Spanien

Eine Nacht in Madrid

Soak, veröffentlicht am 23.02.2010
Foto Midnight Rose

Madrid in einer Nacht? Kein Problem. Nur der Zeitplan muss stimmen – der ist ein wenig anders als in Deutschland. Die Geschäfte haben wie fast alles in Madrid bis 16 oder 17 Uhr Mittagspause. Siesta scheint das Geheimnis der spanischen Lebensfreude zu sein. Wenn man dann Geschäftsleute wie Fernando Lada jammern hört, seit der Wirtschaftskrise habe man zu viel Arbeit und kaum noch Zeit, versteht man ein wenig den Unterschied zu unserer Hetze: "Nur zwei Stunden Mittagspause. Wie soll man da in Ruhe essen gehen?"

Schuhe und Taschen kauft man in Chueca, wo sich die Lederwarenhändler drängen. Seitdem die schwule Gemeinde Madrids das Viertel vom Drogenumschlagsplatz zum schicken Szenebezirk umgebaut hat, eröffnet hier fast jeden Tag eine neue Galerie, Boutique oder Bar. Im Osten schließt der Passeo del Prado mit den Museen an, die vor allem von der Machtposition Madrids profitieren.

Etwas Kultur gefällig? Theater wie das Sala Mirador im Künstlerviertel Lavapiés präsentieren ambitionierten Neuen Tanz und Dramatisches von der Klasse, wie man sie hinter künstlerischen Aushängeschildern wie Pedro Almodóvar vermutet. Mit einem fulminanten Theaterabend machen wir uns also etwas Appetit. Wer lieber romantisch in die Nacht starten möchte, begibt sich kurz vor der Dämmerung zum Königspalast. Dort öffnet sich der Blick nach Westen auf sensationelle Sonnenuntergänge. Auf dem Rückweg vom Palast in die Innenstadt, vorbei am Opernhaus, kommt man zur Chocolateria San Ginés, einem Muss für Pärchen. Dort werden Chocolate y Churros gereicht, eine Art frittierte Brandteigstängel, die in zähe, heiße Schokolade getunkt ein süßer Grund zum verliebten Genießen sind.

Zentrum der Stadt ist die Puerta del Sol. Hier findet sich unscheinbar am Rande das Wahrzeichen Madrids, der Bär, dessen Pfote Glück bringt. Unbedingt anfassen! Ebenso gut versteckt ist der Kilómetro Cero, der Nullpunkt der Nationalstraßen Spaniens, eine in den Boden eingelassene Platte, die einem gute Wege und ebenfalls Glück bescheren soll. Auch anfassen! Auf dem zentralen Platz der Puerta del Sol treffen sich abends die Nachtschwärmer. Aus der Metro strömen dann in Massen die suburbanen Madrider, versammeln sich in Grüppchen und beratschlagen, wo es zuerst hingehen soll – in den Süden oder nach Norden.

Auf der Nordroute liegt Chueca, wo die Nacht am längsten dauert und immer denselben Anfang nimmt, mit einem Bierchen, einer Caña. Dazu wird stets ein Tellerchen mit einer Kleinigkeit gereicht. Im El Tigre bestellt man zwei Cañas – und bekommt dazu einen randvollen Teller mit Tapas. Für einen ruhigeren Start bietet sich ein Abendessen an, das in Madrid nicht vor 21 Uhr begonnen wird. Im Bazaar trifft anspruchsvolles Ambiente auf geradezu studentische Preise. Die Küche ist legendär, insbesondere die Desserts und diversen Törtchen mit Füllung. In Madrid gibt es – auch ohne eigenen Hafen oder Meeresnähe – den besten Fisch des Landes, und selbst in eher abstoßenden Gaststätten mit Neonlicht bekommt man meist hervorragendes Essen. Das typischste Gericht allerdings, der Cocido Madrileño, verlangt dem Gast etwas Selbstüberwindung ab: Gekochte Kichererbsen, Speck, Würste, Kartoffeln und etwas Huhn. Alles auf einem riesigen Teller, nicht jedermanns Sache.

Ist man mit Einheimischen unterwegs, wird nach der ersten eine zweite Flasche Wein geöffnet, und ehe man sich’s versieht, ist es so spät, dass in Deutschland schon keine Busse mehr fahren würden. Draußen auf der Straße die Überraschung: Wo es gerade noch menschenleer war, drängen sich Menschen jeden Alters. Madrid feiert jede Nacht. So gerät man hier um vier Uhr nachts auch schon einmal in einen Stau. Während in Chueca vor allem Clubs das Nachtleben bestimmen, versammeln sich im benachbarten Stadtteil Malasaña die jüngeren Anwohner mit dem Bier in der Hand auf der Straße. Das wildere Nachtleben findet weiter südlich statt. Die Schönen und Ausgeflippten trifft man im Viertel La Latina im Club Shoko, wo sich auch Opernregisseur Alfonso Romero inspirieren lässt: "Im Moment der coolste Ort in Madrid. Wer aber mehr von der Stadt sehen möchte, der nimmt einen Drink auf der Penthouse-Terrasse des Hotels Midnight Rose – toller Blick!"

Am nächsten Morgen dann ein Café con Leche. Dazu etwas Süßes: Entweder Churros oder irgendeine Kaloriensünde, die man den ganzen Tag lang nicht vergisst. So beginnt der Tag, wie er geendet hat: kulinarisch.

Madrid

Anreise
Germanwings und Airberlin fliegen direkt von Stuttgart. Ab Frankfurt oder München bieten zahlreiche Airlines Flüge schon ab 35 Euro an. Die Fahrt vom Flughafen Barajas bis in die City dauert eine halbe Stunde, wobei das Auto die schlechteste Wahl ist. Fahren Sie mit der Metro! Und vergessen Sie nicht den Zuschlag für die verlängerte Fahrt. Kontrolleure stellen ahnungslosen Touristen gerne eine Verwarnung aus. Auf dem Rückweg sollte man früh aufbrechen, da die Sicherheitskontrollen ausufern können.

Preise
Madrid gehört zu den teuersten Wohnstädten. Das Ausgehen ist für Spanier aber so wichtig, dass es erschwinglich bleibt.
In Madrid kostet:
Bier (Caña = 0,2 Liter) 1 bis 2 Euro
Café con Leche (Milchkaffee)1 bis 1,90 Euro
Abendessenab 6 Euro

Unterkunft
Es bringt in Madrid nichts, in einem der weit außerhalb liegenden Messehotels mit Sonderkonditionen abzusteigen. Von hier aus braucht man zu lange in die Innenstadt.
Sehr empfehlenswert sind Hostales in Malasaña und Chueca, sowie für gehobene Ansprüche die Häuser an der Gran Via.
Infos beim spanischen Fremdenverkehrsamt, Myliusstraße 14, 60323 Frankfurt am Main, Telefon 0180 / 300 26 47.

Wetter
Im Winter wird es in Madrid sehr kalt, im Sommer unerträglich heiß, was an der umgebenden wüstenhaften Landschaft liegt. Die beste Zeit ist Ende März bis Mitte Juni und September bis Ende Oktober.

Was Sie tun sollten
Auf jeden Fall sollten Sie Violettas kaufen, am besten bei El Horno de San Onofre. Wer es herzhafter mag, wird vom Schinken begeistert sein. Ein Jamon de Bellota kostet in Deutschland ein Vermögen. In Madrid bekommt man ihn für unter 50 Euro das Kilo.
 

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