Citroën
Prêt-à-porter am Boulevard
Soak, Frank Wald, veröffentlicht am 16.02.2010
Kaum noch vorstellbar, aber Mitte des vorigen Jahrhunderts gehörte Citroën mal zur Design-Avantgarde des Automobilbaus. Als die Marke mit dem Doppelwinkel 1955 auf dem Pariser Salon den legendären DS 19 enthüllte, staunte nicht nur die automobile Fachwelt. Nicht nur mit ihrer radikal neuen Form begeisterte "la déesse" ("die Göttin"), wie die Buchstabenkombination DS im Französischem huldvoll ausgesprochen wird. Hydropneumatische Federung, Scheibenbremsen, Servolenkung oder automatische Kupplung ermöglichten einen unerreichten Fahrkomfort. Citroën war in den automobilen Olymp aufgefahren - und stürzte später in die Beliebigkeit ab.
Nach Jahren der faden Formen wollen die Franzosen nun die DS-Modellreihe wieder aufleben lassen - und zwar als jeweilige Exklusivausgabe ihrer bekannten Baureihen. Den Anfang macht der DS 3 als dreitürige Interpretation des neuen C 3. Im kommenden Jahr sollen dann der DS 4 auf Basis des kompakten C 4 und der luxuriöse DS 5 folgen. Und für 2012 ist der DS 2, der schon in der letzten IAA-Studie Revolte angedeutet wurde, als Nachfolger des nicht minder legendären 2CV ("Ente") geplant. Nicht zuletzt haben BMW mit dem Mini und Fiat mit dem Cinquecento bewiesen, wie Kultmobile erfolgreich reanimiert werden können. Anders als jene will Citroën aber keine modern retuschierten Kopien vergangener Formen. Das Motto des DS 3 lautet "never look back", wie es Citroëns Kommunikationschef, Jean Baptiste Thomas, ganz unfranzösisch ausdrückt: "Der DS 3 ist ein Anti-Retro-Auto."
Und doch teilen die Marketingstrategen in Paris die Auffassung ihrer Kollegen in München und Turin, dass ein Lifestyle-Auto heute vor allem individuell sein muss. Deshalb wird der DS 3 in Deutschland in elf Lackierungen mit fünf anderen Dach- und Spiegelkappenfarben, vier Dachklebefolien samt passender Fußmatten und Sitzbezüge sowie acht verschiedenen Dekoren fürs Armaturenbrett angeboten. "Wir wollen noch weitere Aufkleber entwerfen", sagt Interieurdesigner Christophe Poinlane, "und einen Kollektionseffekt erzeugen mit neuen Motiven jedes Jahr, wie in der Modebranche."
Auf den Boulevards der Großstadt wird der DS 3 so oder so eine gute Figur machen. Mit 3,95 Metern ebenso lang wie der C 3, dessen Technik er auch weitgehend übernimmt, hat der Drei- mit dem Fünftürer kaum noch was gemein. Der DS 3 wirkt mit kurzen Überhängen und leicht abfallendem Dach kompakt und sportlich. Ins Auge springen die senkrechten LED-Tagfahrlichtschlitze, der überdimensionierte Kühlergrill, die als "Haiflosse" be- und gezeichnete B-Säule sowie das artifizielle DS-Logo vorn und hinten.
Auch im Innenraum durften die Designer den C 3 offensichtlich noch einmal neu gestalten. Das abgeflachte Lenkrad wirkt dabei ebenso sporty wie die ineinandergreifenden Rundinstrumente und der kurze, chromummantelte Schalthebel. Armaturenbrett, Materialien und Bezüge sowie Chrom- und Alu-Applikationen an Tasten und Schaltern geben dem Ganzen einen hochwertigen Touch. Die Sitze sind bequem, zu empfehlen sind die optionalen Sportsitze (Serie in Topversion), in der zweiten Reihe hapert es dafür mit der Bein- und Kopffreiheit. Der Kofferraum schluckt anständige 285 Liter, die bei Bedarf auf 980 Liter erweitert werden können.
Deutliche Unterschiede auch nach dem Dreh am gestylten Zündschlüssel. Das besondere Kartfeeling eines Mini erreicht der DS 3 zwar nicht, sportlicher als im fünftürigen Pendant (oder auch im Fiat 500) ist man aber allemal unterwegs. Das für einen Citroën ungewöhnlich stramm gestimmte Fahrwerk bleibt dabei elastisch genug, um Stöße und Unebenheiten zu schlucken. Auch die Lenkung geht als Kompromiss in Ordnung, reagiert in Kurven direkt und präzise, zeigt beim Rangieren oder Dahinrollen aber zugleich ein entspanntes Handling.
