Früher, als ich noch vom Fernweh gepackt wurde, zog es mich öfter von A nach B, mit dem Flieger, am liebsten aber mit dem eigenen Wagen. A war daheim, B lag irgendwo im Süden, unter Palmen. Inzwischen bin ich sesshaft geworden, vielleicht aber auch nur zu bequem, um Koffer zu packen oder einen Rucksack zu schleppen. Die Reiselust wurde vom Bewegungsdrang verdrängt. Heute zieht es mich täglich von A nach A.
Neulich habe ich, vom Stuhl eines Lokals aus, Menschen in einem Fitnessstudio beobachtet. Die Menschen liefen auf Laufbändern, also auf der Stelle. Nebenan strampelten sich Damen und Herren auf Fahrrädern ab, die im Boden verankert sind. Die Sportfrauen und -männer waren auf die Flachbildschirme vor ihnen fixiert. Alle gingen ein hohes Tempo. Vermutlich, dachte ich, verbrennen die mehr Kalorien als ein Auslaufmodell, das sich morgens am Ufer des Neckars entlangschleppt. Tauschen wollte ich nicht. Käme mir vor wie ein Hamster im Laufrad.
Vielleicht bin ich altmodisch, aber ich glaube, zur Bewegung gehört auch, dass man vorankommt, selbst wenn man im Kreis läuft, wenn einen die Reise von A nach A führt. Bilde mir ein, dass Bewegung in Gottes freier Natur gut ist, nicht nur für Bauch, Beine, Po. Auch für den Kopf.
Obwohl, bei mir wurden durchs Laufen noch nie Glückshormone freigesetzt. Blasen bekam ich schon, Hornhaut an den Fersen, die winters gern rissig wird und zu schmerzen beginnt. Glückshormone nie. Ich glaube, Glückshormone werden in Läuferkreisen überschätzt. Wie Bananen. Und Wundergels aus Tüten, die einem nach wenigen Kilometern säuerlich aufstoßen. Wichtiger als Glückshormone, Bananen und Wundergels aus Tüten sind frische Luft, Wind, Regen, Schnee, Sonne und keine (!) Kopfhörer. Und natürlich: das Knirschen von Splitt unter den Sohlen. Der federnde Waldboden. Der modrige Geruch eines Herbstwaldes. Die Hitze, die der Asphalt in einer Sommernacht abgibt.
Wem einmal auch ohne hormonelle Unterstützung das Glück beschieden war, als Erster mit Laufschuhen seine Fußabdrücke im Neuschnee hinterlassen zu dürfen, der wird wohl kaum seinen Bewegungsdrang in einer vollklimatisierten Muckibude ausleben. Außerdem regt Beinarbeit die Verdauung an. Will das nicht weiter austappen, nur daran erinnern, dass Läufer nicht nur den Alltag hinter sich lassen.
Gerade als Schwabe, glaube ich, ist man zum Läufer geboren. Wir sind die Afrikaner Deutschlands. Selbst wenn wir gehen, sagen wir, wir würden laufen. Läuft der Schwabe schnell, dann saut er. Nicht jeden Tag läuft es bei ihm gleich. Mal läuft es besser, mal schlechter. Aber selbst wenn es beim Laufen saugut läuft, wird der Schwabe die Frage "wie läuft’s?" nur mit "’s geht" quittieren.
Trotz meiner schwäbischen Wurzeln, also meiner hervorragenden erblichen Voraussetzungen fürs Laufen, bin ich weitgehend auf eine sitzende Tätigkeit umgestiegen. Ich fahre Rad. Radfahren läuft dem Laufen den Rang ab. Zum einen erreicht man locker ein Tempo, welches einen den Gegenwind als Kühlung empfinden lässt. Zum andern kann man auch mit vollem Magen losradeln. Das logistische Heckmeck, wie es Läufer notgedrungen pflegen müssen (am besten zwei Stunden vor dem Start keine feste Nahrung) fällt flach. Ich weiß, wovon ich rede. Ich bin mal nach einem Teller Wurstsalat und einem Weizenbier zu einem Halbmarathon aufgebrochen.
Und dann das akustische Vergnügen beim Pedalieren, von dem Mountainbike-Fahrer dank singender Reifen so gut wie nichts mitbekommen. Wenn beim Radfahren alles glatt läuft, hört man außer dem Atmen nichts. Höchstens das sanfte Gleiten einer Kette, die über Ritzel surrt. Das ferne Schnurren der Gangschaltung. Das leichte Schnarren von Bowden-Zügen. Der Reiz des Radfahrens liegt, pathetisch gesprochen, im harmonischen Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine. Einer Maschine, die sich im Lauf der Jahrzehnte zwar im Prinzip treu geblieben ist, aber im Detail perfektioniert wurde, was dazu geführt hat, dass moderne Fahrräder im Vergleich zu ihrer menschlichen Ladung nichts wiegen.
Der wesentliche Unterschied zwischen Läufer und Radfahrer ist der: Während der eine immer laufen muss, kann es der andere auch mal rollen lassen. Mir ist kein Fortbewegungsmittel geläufig, mit dem man mittels Muskelkraft schneller und bequemer vorankommt als mit dem Rad. Seit ich viel zu Fuß und auf dem Rad unterwegs bin, hat sich mein Verhältnis zur Fortbewegung verändert. Automobile empfinde ich als wunderbare Lastesel, die aber keine 150 Pferde unter der Haube brauchen, nur um damit ein paar Bierkisten von Supermarkt zu holen. Mein Bedürfnis, möglichst zügig von A nach B zu kommen, tendiert gegen null. Ich genieße das Dahingleiten auf Urlaubsfahrten. Manche mögen mich als Verkehrshindernis empfinden. Ich weiß: Es geht voran.
