An Education
Paris hat mehr zu bieten als die Penne
Ulrich Kriest, veröffentlicht am 18.02.2010
Filmbeschreibung
London 1961. Für die sechzehnjährige Jenny (sensationell: Carey Mulligan) liegt der Sehnsuchtsort jenseits des Kanals. Paris, Sartre, Camus, Beauvoir, dunkle Zigaretten, Chansons - all dies steht in schroffem Gegensatz zum konservativen Schulsystem und den kleinbürgerlichen Verhältnissen zu Hause. Jenny soll es bis nach Oxford schaffen. Dafür legen sich die Eltern krumm, verlangen die Lehrer Disziplin. Sozialer Aufstieg will durch Verzicht und Selbstdisziplinierung verdient sein. Dagegen stehen etliche Verlockungen, nicht zuletzt die materiellen Versprechen, die mit dem Bonvivant David (Peter Sarsgaard) verknüpft sind.
David ist ein äußerst attraktiver Verehrer, der das neugierige Mädchen mit in seinen bohemistischen Alltag nimmt. David ist doppelt so alt wie Jenny, aber offenbar wohlhabend, charmant, kulturell interessiert, keineswegs bloß lüsterner Verführer einer Minderjährigen. Selbst Jennys Eltern vermag er aus der Reserve zu locken. Eine Heirat könnte viel Geld sparen - richtig überzeugt ist man von der Investition in Bildung nämlich nicht. Jenny genießt ein abenteuerliches Leben mit Partys, Theater und Konzerten, eine (Aus-)Bildung jenseits von Schule und Elternhaus. Doch ihre neue Freiheit birgt Risiken. In der Schule wird ihr klargemacht, dass eine junge Frau so ihren guten Ruf ruiniert und mit Sanktionen rechnen muss.
In ihrem neuen Film zeichnet die Dänin Lone Scherfig ("Italienisch für Anfänger") das begeisternd präzise und optimistische Bild eines Umbruchs. Eine Klassengesellschaft wird durch Impulse des kulturellen Überbaus modernisiert. Obwohl der mit 1968 verknüpfte Impuls der Fundamentalliberalisierung noch nicht einmal am Horizont erkennbar ist, entgeht Jenny der Opferrolle. Dass sie einem kleinkriminellen Hochstapler aufsitzt, ihren guten Ruf verliert, die Schule abbrechen muss - all dass kann sie nicht mehr aufhalten.
In einem Interview hat der Autor Nick Hornby, der nach den Memoiren der Journalistin Lynn Barber das Drehbuch verfasste, festgestellt, das große Glück der um 1945 geborenen Jahrgänge habe darin bestanden, dass der Aufbruch der Sechziger die Risiken biografischer Experimente abfederte. "An Education", bis in kleinste Nebenrollen herausragend besetzt, zeigt dies durch die Selbstverständlichkeit, mit der er das erwartbare Melodram verweigert. Am Ende ist Jenny durch ihren Mut zu Erfahrungen hinreichend gefestigt, um auch die folgenden, jetzt richtig wilden sechziger Jahre zu überstehen.
David ist ein äußerst attraktiver Verehrer, der das neugierige Mädchen mit in seinen bohemistischen Alltag nimmt. David ist doppelt so alt wie Jenny, aber offenbar wohlhabend, charmant, kulturell interessiert, keineswegs bloß lüsterner Verführer einer Minderjährigen. Selbst Jennys Eltern vermag er aus der Reserve zu locken. Eine Heirat könnte viel Geld sparen - richtig überzeugt ist man von der Investition in Bildung nämlich nicht. Jenny genießt ein abenteuerliches Leben mit Partys, Theater und Konzerten, eine (Aus-)Bildung jenseits von Schule und Elternhaus. Doch ihre neue Freiheit birgt Risiken. In der Schule wird ihr klargemacht, dass eine junge Frau so ihren guten Ruf ruiniert und mit Sanktionen rechnen muss.
In ihrem neuen Film zeichnet die Dänin Lone Scherfig ("Italienisch für Anfänger") das begeisternd präzise und optimistische Bild eines Umbruchs. Eine Klassengesellschaft wird durch Impulse des kulturellen Überbaus modernisiert. Obwohl der mit 1968 verknüpfte Impuls der Fundamentalliberalisierung noch nicht einmal am Horizont erkennbar ist, entgeht Jenny der Opferrolle. Dass sie einem kleinkriminellen Hochstapler aufsitzt, ihren guten Ruf verliert, die Schule abbrechen muss - all dass kann sie nicht mehr aufhalten.
In einem Interview hat der Autor Nick Hornby, der nach den Memoiren der Journalistin Lynn Barber das Drehbuch verfasste, festgestellt, das große Glück der um 1945 geborenen Jahrgänge habe darin bestanden, dass der Aufbruch der Sechziger die Risiken biografischer Experimente abfederte. "An Education", bis in kleinste Nebenrollen herausragend besetzt, zeigt dies durch die Selbstverständlichkeit, mit der er das erwartbare Melodram verweigert. Am Ende ist Jenny durch ihren Mut zu Erfahrungen hinreichend gefestigt, um auch die folgenden, jetzt richtig wilden sechziger Jahre zu überstehen.
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