Ehemalige Berufsakademien Duale Hochschule - eine Bilanz
Renate Allgöwer, veröffentlicht am 02.03.2010
Stuttgart - "Wir haben schneller eine gemeinsame Identität entwickelt als erwartet." Damit sieht Hans Wolff, der Gründungspräsident der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (mit der sperrigen Abkürzung DHBW) die oberste Aufgabe bereits jetzt erreicht. Vor einem Jahr haben sich die acht Berufsakademien des Landes zur Dualen Hochschule zusammengeschlossen und augenscheinlich sind alle zufrieden. Die größte Sorge der acht Direktoren war, dass die Akademien ihre Flexibilität verlieren und von der Zentrale in Stuttgart gesteuert werden könnten. Das befürchteten auch einige örtliche Unternehmer. Sie stellen die Ausbildungsplätze für die Studenten und erwarten akademisch gebildetes Personal, das genau auf ihre Bedürfnisse passt. "Die Bedenken waren überflüssig, wir leben alle von den Initiativen an den Standorten", betont Wolff.
"Die Befürchtung, die regionalen Schnellboote könnten zu schweren Tankern werden, ist nicht eingetreten", sagt zum Beispiel auch Ulrich Sommer, der Direktor des Standorts Villingen-Schwenningen. Seine Einrichtung hat nicht nur gewonnen. Man wollte im Schwarzwald den Studiengang Tourismus einrichten, das hat die Stuttgarter Zentrale verwehrt und auf Ravensburg verwiesen. Dort sei das Kompetenzzentrum Tourismus geplant.
Sommer trägt das mit Fassung, erstens hat das Ministerium, als es noch zuständig war, den Studiengang auch verwehrt und Sommer ist ein Freund von Kompetenzzentren. Mit Blick auf die Bevölkerungsentwicklung führe kein Weg an der Schwerpunktbildung vorbei. Sein Standort steht für den Schwerpunkt Steuern und Prüfungswesen. Sommer geht davon aus, dass Villingen-Schwenningen hier den Vorzug bekäme.
"Die Kompetenzzentren sind geplant. Wir sind noch nicht sehr weit", wiegelt Wolff ab. Allerdings hat Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) mit der neuen Hochschule von Anfang an die Erwartung verbunden, eine "standortübergreifende Struktur- und Entwicklungsplanung zu erstellen". Erste Kooperationen gibt es bereits. So wird Villingen-Schwenningen mit Horb (einer Außenstelle der DHBW Stuttgart) einen gemeinsamen Studiengang an der Schnittstelle zwischen Technik und Wirtschaft anbieten.
Eine Hoffnung hat sich laut Ulrich Sommer durch die Einrichtung einer Zentrale aber nicht erfüllt: "Der verwaltungsmäßige Aufwand ist mehr geworden, seit wir auch formal eine Hochschule sind." Dabei erwartete man gerade in der Verwaltung Synergieeffekte. An einer Hochschule muss aber zertifiziert und akkreditiert werden, das machen zwar die Stuttgarter, aber die Informationen müssen die Standorte liefern.
Viel besser ist dagegen die Öffentlichkeitsarbeit und damit die öffentliche Wahrnehmung der Berufsakademien geworden, darin sind sich die Direktoren einig. "Wir gehen jetzt gemeinsam auf überregionale Abiturientenmessen", lobt Reinhold Geilsdörfer, Direktor in Mosbach. Und die Duale Hochschule habe ihre Position besonders gegenüber den Fachhochschulen gefestigt, betont Ulrich Sommer. Was die Profilbildung angeht, macht auch Geilsdörfer "keine ganz großen Auseinandersetzungen" unter den Standorten aus. "Jeder Standort expandiert", sagt Geilsdörfer. Trotz der Wirtschaftskrise hätten die Unternehmen nicht den Fehler gemacht, an der Ausbildung zu sparen. So lasse sich auch der Ausbauplan und die Aufstockung der Studienanfängerplätze verwirklichen. Dabei sei vor allem auf die Mittelständler Verlass.
An der DHBW haben 2009 insgesamt 9000 Anfänger ein Studium aufgenommen, das sind nach Angaben der Zentrale nur 400 weniger als im Rekordjahr 2008. Branchen wie der Steuersektor boomen, Ulrich Sommer berichtet von 20-prozentigen Zuwächsen. Dagegen habe das Bankwesen einen Einbruch von mindestens zehn Prozent erlitten. "Die Banken suchen händeringend Leute", die jungen Leute wollten aber nach dem Imageverlust zurzeit nicht Banker werden.
