Computermesse Cebit Die Tops und Flops
Ricarda Stiller, veröffentlicht am 01.03.2010
Hannover - Spätestens im Februar eines jeden Jahres beginnen Fachzeitschriften und einschlägige Online-Portale damit, die Trends der bevorstehenden Computermesse Cebit (Centrum der Büro- und Informationstechnik) vorherzusagen. Teils handelt es sich um Spekulationen, was in Hannover auf der noch immer weltweit größten Messe der IT-Branche Anfang März gezeigt werden wird, teils sickern die Neuigkeiten tatsächlich im Vorfeld an die Öffentlichkeit. Doch nicht alles, was Jahr für Jahr als Sensation gepriesen wird, setzt sich letztlich am Markt durch. Wir haben im Archiv gewühlt und uns die Trends seit dem Jahr 2000 genauer angesehen. Im Rückblick erscheint so manches als Flop. Doch viele Dinge sind noch immer top.
Seit dem Jahr 2000 sind Handys für jeden erschwinglich. Mit Lockangeboten der Mobilfunkunternehmen legt die Branche so richtig los. Für Pfennigbeträge sind die Geräte zu haben, wenn man sich auf den Abschluss eines Vertrages mit 24-monatiger Laufzeit einlässt. Über die monatliche Grundgebühr werden die Geräte finanziert. Auch sind die Telefonate ins deutsche Festnetz mittlerweile bezahlbar, Gespräche in andere Mobilfunknetze sind hingegen noch recht teuer.
Eine Kurzmitteilung (SMS) ist 160 Zeichen lang und kostet zwischen 30 und 50 Pfennig. Auf der Cebit herrscht in den Hallen der Handyhersteller Partystimmung. Heute sind die Geräte aus dem Alltag kaum noch wegzudenken, auf der Messe spielen sie aber keine Rolle mehr.
Im gleichen Jahr sind die ersten USB-Sticks auf den Markt gekommen. Diese handlichen USB-Flash-Speichermedien hatten seinerzeit gerade mal eine Speicherkapazität von 8 MB. Mittlerweile sind die Sticks für wenige Euro und mit bis zu 256 Gigabyte erhältlich.
Zwar ist der erste MP3-Player bereits 1995 in Deutschland gebaut worden und das Gerät für den Massenmarkt, der Rio PMP300, eroberte schon im Jahr 1998 die Regale der Technikmärkte. Doch eine kleine Revolution brachte der erste iPod der Firma Apple. Bis heute sind zahlreiche Versionen des MP3-Players auf den Markt gekommen. Er gilt als Statussymbol und hat die Hörgewohnheiten einer ganzen Generation beeinflusst. Zwar gab es schon früher Walkmen mit Kassetten, doch die Geräte waren vergleichsweise unhandlich. Ein winziger MP3-Player kann viele Stunden Musik speichern.
Der preiswerteste Handheld-Computer seiner Zeit wird angekündigt. Im Herbst 2002 ist der Palm Zire dann tatsächlich für 99 Dollar erhältlich. Obwohl die Firma Apple mit dem PDA (Personal Digital Assistant) namens Newton Jahre früher auf den Markt kam, hat sich Palm für einige Jahre so etwas wie ein Monopol diese Segments aufgebaut. Das eigene Betriebssystem Palm OS zeichnete sich durch einfache Bedienung aus. Gerät und Software waren perfekt aufeinander abgestimmt.
Erst mit dem konkurrierenden Betriebssystem von Microsoft für Pocket-PCs kam Bewegung in diese Sparte. Heute übernimmt meist ein Smartphone die Aufgaben eines PDAs, so dass es kaum noch eine Zukunft für Pocket-PCs geben dürfte. Auch Palm bietet nur noch Smartphones an, teilweise sogar mit dem Betriebssystem Windows mobile.
Im Jahr 2003 setzt ein Umdenken beim Verbraucher ein. Bis dahin interessieren sich vor allem Profi-Fotografen für die digitale Fototechnik. Zwar ist die Auslöseverzögerung bei kompakten Digitalkameras im Jahr 2003 im Grunde nicht hinnehmbar. Doch viele technikinteressierte Hobbyfotografen legen sich eine solche Kamera zunächst als Zweitgerät zu. Inzwischen gibt es eine unüberschaubare Fülle an Modellen in allen Preisklassen und Ausstattungsstufen. Die Digitalkameras haben Kleinbildapparate mit Farbfilmen so gut wie vollständig abgelöst.
