denn bei aller atmosphärischen Bedrückung auch auf distanzierende Elemente. Nikolai Kinski, Katharina Schüttler und die anderen Darsteller etwa bieten dem Zuschauer nie an, sich mit ihren Figuren aus dem Bauch heraus zu identifizieren. Wir sollen hier grübeln, rätseln, staunen und auf eher intellektuellem Wege zur Einsicht kommen, dass hier ein allgemeines Verstricktsein in Schuld und eine moderne Heimatlosigkeit verhandelt werden. Aber all diese guten Absichten schieben uns auch sehr weit weg vom konkreten Drama der Figuren.
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