Fiat Panda

Italienischer Dauerläufer

Paul-Janosch Ersing, veröffentlicht am 02.03.2010
Foto: Hersteller

Es war ein Start mit Hindernissen: Als Fiat auf dem Genfer Automobilsalon im März 2003 stolz einen neuen Kleinwagen enthüllte, trug dieser den Namen Gingo (sprich "Dschingo"). Dem französischen Wettbewerber Renault gefiel das aber überhaupt nicht: Seiner Meinung nach klang das allzu sehr nach Twingo. In Turin lenkte man auf die Klage ein und holte eine altbewährte Typenbezeichnung aus der Schublade: Panda.

Panda? Unter diesem Namen baute Fiat seit 1980 über vier Millionen Kleinstwagen, deren Sitze anfänglich aus Stahlrohrrahmen bestanden, die mit etwas Stoff bespannt waren. Das kantige, glattflächige Design trug die Handschrift Giorgio Giugiaros, und der von der Werbung ausgedachte Kosename "tolle Kiste" rückte den Panda schon bald auf eine Stufe mit Renault 4 und dem legendären Citroën 2 CV ("Ente").

Der aktuelle Panda hat mit dem alten so gut wie gar nichts mehr gemein - außer, dass er vier Räder und einen Motor hat. Und noch etwas verbindet die beiden Namensvettern: Der Kleine verkauft sich - obwohl in der aktuellen Generation schon im Jahr 2003 eingeführt - erstaunlich gut. Im vergangenen Jahr machte die staatliche Abwrackprämie 59.114 Bundesbürger zu neuen Panda-Besitzern. Damit stand der 3,54 Meter kurze Italiener unangefochten an der Spitze des Kleinwagensegments, der zweitplatzierte Smart Fortwo erreichte dagegen lediglich knapp 34.000 Zulassungen.

Womit lässt sich der Erfolg des Panda erklären? Am Design kann es kaum liegen. Denn auf der gleichen Plattform baut Fiat den hippen 500 (Cinquecento), und auch der neue Ka, die Knutschkugel aus dem Hause Ford, basiert auf der Technik des Panda. Cinquecento und Ka mögen vielleicht mehr Eindruck beim Nachbarn machen, sind dafür allerdings deutlich teurer. So einfach ist Autohandel manchmal zu deuten.

Die Bugpartie des Panda mit dem Fiat-Markenzeichen groß in der Mitte ist sachlich gezeichnet, die leicht bogenförmige Dachlinie mündet in eine Heckpartie mit schmalen Seitenfenstern. Das Steilheck wird von zwei langgezogenen Rückleuchten flankiert und verspricht Geräumigkeit. In der Tat sind reichlich 200 Liter Gepäckraum für ein Dreieinhalb-Meter-Auto recht ordentlich. Die in Längsrichtung verschiebbare Rückbank, die gegen Aufpreis erhältlich ist, vergrößert das Staufach auf 235 Liter, jeweils bis zur Unterkante der Seitenscheiben gemessen.

Im Innern fällt auf, dass die Konstrukteure den Schalthebel weit nach vorn gerückt haben. Leider ragt die Konsole unterhalb der Armaturen beinahe bis an die Vordersitze heran, so dass sich keine verbesserte Durchstiegsmöglichkeit ergibt, wenn die Fahrertür in einer engen Parklücke blockiert ist. Ansonsten sind Instrumente und Bedienungselemente in klassischer Übersichtlichkeit angeordnet. Etwas Farbe kommt durch gelbe oder blaue Sitzpolster in den ansonsten in Hellgrau gehaltenen Innenraum.

Drei Ausstattungsversionen sowie vier Motorisierungen stehen im frontgetriebenen Panda zur Auswahl. Das Angebot reicht vom 1,1-Liter-Vierzylinder mit 40 kW (54 PS) ab 9690 Euro bis zum 73 kW (100 PS) starken 1,4-Liter-Benziner im Fiat Panda 100 HP, Kostenpunkt: 14.520 Euro. Ein 1,3-Liter-Selbstzünder komplettiert die Antriebspalette. Er leistet 51 kW (70 PS), ist mit 4,3 Liter Diesel auf 100 Kilometern der Sparmeister und steht ab 12.620 Euro in der Preisliste.

Ein kleines Auto braucht keinen großen Motor. Leider gilt dieser allgemeine Lehrsatz für den Fiat nur bedingt, wenn man mit ihm auf große Fahrt gehen will: Die 54 Pferdestärken des 1,1-Liter-Ottomotors reichen nicht aus, um auf bergigeren Autobahnstücken entspannt an Lastwagen vorbeizuziehen. Zurückschalten in den vierten Gang tut da not. Auf flachen Teilstücken wäre hingegen ein sechster Gang hilfreich, da hohe Drehzahlen den Motor mächtig laut werden lassen. Der 70-PS-Diesel ist ab Tempo 120 zwar auch kein Leisetreter, zieht dafür aber kräftiger durch.

Wer auch abseits befestigter Straßen vorankommen muss, für den kommen Panda 4x4 oder Panda Cross mit einem Hauch von Abenteuer in Betracht. Beide stehen mit automatisch zuschaltendem Allradantrieb auf beziehungsweise neben der Piste. Der Aufpreis für den Vierradantrieb liegt bei rund 2000 Euro. Das Erdgas-Modell Panda Panda versteckt zwei Gasflaschen unter dem Fahrzeugboden. Mit einer Tankfüllung (12 Kilogramm Erdgas und 30 Liter Benzin) kommt man recht günstig bis zu 730 Kilometer weit, zahlt bei der Anschaffung aber rund 3000 Euro mehr als für den vergleichbaren Benziner.

Fiat Panda 1.1 8V Eco

Die Fakten

Motor 1,1 Liter Benziner, 4 Zylinder

Leistung 40 kW (54 PS) bei 5000 U/min

Höchstgeschwindigkeit 150 km/h

Beschleunigung 0 bis 100 km/h 15 s

Elastizität 80 bis 120 km/h k. A.

Getriebe 5-Gang-Handschaltgetriebe

Abmessungen 3538 mm x 1589 mm x 1540 mm

Kofferraumvolumen 206 l

Leergewicht 915 kg

Zulässiges Gesamtgewicht 1255 kg

Verbrauch lt. Hersteller 5,7 l Super

CO2-Ausstoß 119 g/km

Grundpreis 9690 Euro

Lob und Tadel

Die leicht erhöhte Sitzposition verschafft den Passagieren einen guten Überblick im Verkehrsgetümmel.

Ein Druck auf die City-Taste lässt die Servolenkung noch leichtgängiger werden und macht das tägliche Rangieren zum Kinderspiel.

Das kantig gestaltete Heck bietet den Vorteil, bei umgeklappter Rückbank auch sperriges Ladegut unterzubringen.

Mit Allradantrieb und Erdgas-Version bietet der Panda ein für Kleinwagen vielseitiges Programm.

Für die Einstiegsversion ist das Stabilitätsprogramm ESP selbst gegen Zahlung eines Aufpreises nicht verfügbar.

Der Normverbrauch von 5,7 Litern ist im Alltag nicht zu erreichen und wird schnell um rund zwei Liter überboten.

Querfugen auf der Autobahn mag das Fahrwerk nicht, was angesichts eines Radstands von nur 2,31 Meter allerdings kein Wunder ist.
 

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