Bad Lieutenant - Cop ohne Gewissen
Von Drogen und ledrigen Leguanen
Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 25.02.2010
Filmbeschreibung
Da ist die Sache mit den Leguanen. Die Reptilien sitzen auf einem Tisch und schmunzeln ledrig-sarkastisch aus ihren Ich-war-schon-beim-Urknall-dabei-Gesichtern, als hielten sie die Menschen in ihrem Blickfeld für unreife Ahnungslose. Die Kamera kauert in Werner Herzogs "Bad Lieutenant - Cop ohne Gewissen" nahe auf Leguanhöhe und schaut über die Tiere hinweg auf ein paar Polizisten. Diese Perspektivverzerrung überträgt die Skepsis der Leguane auf uns Zuschauer. Von den Menschen schaut nur einer, der aus dem Gehirnleim gehende Terence McDonagh (Nicolas Cage), immer wieder zu den Echsen hin. Schneidet die Kamera auf Zweibeinerperspektive um, bleiben die Leguane außerhalb des Blickfelds. Es handelt sich bei ihnen offenbar um eine Halluzination des koksenden Cops.
Vorab, erzählt der deutsche Regisseur Werner Herzog ("Fitzcarraldo", 1982), der seit zwei Jahrzehnten in den USA vor allem als eigenwilliger Dokumentarist arbeitet, hätten ihm alle von der Szene mit den Tieren abgeraten. Und nun spreche jeder zuerst von den Leguanen. Das ist aber nicht unbedingt als Tribut an seine filmemacherische Instinkte zu werten. Vielleicht merkt man sich die Leguane, weil man mehr solcher wilden, frechen Bilder für Wahn und Verfall erwartet hätte, weil nur in ganz wenigen Szenen von "Bad Lieutenant" Herzogs besondere Handschrift deutlich wird.
Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: "Bad Lieutenant" ist ein makaber vergnüglicher Beitrag zum Untergenre "Kaputter Cop". McDonagh bewegt sich in einer Halbwelt, an die er sich in Denken und Gebaren anpasst, um erfolgreich zu sein. Nun braucht er, einer Rückenverletzung wegen, schwere Schmerzmittel. Dank der regelmäßigen Dröhnung verliert er das letzte bisschen Disziplin. Wir sehen ihn, wie er nachts junge Pärchen auf dem Parkplatz eines Clubs filzt. Er will keine Delikte dokumentieren, er sucht Drogen für sich.
Die Aggressivität und Unberechenbarkeit, die er dabei an den Tag legt, ist ein wenig gespielt, um die Opfer einzuschüchtern. Aber die Grenze zwischen Bluff und Koller löst sich zusehends auf. McDonagh soll die Abschlachtung einer afrikanischen Einwandererfamilie aufklären, aber seine Ermittlungen werden von privatem Schlamassel gehemmt, unter anderem vom Ärger mit einem Freier seiner Freundin Frankie (Eva Mendes), einer Prostituierten.
"Bad Lieutenant" ist das Remake eines Abel-Ferrara-Films von 1992, in dem Harvey Keitel den Polizisten spielte. Herzog hat die Vorlage angeblich nie gesehen. Beim Katholiken Ferrara geht es mit viel religiöser Symbolik um Erlösung und Verdammnis, bei Herzog um Kontrolle und Kontrollverlust. Es scheint aber, dass vor allem Nicolas Cage die Kontrolle übernommen hat, der Szene um Szene in der Mitte der Manege den Durchgeknallten spielt. Herzog kennt das, er hat oft von Fantasten, Verrückten, Getriebenen und Grenzerfahrungsjunkies erzählt. Aber diesmal bleibt das Ganze eher Genrespiel, wird kein Vorstoß ins Unbekannte. Der 67-jährige Werner Herzog empfiehlt sich Hollywood als jemand, der an den Grenzen des Mainstreams arbeitet, ohne das Publikum aus dem Blick zu verlieren. Was durchaus neugierig auf die Zukunft macht.
Vorab, erzählt der deutsche Regisseur Werner Herzog ("Fitzcarraldo", 1982), der seit zwei Jahrzehnten in den USA vor allem als eigenwilliger Dokumentarist arbeitet, hätten ihm alle von der Szene mit den Tieren abgeraten. Und nun spreche jeder zuerst von den Leguanen. Das ist aber nicht unbedingt als Tribut an seine filmemacherische Instinkte zu werten. Vielleicht merkt man sich die Leguane, weil man mehr solcher wilden, frechen Bilder für Wahn und Verfall erwartet hätte, weil nur in ganz wenigen Szenen von "Bad Lieutenant" Herzogs besondere Handschrift deutlich wird.
Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: "Bad Lieutenant" ist ein makaber vergnüglicher Beitrag zum Untergenre "Kaputter Cop". McDonagh bewegt sich in einer Halbwelt, an die er sich in Denken und Gebaren anpasst, um erfolgreich zu sein. Nun braucht er, einer Rückenverletzung wegen, schwere Schmerzmittel. Dank der regelmäßigen Dröhnung verliert er das letzte bisschen Disziplin. Wir sehen ihn, wie er nachts junge Pärchen auf dem Parkplatz eines Clubs filzt. Er will keine Delikte dokumentieren, er sucht Drogen für sich.
Die Aggressivität und Unberechenbarkeit, die er dabei an den Tag legt, ist ein wenig gespielt, um die Opfer einzuschüchtern. Aber die Grenze zwischen Bluff und Koller löst sich zusehends auf. McDonagh soll die Abschlachtung einer afrikanischen Einwandererfamilie aufklären, aber seine Ermittlungen werden von privatem Schlamassel gehemmt, unter anderem vom Ärger mit einem Freier seiner Freundin Frankie (Eva Mendes), einer Prostituierten.
"Bad Lieutenant" ist das Remake eines Abel-Ferrara-Films von 1992, in dem Harvey Keitel den Polizisten spielte. Herzog hat die Vorlage angeblich nie gesehen. Beim Katholiken Ferrara geht es mit viel religiöser Symbolik um Erlösung und Verdammnis, bei Herzog um Kontrolle und Kontrollverlust. Es scheint aber, dass vor allem Nicolas Cage die Kontrolle übernommen hat, der Szene um Szene in der Mitte der Manege den Durchgeknallten spielt. Herzog kennt das, er hat oft von Fantasten, Verrückten, Getriebenen und Grenzerfahrungsjunkies erzählt. Aber diesmal bleibt das Ganze eher Genrespiel, wird kein Vorstoß ins Unbekannte. Der 67-jährige Werner Herzog empfiehlt sich Hollywood als jemand, der an den Grenzen des Mainstreams arbeitet, ohne das Publikum aus dem Blick zu verlieren. Was durchaus neugierig auf die Zukunft macht.
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