Die Meldungen über immer neue Computerviren sind im Jahr 2004 an der Tagesordnung. Eines der Hauptthemen auf der Cebit ist in jenem Jahr die IT-Sicherheit von Unternehmen. Bis zu diesem Zeitpunkt herrscht bei Privatanwendern weitgehend Ahnungs- und Sorglosigkeit. Doch die Gefahren bei Online-Banking und Einkäufen über das Internet steigen stetig.
Durch die sensationelle Verbreitung einiger Viren und Würmer wie Sasser rückt das Problem erst in das Bewusstsein vieler Computernutzer. Programmiert hat diesen Wurm der Schüler einer Informatik-Berufsfachschule. Antivirenprogramme und sogenannte Firewalls werden nun zunehmend auch an Privatanwender verkauft.
Willkommen im vernetzten Wohnzimmer. Man betritt sein Haus, schon schaltet sich das Licht an. Am Eingang gibt ein Display Auskunft darüber, welche Bewohner des Hauses anwesend und welche Anrufe und E-Mails eingegangen sind. Geht man ins Wohnzimmer, ertönt in dezenter Lautstärke klassische Musik.
Läuft man von dort in die Küche, so "wandert" die Musik von Lautsprecher zu Lautsprecher mit der Person mit. Setzt man sich auf das Sofa, wird das Licht gedimmt. Zwar sind diese Anwendungen tatsächlich auf dem Markt, der vielzitierte Kühlschrank, der Milch bestellt und piepst, wenn der Joghurt sich dem Verfallsdatum nähert, scheint aber auch im Jahr 2010 noch in weiter Ferne - im Haus der Zukunft eben.
Neben den kleinen Flimmerkisten für unterwegs, die die Programme via Antenne über DVB-T empfangen, steigt auch die Handybranche ins mobile Fernsehen ein. In Korea läuft die Sache mit dem Übertragungsstandard DMB (Digital Multimedia Broadcasting). Seit dem Jahr 2006 gibt es DMB auch in Deutschland. Ein Empfangsgerät, das Samsung-Handy SGH-P900n ist zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Markt. Wer zu früh kommt, den bestraft das Leben, könnte man in diesem Fall sagen. Dieses Feature hat sich bis heute nicht durchgesetzt.
Mit Full HD soll der Fernsehspaß sich seiner absoluten Vollendung nähern. Wer in den Genuss des hochauflösenden Fernsehens HDTV kommen will, darf sich im Jahr 2007 freuen. Neben den Geräten, die lediglich "HD Ready" sind, kommen in jenem Jahr auch immer mehr Fernsehgeräte mit "Full HD" auf den Markt. Diese Flachbildfernseher arbeiten mit 1920 x 1080 Pixeln und nutzen somit die auch heute noch höchste HD-Auflösung.
Mini-Notebooks und Sub-Notebooks gibt es schon länger. Sie waren viel zu teuer, häufig auch zu schwer. Im Januar 2008 kommt mit dem Eee-PC das erste Netbook auf den deutschen Markt. Es ist extrem leicht, handlich und preiswert. Schon im gleichen Jahr bekommt der Hersteller Asus Konkurrenz. Netbooks sind für 300 bis 500 Euro zu haben, verfügen weder über ein optisches Laufwerk noch über ein großes Display. Die meisten sind mit einem 7-Zoll-Bildschirm ausgestattet und insbesondere für die Internetnutzung, Büroarbeiten und zum Abspielen von Musik oder Videos gedacht. In dieser Geräteklasse wird weiterhin mit einem Zuwachs gerechnet.
In den USA herrscht ein regelrechter Boom der so genannten E- Book-Reader, also jener Endgeräte, die elektronische Bücher lesbar machen. Amazon verkauft erfolgreich seinen Kindle, der seit Herbst 2009 auch in Deutschland erhältlich ist.
Die US-Buchkette Barnes & Noble bringt Ende November 2009 einen E-Book-Reader auf den Markt, der gleich drei Besonderheiten aufweist: Er besitzt zwei Touchscreens, läuft mit dem Betriebssystem Android OS und bietet außerdem die Möglichkeit zur Online-Buchleihe. Ob und wann der E-Book-Reader Nook auch in Deutschland erhältlich sein wird, steht bislang allerdings noch nicht fest. Wieder einmal drängt auch die Firma Apple in dieses Segment. Das mit viel Wirbel präsentierte iPad soll im Frühjahr 2010 erhältlich sein.