Am besten zu erleben ist das in der Benziner-Topversion mit 115 kW (156 PS). Der 1,6-Liter-Turbomotor aus der PSA-Kooperation mit BMW hetzt den kleinen Wagen in knapp acht Sekunden auf Tempo 100. Daneben wird es zwei weitere Benziner mit 70 und 88 kW (95 und 120 PS) sowie zwei Diesel mit 68 und 82 kW (92 und 112 PS) geben, den zweiten auch als Sparversion mit einem CO2-Ausstoß von nur 99 Gramm pro Kilometer oder 3,8 Liter Durchschnittsverbrauch. Citroën-Mann Jean Baptiste Thomas denkt, dass Kunden "mit gefestigten Meinungen in puncto Design" für den DS 3 auch einen "erschwinglichen Aufpreis" zahlen. Der liegt in Deutschland bei den meisten Versionen des neuen französischen Minis um die 700 Euro - mit Ausnahme des Basis-Benziners VTi 95, der für 15 200 Euro inklusive ESP, sechs Airbags, Tempomat, Funkfernbedienung schon 600 Euro günstiger als der C 3 mit demselben Motor zu haben ist.
Das Auto
Citroën DS 3 THP 150 Die Fakten:
Motor 4-Zylinder-Turbobenziner, 1598 cm³ Hubraum
Leistung 115 kW (156 PS) bei 6000/min
Drehmoment 240 Nm bei 1400/min
Höchstgeschwindigkeit 214 km/h
Beschleunigung 0 bis 100 km/h 8,1 s
Getriebe 6-Gang manuell
Abmessungen (L/B/H) 3948 x 1715 x 1483 mm
Kofferraumvolumen 285 l
Leergewicht 1240 kg
Zuladung max. 357 kg
Tankvolumen 50 l
Verbrauch laut Hersteller 6,7 l/100 km
CO2-Ausstoß 155 g/km
Lob und Tadel
Das Design ist modern, chic und ausgefallen sowie eine gelungene Abwechslung zu den bekannten Retro-Bestsellern.
Auch das Interieur hat Style und Pfiff, Materialien und Verarbeitung machen einen für die Marke ungewöhnlich hochwertigen Eindruck.
Das Fahrwerk stellt einen guten Kompromiss aus sportlich-straffem Unterbau und bequemen Handling dar.
Der Top-Turbomotor ist (fast schon zu) kräftig, spontan, zieht gut durch, bleibt dabei aber auffallend leise, wie überhaupt die Geräuschdämmung für einen Kleinwagen gut ist.
Dank Zweifarblackierung, Dekorfolien und zahlreicher Individualisierungsmöglichkeiten kann sich jeder sein eigenes Auto gestalten.
Gute Sicherheits- und Basisausstattung und absolut konkurrenzfähiges Preis-Wert-Verhältnis in der etwas teureren Lifestyle-Liga.
Es gibt weder neue Motoren noch irgendwelche modernen Spritspartechnologien wie Start-Stopp-Systeme oder Hybridvarianten.
Wenig Bein- und Kopffreiheit im Fond, hohe Ladekante.
Schlechte Rundumsicht.
Nach Jahren der faden Formen wollen die Franzosen nun die DS-Modellreihe wieder aufleben lassen - und zwar als jeweilige Exklusivausgabe ihrer bekannten Baureihen. Den Anfang macht der DS 3 als dreitürige Interpretation des neuen C 3. Im kommenden Jahr sollen dann der DS 4 auf Basis des kompakten C 4 und der luxuriöse DS 5 folgen. Und für 2012 ist der DS 2, der schon in der letzten IAA-Studie Revolte angedeutet wurde, als Nachfolger des nicht minder legendären 2CV ("Ente") geplant. Nicht zuletzt haben BMW mit dem Mini und Fiat mit dem Cinquecento bewiesen, wie Kultmobile erfolgreich reanimiert werden können. Anders als jene will Citroën aber keine modern retuschierten Kopien vergangener Formen. Das Motto des DS 3 lautet "never look back", wie es Citroëns Kommunikationschef, Jean Baptiste Thomas, ganz unfranzösisch ausdrückt: "Der DS 3 ist ein Anti-Retro-Auto."
Und doch teilen die Marketingstrategen in Paris die Auffassung ihrer Kollegen in München und Turin, dass ein Lifestyle-Auto heute vor allem individuell sein muss. Deshalb wird der DS 3 in Deutschland in elf Lackierungen mit fünf anderen Dach- und Spiegelkappenfarben, vier Dachklebefolien samt passender Fußmatten und Sitzbezüge sowie acht verschiedenen Dekoren fürs Armaturenbrett angeboten. "Wir wollen noch weitere Aufkleber entwerfen", sagt Interieurdesigner Christophe Poinlane, "und einen Kollektionseffekt erzeugen mit neuen Motiven jedes Jahr, wie in der Modebranche."
