Naziidole werden von Straßenschild getilgt
Artikel aus der Strohgäu Extra vom 13.02.2010
Nach der Entscheidung, die Carl-Peters-Straße in Korntal umzubenennen, diskutierten die Anwohner erregt weiter. Im Sitzungssaal zum Zuhören verdammt, zeigten sie sich vor dem Saal umso mehr verärgert und enttäuscht. Ihre Unterschriftenliste, die sie vor der Sitzung dem Bürgermeister Joachim Wolf übergeben hatten, hatte nichts bewirkt. Der Gemeinderat hat bei den Gegenstimmen der drei FDP-Räte sowie von Wolfgang Anton und Frank Gehring (beide Freie Wähler) am Donnerstag beschlossen, die Carl-Peters-Straße und den Hermann-Wissmann-Weg aus Korntal zu verbannen.
Zuletzt hatte das Gremium vor 16 Jahren Anlauf dazu genommen - vergeblich. Peters war Ende des 19. Jahrhunderts Reichskommissar für das Kilimandscharogebiet gewesen; Wissmann war Peters" Nachfolger als Reichskommissar und löste den Maji-Maji-Aufstand aus, der niedergeschlagen wurde.
Eine Kommission aus Vertretern der Ratsfraktionen und Verwaltung soll nun Namensvorschläge erarbeiten. Die Umbenennung wird auf Antrag von CDU und SPD aber zunächst ausgesetzt. Sie soll erst erfolgen, wen voraussichtlich in zwei Jahren Klarheit besteht über die Neuordnung des Gebiets, in dem sich die Straßen befinden. Zwischen Bahnlinie und Stuttgart-Weilimdorf, dort, wo heute ein Gewerbegebiet ist und sich eine alte Deponie befindet, soll Wohnraum entstehen.
Knapp 100 Zuhörer verfolgten die weitgehend sachliche Debatte im Korntaler Ratssaal, mancher beschimpfte die Stadträte hinterher allerdings als "Feiglinge". Vor der Abstimmung hatte der Bürgermeister Joachim Wolf für die Umbenennung geworben. Nach 16 Jahren gebe es die "ein oder andere Erkenntnis und Veränderung in der Wahrnehmung", weshalb er das Thema erneut zur Entscheidung stelle. Peters und Wissmann seien zu zweifelhaftem Ruhm gekommen und "taugen nicht zum Namensgeber der Straßen unserer Stadt"; zumal diese aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte, die evangelische Brüdergemeinde hatte Korntal einst gegründet, "von höchster Sensibilität geprägt" sei.
Wolf versicherte, die Sorgen und Ängste der Anwohner und Gewerbetreibenden ernst zu nehmen. Gleichwohl sei man der moralischen Identität der Stadt verpflichtet. Und dies sei ihm im Sinne der Überlegung "Suchet der Stadt Bestes" wichtiger, zumal dieses Argument "über die greifbare pragmatische Dimension hinaus geht". Die Anwohner befürchten neben einem Identitätsverlust vor allem die mit dem Bürokratieaufwand verbundenen Kosten. Darauf verwies die Liberale Viola Noack, Anwohnerin und stellvertretende Vorsitzende des Gewerbe- und Handelsvereins.
Die Vertreter der Fraktionen folgten Wolf in dieser Beurteilung. Der CDU-Fraktionschef Martin Hönes verwies zudem darauf, dass eine Beibehaltung in Zeiten des Internets nicht mehr glaubwürdig damit begründet werden könne, dass kaum jemand über Peters Bescheid wisse. Der richtige Zeitpunkt für eine Umbenennung wäre allerdings sofort nach 1945 gewesen oder aber 1975 beim Zusammenschluss der Gemeinden Korntal und Münchingen.
SPD-Fraktionschef Egon Beck verwies auf den Wertekanon der Gesellschaft, nach dem Peters keinen Straßennamen verdient habe. Um den Anliegern entgegenzukommen beantragte er, die Verwaltung solle ihre Kosten übernehmen. Die SPD scheiterte damit aber, während FDP und der Freie Wähler Frank Gehring vergeblich dafür plädierten, die Straße zugunsten des Musikverlegers Carl Peters umzuwidmen. Die Freien Wähler zeigten sich uneinheitlich: nur VdK-Kreisverbandschef Otto Koblinger sprach sich für die Umbenennung aus. In Bietigheim-Bissingen war die Carl-Peters-Straße 2009 umbenannt worden; in Ludwigsburg scheiterte ein Grünen-Antrag, weil die Straße zu unbedeutend sei.