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2000: Das Handy und der USB-Stick
Seit dem Jahr 2000 sind Handys für jeden erschwinglich. Mit Lockangeboten der Mobilfunkunternehmen legt die Branche so richtig los. Für Pfennigbeträge sind die Geräte zu haben, wenn man sich auf den Abschluss eines Vertrages mit 24-monatiger Laufzeit einlässt. Über die monatliche Grundgebühr werden die Geräte finanziert. Auch sind die Telefonate ins deutsche Festnetz mittlerweile bezahlbar, Gespräche in andere Mobilfunknetze sind hingegen noch recht teuer.
Eine Kurzmitteilung (SMS) ist 160 Zeichen lang und kostet zwischen 30 und 50 Pfennig. Auf der Cebit herrscht in den Hallen der Handyhersteller Partystimmung. Heute sind die Geräte aus dem Alltag kaum noch wegzudenken, auf der Messe spielen sie aber keine Rolle mehr.
Im gleichen Jahr sind die ersten USB-Sticks auf den Markt gekommen. Diese handlichen USB-Flash-Speichermedien hatten seinerzeit gerade mal eine Speicherkapazität von 8 MB. Mittlerweile sind die Sticks für wenige Euro und mit bis zu 256 Gigabyte erhältlich.
2001: MP3-Player und der erste iPod
Zwar ist der erste MP3-Player bereits 1995 in Deutschland gebaut worden und das Gerät für den Massenmarkt, der Rio PMP300, eroberte schon im Jahr 1998 die Regale der Technikmärkte. Doch eine kleine Revolution brachte der erste iPod der Firma Apple. Bis heute sind zahlreiche Versionen des MP3-Players auf den Markt gekommen. Er gilt als Statussymbol und hat die Hörgewohnheiten einer ganzen Generation beeinflusst. Zwar gab es schon früher Walkmen mit Kassetten, doch die Geräte waren vergleichsweise unhandlich. Ein winziger MP3-Player kann viele Stunden Musik speichern.
2002: Palm und PDA
Der preiswerteste Handheld-Computer seiner Zeit wird angekündigt. Im Herbst 2002 ist der Palm Zire dann tatsächlich für 99 Dollar erhältlich. Obwohl die Firma Apple mit dem PDA (Personal Digital Assistant) namens Newton Jahre früher auf den Markt kam, hat sich Palm für einige Jahre so etwas wie ein Monopol diese Segments aufgebaut. Das eigene Betriebssystem Palm OS zeichnete sich durch einfache Bedienung aus. Gerät und Software waren perfekt aufeinander abgestimmt.
Erst mit dem konkurrierenden Betriebssystem von Microsoft für Pocket-PCs kam Bewegung in diese Sparte. Heute übernimmt meist ein Smartphone die Aufgaben eines PDAs, so dass es kaum noch eine Zukunft für Pocket-PCs geben dürfte. Auch Palm bietet nur noch Smartphones an, teilweise sogar mit dem Betriebssystem Windows mobile.
2003: Digitalkameras
Im Jahr 2003 setzt ein Umdenken beim Verbraucher ein. Bis dahin interessieren sich vor allem Profi-Fotografen für die digitale Fototechnik. Zwar ist die Auslöseverzögerung bei kompakten Digitalkameras im Jahr 2003 im Grunde nicht hinnehmbar. Doch viele technikinteressierte Hobbyfotografen legen sich eine solche Kamera zunächst als Zweitgerät zu. Inzwischen gibt es eine unüberschaubare Fülle an Modellen in allen Preisklassen und Ausstattungsstufen. Die Digitalkameras haben Kleinbildapparate mit Farbfilmen so gut wie vollständig abgelöst.
2004: Das Jahr der Computerviren
Die Meldungen über immer neue Computerviren sind im Jahr 2004 an der Tagesordnung. Eines der Hauptthemen auf der Cebit ist in jenem Jahr die IT-Sicherheit von Unternehmen. Bis zu diesem Zeitpunkt herrscht bei Privatanwendern weitgehend Ahnungs- und Sorglosigkeit. Doch die Gefahren bei Online-Banking und Einkäufen über das Internet steigen stetig.