Neulich habe ich, vom Stuhl eines Lokals aus, Menschen in einem Fitnessstudio beobachtet. Die Menschen liefen auf Laufbändern, also auf der Stelle. Nebenan strampelten sich Damen und Herren auf Fahrrädern ab, die im Boden verankert sind. Die Sportfrauen und -männer waren auf die Flachbildschirme vor ihnen fixiert. Alle gingen ein hohes Tempo. Vermutlich, dachte ich, verbrennen die mehr Kalorien als ein Auslaufmodell, das sich morgens am Ufer des Neckars entlangschleppt. Tauschen wollte ich nicht. Käme mir vor wie ein Hamster im Laufrad.
Vielleicht bin ich altmodisch, aber ich glaube, zur Bewegung gehört auch, dass man vorankommt, selbst wenn man im Kreis läuft, wenn einen die Reise von A nach A führt. Bilde mir ein, dass Bewegung in Gottes freier Natur gut ist, nicht nur für Bauch, Beine, Po. Auch für den Kopf.
Obwohl, bei mir wurden durchs Laufen noch nie Glückshormone freigesetzt. Blasen bekam ich schon, Hornhaut an den Fersen, die winters gern rissig wird und zu schmerzen beginnt. Glückshormone nie. Ich glaube, Glückshormone werden in Läuferkreisen überschätzt. Wie Bananen. Und Wundergels aus Tüten, die einem nach wenigen Kilometern säuerlich aufstoßen. Wichtiger als Glückshormone, Bananen und Wundergels aus Tüten sind frische Luft, Wind, Regen, Schnee, Sonne und keine (!) Kopfhörer. Und natürlich: das Knirschen von Splitt unter den Sohlen. Der federnde Waldboden. Der modrige Geruch eines Herbstwaldes. Die Hitze, die der Asphalt in einer Sommernacht abgibt.
Wem einmal auch ohne hormonelle Unterstützung das Glück beschieden war, als Erster mit Laufschuhen seine Fußabdrücke im Neuschnee hinterlassen zu dürfen, der wird wohl kaum seinen Bewegungsdrang in einer vollklimatisierten Muckibude ausleben. Außerdem regt Beinarbeit die Verdauung an. Will das nicht weiter austappen, nur daran erinnern, dass Läufer nicht nur den Alltag hinter sich lassen.
Gerade als Schwabe, glaube ich, ist man zum Läufer geboren. Wir sind die Afrikaner Deutschlands. Selbst wenn wir gehen, sagen wir, wir würden laufen. Läuft der Schwabe schnell, dann saut er. Nicht jeden Tag läuft es bei ihm gleich. Mal läuft es besser, mal schlechter. Aber selbst wenn es beim Laufen saugut läuft, wird der Schwabe die Frage "wie läuft’s?" nur mit "’s geht" quittieren.
Trotz meiner schwäbischen Wurzeln, also meiner hervorragenden erblichen Voraussetzungen fürs Laufen, bin ich weitgehend auf eine sitzende Tätigkeit umgestiegen. Ich fahre Rad. Radfahren läuft dem Laufen den Rang ab. Zum einen erreicht man locker ein Tempo, welches einen den Gegenwind als Kühlung empfinden lässt. Zum andern kann man auch mit vollem Magen losradeln. Das logistische Heckmeck, wie es Läufer notgedrungen pflegen müssen (am besten zwei Stunden vor dem Start keine feste Nahrung) fällt flach. Ich weiß, wovon ich rede. Ich bin mal nach einem Teller Wurstsalat und einem Weizenbier zu einem Halbmarathon aufgebrochen.
Und dann das akustische Vergnügen beim Pedalieren, von dem Mountainbike-Fahrer dank singender Reifen so gut wie nichts mitbekommen. Wenn beim Radfahren alles glatt läuft, hört man außer dem Atmen nichts. Höchstens das sanfte Gleiten einer Kette, die über Ritzel surrt. Das ferne Schnurren der Gangschaltung. Das leichte Schnarren von Bowden-Zügen. Der Reiz des Radfahrens liegt, pathetisch gesprochen, im harmonischen Zusammenspiel zwischen Mensch und Maschine. Einer Maschine, die sich im Lauf der Jahrzehnte zwar im Prinzip treu geblieben ist, aber im Detail perfektioniert wurde, was dazu geführt hat, dass moderne Fahrräder im Vergleich zu ihrer menschlichen Ladung nichts wiegen.
Der wesentliche Unterschied zwischen Läufer und Radfahrer ist der: Während der eine immer laufen muss, kann es der andere auch mal rollen lassen. Mir ist kein Fortbewegungsmittel geläufig, mit dem man mittels Muskelkraft schneller und bequemer vorankommt als mit dem Rad. Seit ich viel zu Fuß und auf dem Rad unterwegs bin, hat sich mein Verhältnis zur Fortbewegung verändert. Automobile empfinde ich als wunderbare Lastesel, die aber keine 150 Pferde unter der Haube brauchen, nur um damit ein paar Bierkisten von Supermarkt zu holen. Mein Bedürfnis, möglichst zügig von A nach B zu kommen, tendiert gegen null. Ich genieße das Dahingleiten auf Urlaubsfahrten. Manche mögen mich als Verkehrshindernis empfinden. Ich weiß: Es geht voran.
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