Schlechte Verlierer

Wider dem olypiaschen Geist

fb, veröffentlicht am 25.02.2010
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Foto: dpa

Vancouver - Verlieren will gelernt sein. Die südkoreanischen Shorttracker tobten nach ihrer Disqualifikation vor Wut und wären fast den Kampfrichtern an den Kragen gegangen. Auch Wintersportlern gehen mal die Gäule durch. Der niederländische Eisschnelllauf-Star "Sven the Man" Kramer schmiss die Brille weg und schubste seinen Coach. Eiskunstlauf-Trainer Ingo Steuer machte seinen Schützling Robin Szolkowy nieder, und Jewgeni Pluschenko teilte nach diesmal verpasstem Olympia-Gold verbal aus.

"Im Namen aller Athleten verspreche ich, dass wir an den Olympischen Spielen teilnehmen und dabei die gültigen Regeln respektieren und befolgen und uns dabei einem Sport ohne Doping und ohne Drogen verpflichten, im wahren Geist der Sportlichkeit, für den Ruhm des Sports und die Ehre unserer Mannschaft". So sprach Kanadas große Eishockey-Dame Hayley Wickenheiser bei der Eröffnungsfeier in Vancouver den olympischen Eid. Doch mit der Sportlichkeit ist es so eine Sache: Spätestens nach der Entscheidung brechen die Emotionen durch: Da kracht's schon mal hinter den Kulissen.

Auf dem Siegertreppchen - vor den Augen der Sportwelt - benimmt sich kaum jemand daneben. "The Winner takes it all" war schon zu Abbas Zeiten ein Welthit. Auf der Buckelpiste feierte Alexandre Bilodeau das erste Gold für Kanada bei den Spielen und stahl damit ausgerechnet dem in Vancouver geborenen Dale Begg-Smith die Schau. Der Wahl-Australier, vor vier Jahren noch Triumphator, stand mit versteinerter Miene bei der Medaillenzeremonie und man sah ihm an: Am liebsten hätte er Blumenstrauß und Silbermedaille in die nächste Tonne gekloppt.

Eiskunstläufer Pluschenko zog bei der Siegerehrung mechanisch den Mundwinkel nach oben. Der Russen-Star fühlte sich betrogen und zeigte sich danach als schlechter Verlierer. "Wenn ein Olympiasieger keinen Vierfach-Sprung beherrscht, dann weiß ich auch nicht...", wetterte er in Richtung des siegreichen Amerikaners Evan Lysacek. "Das ist kein Eiskunstlauf für Männer, das ist Eistanzen."

Wenig cool reagierte auch Steuer, als es für die Paarlauf- Weltmeister Aljona Savchenko/Robin Szolkowy nur zu Bronze reichte. "Ich kann das nicht nachvollziehen, der Robin bringt das doch im Training", schimpfte er. "Wenn er beim Doppel-Axel nicht gestürzt wäre, hätte es zu Gold gereicht." Für seine Wutausbrüche war der frühere Weltmeister schon zu seiner aktiven Zeit bekannt.

Seine gute Kinderstube vergaß Eisflitzer Kramer, als ihm sein Coach Gerard Kemkers fälschlicherweise einen Wink zum Bahnwechsel gab und der Topfavorit disqualifiziert wurde. Kramer tobte und fuhr später einen Reporter an, als dieser fragte, ob er keine Mitschuld habe: "Halt den Mund!" Als die österreichischen Skispringer nach dem ersten Gold durch Simon Ammann ihre Felle davon schwimmen sahen, zettelten die Funktionäre einen Psychokrieg um die Skibindung des Schweizers an. Doch die Jury stellte sich hinter Ammann, vor der Entscheidung auf der Großschanze waren die Österreicher ganz kleinlaut.

Eisschnellläuferin Daniela Anschütz-Thoms hatte wieder einmal nur "Blech" gewonnen: Die Erfurterin zeigte aber auch nach zweimal Platz vier bei Olympia und 15 Mal Rang vier oder fünf bei WM oder EM Größe in der Niederlage - und sogar Galgenhumor: "Die vierten Plätze habe ich schon immer knapp gewonnen." Auch Kanadas bitter enttäuschte Rodlerin Mellisa Hollingsworth suchte nach ihrem fünften Rang nur die Schuld bei sich selbst: "Ich schäme mich so, dass ich mein Land im Stich gelassen habe." Am nächsten Tag blieb sie bis um 17 Uhr im Bett - Seelenkummer und vielleicht auch Selbstschutz.
 

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