Zuletzt hatte das Gremium vor 16 Jahren Anlauf dazu genommen - vergeblich. Peters war Ende des 19. Jahrhunderts Reichskommissar für das Kilimandscharogebiet gewesen; Wissmann war Peters" Nachfolger als Reichskommissar und löste den Maji-Maji-Aufstand aus, der niedergeschlagen wurde.
Eine Kommission aus Vertretern der Ratsfraktionen und Verwaltung soll nun Namensvorschläge erarbeiten. Die Umbenennung wird auf Antrag von CDU und SPD aber zunächst ausgesetzt. Sie soll erst erfolgen, wen voraussichtlich in zwei Jahren Klarheit besteht über die Neuordnung des Gebiets, in dem sich die Straßen befinden. Zwischen Bahnlinie und Stuttgart-Weilimdorf, dort, wo heute ein Gewerbegebiet ist und sich eine alte Deponie befindet, soll Wohnraum entstehen.
Knapp 100 Zuhörer verfolgten die weitgehend sachliche Debatte im Korntaler Ratssaal, mancher beschimpfte die Stadträte hinterher allerdings als "Feiglinge". Vor der Abstimmung hatte der Bürgermeister Joachim Wolf für die Umbenennung geworben. Nach 16 Jahren gebe es die "ein oder andere Erkenntnis und Veränderung in der Wahrnehmung", weshalb er das Thema erneut zur Entscheidung stelle. Peters und Wissmann seien zu zweifelhaftem Ruhm gekommen und "taugen nicht zum Namensgeber der Straßen unserer Stadt"; zumal diese aufgrund ihrer Entstehungsgeschichte, die evangelische Brüdergemeinde hatte Korntal einst gegründet, "von höchster Sensibilität geprägt" sei.
Wolf versicherte, die Sorgen und Ängste der Anwohner und Gewerbetreibenden ernst zu nehmen. Gleichwohl sei man der moralischen Identität der Stadt verpflichtet. Und dies sei ihm im Sinne der Überlegung "Suchet der Stadt Bestes" wichtiger, zumal dieses Argument "über die greifbare pragmatische Dimension hinaus geht". Die Anwohner befürchten neben einem Identitätsverlust vor allem die mit dem Bürokratieaufwand verbundenen Kosten. Darauf verwies die Liberale Viola Noack, Anwohnerin und stellvertretende Vorsitzende des Gewerbe- und Handelsvereins.
Die Vertreter der Fraktionen folgten Wolf in dieser Beurteilung. Der CDU-Fraktionschef Martin Hönes verwies zudem darauf, dass eine Beibehaltung in Zeiten des Internets nicht mehr glaubwürdig damit begründet werden könne, dass kaum jemand über Peters Bescheid wisse. Der richtige Zeitpunkt für eine Umbenennung wäre allerdings sofort nach 1945 gewesen oder aber 1975 beim Zusammenschluss der Gemeinden Korntal und Münchingen.
SPD-Fraktionschef Egon Beck verwies auf den Wertekanon der Gesellschaft, nach dem Peters keinen Straßennamen verdient habe. Um den Anliegern entgegenzukommen beantragte er, die Verwaltung solle ihre Kosten übernehmen. Die SPD scheiterte damit aber, während FDP und der Freie Wähler Frank Gehring vergeblich dafür plädierten, die Straße zugunsten des Musikverlegers Carl Peters umzuwidmen. Die Freien Wähler zeigten sich uneinheitlich: nur VdK-Kreisverbandschef Otto Koblinger sprach sich für die Umbenennung aus. In Bietigheim-Bissingen war die Carl-Peters-Straße 2009 umbenannt worden; in Ludwigsburg scheiterte ein Grünen-Antrag, weil die Straße zu unbedeutend sei.
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