Durch die sensationelle Verbreitung einiger Viren und Würmer wie Sasser rückt das Problem erst in das Bewusstsein vieler Computernutzer. Programmiert hat diesen Wurm der Schüler einer Informatik-Berufsfachschule. Antivirenprogramme und sogenannte Firewalls werden nun zunehmend auch an Privatanwender verkauft.
2005: Das Haus der Zukunft
Willkommen im vernetzten Wohnzimmer. Man betritt sein Haus, schon schaltet sich das Licht an. Am Eingang gibt ein Display Auskunft darüber, welche Bewohner des Hauses anwesend und welche Anrufe und E-Mails eingegangen sind. Geht man ins Wohnzimmer, ertönt in dezenter Lautstärke klassische Musik.
Läuft man von dort in die Küche, so "wandert" die Musik von Lautsprecher zu Lautsprecher mit der Person mit. Setzt man sich auf das Sofa, wird das Licht gedimmt. Zwar sind diese Anwendungen tatsächlich auf dem Markt, der vielzitierte Kühlschrank, der Milch bestellt und piepst, wenn der Joghurt sich dem Verfallsdatum nähert, scheint aber auch im Jahr 2010 noch in weiter Ferne - im Haus der Zukunft eben.
2006: Handy-Fernsehen
Neben den kleinen Flimmerkisten für unterwegs, die die Programme via Antenne über DVB-T empfangen, steigt auch die Handybranche ins mobile Fernsehen ein. In Korea läuft die Sache mit dem Übertragungsstandard DMB (Digital Multimedia Broadcasting). Seit dem Jahr 2006 gibt es DMB auch in Deutschland. Ein Empfangsgerät, das Samsung-Handy SGH-P900n ist zu diesem Zeitpunkt bereits auf dem Markt. Wer zu früh kommt, den bestraft das Leben, könnte man in diesem Fall sagen. Dieses Feature hat sich bis heute nicht durchgesetzt.
2007: Full HD
Mit Full HD soll der Fernsehspaß sich seiner absoluten Vollendung nähern. Wer in den Genuss des hochauflösenden Fernsehens HDTV kommen will, darf sich im Jahr 2007 freuen. Neben den Geräten, die lediglich "HD Ready" sind, kommen in jenem Jahr auch immer mehr Fernsehgeräte mit "Full HD" auf den Markt. Diese Flachbildfernseher arbeiten mit 1920 x 1080 Pixeln und nutzen somit die auch heute noch höchste HD-Auflösung.
2008: Netbooks
Mini-Notebooks und Sub-Notebooks gibt es schon länger. Sie waren viel zu teuer, häufig auch zu schwer. Im Januar 2008 kommt mit dem Eee-PC das erste Netbook auf den deutschen Markt. Es ist extrem leicht, handlich und preiswert. Schon im gleichen Jahr bekommt der Hersteller Asus Konkurrenz. Netbooks sind für 300 bis 500 Euro zu haben, verfügen weder über ein optisches Laufwerk noch über ein großes Display. Die meisten sind mit einem 7-Zoll-Bildschirm ausgestattet und insbesondere für die Internetnutzung, Büroarbeiten und zum Abspielen von Musik oder Videos gedacht. In dieser Geräteklasse wird weiterhin mit einem Zuwachs gerechnet.
2009: E-Book-Reader
In den USA herrscht ein regelrechter Boom der so genannten E- Book-Reader, also jener Endgeräte, die elektronische Bücher lesbar machen. Amazon verkauft erfolgreich seinen Kindle, der seit Herbst 2009 auch in Deutschland erhältlich ist.
Die US-Buchkette Barnes & Noble bringt Ende November 2009 einen E-Book-Reader auf den Markt, der gleich drei Besonderheiten aufweist: Er besitzt zwei Touchscreens, läuft mit dem Betriebssystem Android OS und bietet außerdem die Möglichkeit zur Online-Buchleihe. Ob und wann der E-Book-Reader Nook auch in Deutschland erhältlich sein wird, steht bislang allerdings noch nicht fest. Wieder einmal drängt auch die Firma Apple in dieses Segment. Das mit viel Wirbel präsentierte iPad soll im Frühjahr 2010 erhältlich sein.
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