Auf den Boulevards der Großstadt wird der DS 3 so oder so eine gute Figur machen. Mit 3,95 Metern ebenso lang wie der C 3, dessen Technik er auch weitgehend übernimmt, hat der Drei- mit dem Fünftürer kaum noch was gemein. Der DS 3 wirkt mit kurzen Überhängen und leicht abfallendem Dach kompakt und sportlich. Ins Auge springen die senkrechten LED-Tagfahrlichtschlitze, der überdimensionierte Kühlergrill, die als "Haiflosse" be- und gezeichnete B-Säule sowie das artifizielle DS-Logo vorn und hinten.
Auch im Innenraum durften die Designer den C 3 offensichtlich noch einmal neu gestalten. Das abgeflachte Lenkrad wirkt dabei ebenso sporty wie die ineinandergreifenden Rundinstrumente und der kurze, chromummantelte Schalthebel. Armaturenbrett, Materialien und Bezüge sowie Chrom- und Alu-Applikationen an Tasten und Schaltern geben dem Ganzen einen hochwertigen Touch. Die Sitze sind bequem, zu empfehlen sind die optionalen Sportsitze (Serie in Topversion), in der zweiten Reihe hapert es dafür mit der Bein- und Kopffreiheit. Der Kofferraum schluckt anständige 285 Liter, die bei Bedarf auf 980 Liter erweitert werden können.
Deutliche Unterschiede auch nach dem Dreh am gestylten Zündschlüssel. Das besondere Kartfeeling eines Mini erreicht der DS 3 zwar nicht, sportlicher als im fünftürigen Pendant (oder auch im Fiat 500) ist man aber allemal unterwegs. Das für einen Citroën ungewöhnlich stramm gestimmte Fahrwerk bleibt dabei elastisch genug, um Stöße und Unebenheiten zu schlucken. Auch die Lenkung geht als Kompromiss in Ordnung, reagiert in Kurven direkt und präzise, zeigt beim Rangieren oder Dahinrollen aber zugleich ein entspanntes Handling.
Am besten zu erleben ist das in der Benziner-Topversion mit 115 kW (156 PS). Der 1,6-Liter-Turbomotor aus der PSA-Kooperation mit BMW hetzt den kleinen Wagen in knapp acht Sekunden auf Tempo 100. Daneben wird es zwei weitere Benziner mit 70 und 88 kW (95 und 120 PS) sowie zwei Diesel mit 68 und 82 kW (92 und 112 PS) geben, den zweiten auch als Sparversion mit einem CO2-Ausstoß von nur 99 Gramm pro Kilometer oder 3,8 Liter Durchschnittsverbrauch. Citroën-Mann Jean Baptiste Thomas denkt, dass Kunden "mit gefestigten Meinungen in puncto Design" für den DS 3 auch einen "erschwinglichen Aufpreis" zahlen. Der liegt in Deutschland bei den meisten Versionen des neuen französischen Minis um die 700 Euro - mit Ausnahme des Basis-Benziners VTi 95, der für 15 200 Euro inklusive ESP, sechs Airbags, Tempomat, Funkfernbedienung schon 600 Euro günstiger als der C 3 mit demselben Motor zu haben ist.
Das Auto
Citroën DS 3 THP 150 Die Fakten:
Motor 4-Zylinder-Turbobenziner, 1598 cm³ Hubraum
Leistung 115 kW (156 PS) bei 6000/min
Drehmoment 240 Nm bei 1400/min
Höchstgeschwindigkeit 214 km/h
Beschleunigung 0 bis 100 km/h 8,1 s
Getriebe 6-Gang manuell
Abmessungen (L/B/H) 3948 x 1715 x 1483 mm
Kofferraumvolumen 285 l
Leergewicht 1240 kg
Zuladung max. 357 kg
Tankvolumen 50 l
Verbrauch laut Hersteller 6,7 l/100 km
CO2-Ausstoß 155 g/km
Lob und Tadel
Das Design ist modern, chic und ausgefallen sowie eine gelungene Abwechslung zu den bekannten Retro-Bestsellern.
Auch das Interieur hat Style und Pfiff, Materialien und Verarbeitung machen einen für die Marke ungewöhnlich hochwertigen Eindruck.
Das Fahrwerk stellt einen guten Kompromiss aus sportlich-straffem Unterbau und bequemen Handling dar.
Der Top-Turbomotor ist (fast schon zu) kräftig, spontan, zieht gut durch, bleibt dabei aber auffallend leise, wie überhaupt die Geräuschdämmung für einen Kleinwagen gut ist.
Dank Zweifarblackierung, Dekorfolien und zahlreicher Individualisierungsmöglichkeiten kann sich jeder sein eigenes Auto gestalten.
Gute Sicherheits- und Basisausstattung und absolut konkurrenzfähiges Preis-Wert-Verhältnis in der etwas teureren Lifestyle-Liga.
Es gibt weder neue Motoren noch irgendwelche modernen Spritspartechnologien wie Start-Stopp-Systeme oder Hybridvarianten.
Wenig Bein- und Kopffreiheit im Fond, hohe Ladekante.
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