Mercedes F 800 Style
Stern-Deutung für eine Limousine
Ulrich Bethscheider-Kieser, veröffentlicht am 24.02.2010
Den Blick in die gläserne Kugel und damit in die Zukunft, den vermögen nur Figuren aus der Fabelwelt oder Schausteller auf dem Jahrmarkt zu leisten. Oder Autodesigner. In ihren Studios arbeiten sie schon heute an den Autos von morgen, und bisweilen lassen sie auch andere einen Blick in die Zukunft werfen. Beispielsweise auf großen Automobilmessen, wo neben den Serienautos Konzeptstudien im Rampenlicht stehen. "Mit unseren Showcars wollen wir die Marke in die Zukunft bringen", sagt Gorden Wagener, Designchef von Mercedes-Benz. In gut einer Woche will Wagener dem breiten Publikum wieder einen Blick in die Glaskugel gönnen. Auf dem Genfer Automobilsalon wird die Studie F 800 Style einer der Höhepunkte der Präsentation von Mercedes sein.
Der Viertürer ist nicht nur eine kreative Spielerei der Designer, sondern lässt zukünftige Designlinien der Stern-Marke erkennen. Mit 4,75 Meter Länge ist die Limousine zwischen C-Klasse und CLS positioniert. Sie trägt - wie sollte es anders sein - den markanten Mercedes-Grill an der Front. Auffallend sind die schmalen Scheinwerfer und die stark konturierten vorderen Kotflügel. In den Flanken geben schwungvolle Sicken Kontur, im schlanken Heck setzen schmale LED-Leuchten einen weiteren Akzent. Die schwungvolle Dachlinie kennt man bereits vom CLS, gut möglich, dass sie in Zukunft auch bei anderen Modellen der Marke prägend sein wird.
Den damit verbundenen Nachteil des eingeschränkten Platzes beim Einstieg in den Fond haben die Macher des F 800 Style innovativ gelöst: Erstmals kommen bei einer Stufenheck-Limousine hinten Schiebetüren zum Einsatz. Damit haben die Passagiere auch in engeren Parklücken einen bequemen Einstieg - und bewegen sich dort, wo das Dach am höchsten ist. Interessanterweise werden die Schiebetüren an einem einzigen, in die Innenseite der Türen integrierten Arm geführt. Somit ist von außen keine Schiene erkennbar. Die beim F 800 Style realisierte Lösung ohne B-Säule ist für einen möglichen Serieneinsatz eher nicht denkbar. Eine hintere Schiebetür mit klassischer B-Säule, heißt es bei Mercedes, könnte in vier Jahren serienreif sein. Immerhin arbeiten die Mercedes-Ingenieure seit drei Jahren an dem Konzept.
Zum Konzept von Mercedes gehört auch, beim Antrieb zukünftig auf modulare Systeme zu setzen, also verschiedene Antriebskonzepte in einem Auto zu realisieren. Und so ist der F 800 Style auch für zwei unterschiedliche Antriebsvarianten ausgelegt. "Es wird auf absehbare Zeit keinen Königsweg geben", ist sich Professor Herbert Kohler, Leiter E-Drive & Future Mobility bei Daimler, mit Blick auf die konkurrierenden Antriebskonzepte sicher. "Wir wollen grüne Technologie mit lokaler emissionsfreier Technik auch bei Luxusautos möglich machen", so Kohler.
Der F 800 Style zeigt dies einerseits als Plug-in-Hybrid. In dieser Version wird ein 220 kW (300 PS) starker Sechszylinder-Benziner mit Direkteinspritzung der nächsten Generation mit einem 80 kW (109 PS) starken Elektromotor kombiniert. Rein elektrisch bewegt, soll der Wagen 30 Kilometer weit fahren und maximal 120 km/h schnell sein. Soll es schneller und weiter gehen, kommt der Benziner zum Einsatz. Mit dieser Technik soll die Limousine im Durchschnitt nur 2,9 Liter Benzin auf 100 Kilometer verbrauchen.
Noch umweltfreundlicher gibt sich die Studie, wenn anstelle des Verbrennungsmotors eine Brennstoffzelle zum Einsatz kommt, die durch die Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff Energie erzeugt und damit einen 100 kW (136 PS) starken Elektromotor versorgt. "Der F 800 Style ist das erste Auto mit Brennstoffzelle und Heckantrieb", betont Kohler.
Für die Designer steht bei einem Concept-Car gleichwohl weniger die Technik als vielmehr Formen und Farben im Mittelpunkt. Und so trägt die Studie innen "ein Wohlfühl-Ambiente mit moderner Leichtigkeit", wie Chefdesigner Wagener den freundlichen Mix aus hellen Stoffen und Holz beschreibt.
Welches nun die Schokoladenseite des F 800 Style ist? Gorden Wagener mag sich nicht festlegen. Wichtig ist ihm allerdings der klassische Betrachtungswinkel von schräg vorn. "Obwohl man als Autofahrer auf der Straße die meisten Autos von schräg hinten sieht", so der 41-Jährige. Immerhin: Der Blick in die Glaskugel der Mercedes-Designer erlaubt erfreulicherweise mehrere Perspektiven.
Das Auto
Mercedes F 800 Style mit Plug-in-Hybrid
Die Fakten
Motor 3,5 Liter, 6 Zylinder plus Elektromotor
Leistung Benzinmotor 220 kW (300 PS)
Leistung Elektromotor 80 kW (109 PS)
Beschleunigung 0-100 km/h 4,8 s
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h bzw. 120 km/h bei reinem Elektroantrieb
Verbrauch 2,9 l/100 km
CO2-Ausstoß 68 g/km
Gesamtreichweite ca. 700 km bzw. 30 km bei rein elektrischem Betrieb
Abmessungen 4793 x 1938 x 1445 mm
Kofferraumvolumen 440 l
Reifen 215/45 R 20
Mercedes F 800 Style mit F-Cell
Die Fakten
Motor: Elektromotor, Brennstoffzelle
Leistung 100 kW (136 PS)
Beschleunigung 0-100 km/h 11 s
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Verbrauch 0,9 kh H2/100 km
CO2-Ausstoß 0 g/km
Reichweite rund 600 km
Lob und Tadel
Mehr Dynamik, ohne gleich zu aggressiv auszuschauen - das neue Markengesicht von Mercedes lässt auf zukünftige Serienmodelle hoffen.
Die hinteren Schiebetüren wären in der Serie sicherlich ein praktischer Vorteil, nicht nur in engen Parkhäusern.
Eleganz statt purer Größe: Die Konzept-Studie wirkt kleiner, als sie in Wirklichkeit ist.
Im Innenraum zeigen die Mercedes-Ingenieure das Bedienkonzept Cam Touch Pad. Über eine Kamera werden die Finger des Fahrers im Display dargestellt - die Bedienung ist tatsächlich einfacher.
Die ausgeprägten Karosserieformen werden erfahrungsgemäß kaum komplett in die Serie einfließen.
Die sparsame Umwelttechnik - ob Hybrid oder Brennstoffzelle - ist noch nicht zu kaufen.
Der Viertürer ist nicht nur eine kreative Spielerei der Designer, sondern lässt zukünftige Designlinien der Stern-Marke erkennen. Mit 4,75 Meter Länge ist die Limousine zwischen C-Klasse und CLS positioniert. Sie trägt - wie sollte es anders sein - den markanten Mercedes-Grill an der Front. Auffallend sind die schmalen Scheinwerfer und die stark konturierten vorderen Kotflügel. In den Flanken geben schwungvolle Sicken Kontur, im schlanken Heck setzen schmale LED-Leuchten einen weiteren Akzent. Die schwungvolle Dachlinie kennt man bereits vom CLS, gut möglich, dass sie in Zukunft auch bei anderen Modellen der Marke prägend sein wird.
Den damit verbundenen Nachteil des eingeschränkten Platzes beim Einstieg in den Fond haben die Macher des F 800 Style innovativ gelöst: Erstmals kommen bei einer Stufenheck-Limousine hinten Schiebetüren zum Einsatz. Damit haben die Passagiere auch in engeren Parklücken einen bequemen Einstieg - und bewegen sich dort, wo das Dach am höchsten ist. Interessanterweise werden die Schiebetüren an einem einzigen, in die Innenseite der Türen integrierten Arm geführt. Somit ist von außen keine Schiene erkennbar. Die beim F 800 Style realisierte Lösung ohne B-Säule ist für einen möglichen Serieneinsatz eher nicht denkbar. Eine hintere Schiebetür mit klassischer B-Säule, heißt es bei Mercedes, könnte in vier Jahren serienreif sein. Immerhin arbeiten die Mercedes-Ingenieure seit drei Jahren an dem Konzept.
Zum Konzept von Mercedes gehört auch, beim Antrieb zukünftig auf modulare Systeme zu setzen, also verschiedene Antriebskonzepte in einem Auto zu realisieren. Und so ist der F 800 Style auch für zwei unterschiedliche Antriebsvarianten ausgelegt. "Es wird auf absehbare Zeit keinen Königsweg geben", ist sich Professor Herbert Kohler, Leiter E-Drive & Future Mobility bei Daimler, mit Blick auf die konkurrierenden Antriebskonzepte sicher. "Wir wollen grüne Technologie mit lokaler emissionsfreier Technik auch bei Luxusautos möglich machen", so Kohler.
Der F 800 Style zeigt dies einerseits als Plug-in-Hybrid. In dieser Version wird ein 220 kW (300 PS) starker Sechszylinder-Benziner mit Direkteinspritzung der nächsten Generation mit einem 80 kW (109 PS) starken Elektromotor kombiniert. Rein elektrisch bewegt, soll der Wagen 30 Kilometer weit fahren und maximal 120 km/h schnell sein. Soll es schneller und weiter gehen, kommt der Benziner zum Einsatz. Mit dieser Technik soll die Limousine im Durchschnitt nur 2,9 Liter Benzin auf 100 Kilometer verbrauchen.
Noch umweltfreundlicher gibt sich die Studie, wenn anstelle des Verbrennungsmotors eine Brennstoffzelle zum Einsatz kommt, die durch die Reaktion von Wasserstoff und Sauerstoff Energie erzeugt und damit einen 100 kW (136 PS) starken Elektromotor versorgt. "Der F 800 Style ist das erste Auto mit Brennstoffzelle und Heckantrieb", betont Kohler.
Für die Designer steht bei einem Concept-Car gleichwohl weniger die Technik als vielmehr Formen und Farben im Mittelpunkt. Und so trägt die Studie innen "ein Wohlfühl-Ambiente mit moderner Leichtigkeit", wie Chefdesigner Wagener den freundlichen Mix aus hellen Stoffen und Holz beschreibt.
Welches nun die Schokoladenseite des F 800 Style ist? Gorden Wagener mag sich nicht festlegen. Wichtig ist ihm allerdings der klassische Betrachtungswinkel von schräg vorn. "Obwohl man als Autofahrer auf der Straße die meisten Autos von schräg hinten sieht", so der 41-Jährige. Immerhin: Der Blick in die Glaskugel der Mercedes-Designer erlaubt erfreulicherweise mehrere Perspektiven.
Das Auto
Mercedes F 800 Style mit Plug-in-Hybrid
Die Fakten
Motor 3,5 Liter, 6 Zylinder plus Elektromotor
Leistung Benzinmotor 220 kW (300 PS)
Leistung Elektromotor 80 kW (109 PS)
Beschleunigung 0-100 km/h 4,8 s
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h bzw. 120 km/h bei reinem Elektroantrieb
Verbrauch 2,9 l/100 km
CO2-Ausstoß 68 g/km
Gesamtreichweite ca. 700 km bzw. 30 km bei rein elektrischem Betrieb
Abmessungen 4793 x 1938 x 1445 mm
Kofferraumvolumen 440 l
Reifen 215/45 R 20
Mercedes F 800 Style mit F-Cell
Die Fakten
Motor: Elektromotor, Brennstoffzelle
Leistung 100 kW (136 PS)
Beschleunigung 0-100 km/h 11 s
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
Verbrauch 0,9 kh H2/100 km
CO2-Ausstoß 0 g/km
Reichweite rund 600 km
Lob und Tadel
Mehr Dynamik, ohne gleich zu aggressiv auszuschauen - das neue Markengesicht von Mercedes lässt auf zukünftige Serienmodelle hoffen.
Die hinteren Schiebetüren wären in der Serie sicherlich ein praktischer Vorteil, nicht nur in engen Parkhäusern.
Eleganz statt purer Größe: Die Konzept-Studie wirkt kleiner, als sie in Wirklichkeit ist.
Im Innenraum zeigen die Mercedes-Ingenieure das Bedienkonzept Cam Touch Pad. Über eine Kamera werden die Finger des Fahrers im Display dargestellt - die Bedienung ist tatsächlich einfacher.
Die ausgeprägten Karosserieformen werden erfahrungsgemäß kaum komplett in die Serie einfließen.
Die sparsame Umwelttechnik - ob Hybrid oder Brennstoffzelle - ist noch nicht zu kaufen.
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