Die Unternehmen selbst befürworten die Aufwertung zur Hochschule ebenfalls. Bosch, das zu den Gründungsunternehmen der Berufsakademie vor 35 Jahren zählte, begrüßt, die Abschlüsse seien nun leichter zu vergleichen. Früher seien für die Absolventen der Berufsakademie häufig Sonderkonstruktionen notwendig gewesen. Jetzt könnten sie leichter einen Master aufsetzen. Das sei ein größerer Anreiz für viele, tatsächlich weiterzustudieren.
Das Wissenschaftsministerium erwartet, dass die DHBW selbst im Schulterschluss mit den Unternehmen berufsbegleitende Masterstudiengänge anbietet. Der Aufsichtsrat der DHBW will im Juni abschließend über die ersten eigenen Masterangebote entscheiden. Hans Wolff, der Gründungspräsident sagte der Stuttgarter Zeitung, die duale Hochschule werde in den Bereichen Technik, Wirtschaftswissenschaften, Informatik und Sozialwesen mindestens jeweils ein Mastermodell auflegen.
Zum Auftrag der neuen Hochschule gehört es, die kooperative Forschung voranzutreiben. Das sei man etwa ein Vierteljahr hinterher, räumt Wolff ein. Man habe der Einführung der Masterstudiengänge Priorität gegeben. Neu ist auch, dass im Herbst erstmals Studenten mit Fachhochschulreife aufgenommen werden. Die ersten 450 seien in der vergangenen Woche beim Studieneignungstest gewesen.
Wissenschaftsminister Peter Frankenberg sieht die neue Hochschule "auf einem sehr guten Weg". Es sei gelungen die zentralen Wesensmerkmale der früheren Berufsakademien zu übernehmen. Zwischen der Stuttgarter Zentrale und den acht Standorten bestehe eine gute Balance.
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Standorte sollen Schwerpunkt setzen
Sommer trägt das mit Fassung, erstens hat das Ministerium, als es noch zuständig war, den Studiengang auch verwehrt und Sommer ist ein Freund von Kompetenzzentren. Mit Blick auf die Bevölkerungsentwicklung führe kein Weg an der Schwerpunktbildung vorbei. Sein Standort steht für den Schwerpunkt Steuern und Prüfungswesen. Sommer geht davon aus, dass Villingen-Schwenningen hier den Vorzug bekäme.
"Die Kompetenzzentren sind geplant. Wir sind noch nicht sehr weit", wiegelt Wolff ab. Allerdings hat Wissenschaftsminister Peter Frankenberg (CDU) mit der neuen Hochschule von Anfang an die Erwartung verbunden, eine "standortübergreifende Struktur- und Entwicklungsplanung zu erstellen". Erste Kooperationen gibt es bereits. So wird Villingen-Schwenningen mit Horb (einer Außenstelle der DHBW Stuttgart) einen gemeinsamen Studiengang an der Schnittstelle zwischen Technik und Wirtschaft anbieten.
Eine Hoffnung hat sich laut Ulrich Sommer durch die Einrichtung einer Zentrale aber nicht erfüllt: "Der verwaltungsmäßige Aufwand ist mehr geworden, seit wir auch formal eine Hochschule sind." Dabei erwartete man gerade in der Verwaltung Synergieeffekte. An einer Hochschule muss aber zertifiziert und akkreditiert werden, das machen zwar die Stuttgarter, aber die Informationen müssen die Standorte liefern.
Direktoren bemühen sich ums Image
Viel besser ist dagegen die Öffentlichkeitsarbeit und damit die öffentliche Wahrnehmung der Berufsakademien geworden, darin sind sich die Direktoren einig. "Wir gehen jetzt gemeinsam auf überregionale Abiturientenmessen", lobt Reinhold Geilsdörfer, Direktor in Mosbach. Und die Duale Hochschule habe ihre Position besonders gegenüber den Fachhochschulen gefestigt, betont Ulrich Sommer. Was die Profilbildung angeht, macht auch Geilsdörfer "keine ganz großen Auseinandersetzungen" unter den Standorten aus. "Jeder Standort expandiert", sagt Geilsdörfer. Trotz der Wirtschaftskrise hätten die Unternehmen nicht den Fehler gemacht, an der Ausbildung zu sparen. So lasse sich auch der Ausbauplan und die Aufstockung der Studienanfängerplätze verwirklichen. Dabei sei vor allem auf die Mittelständler Verlass.
An der DHBW haben 2009 insgesamt 9000 Anfänger ein Studium aufgenommen, das sind nach Angaben der Zentrale nur 400 weniger als im Rekordjahr 2008. Branchen wie der Steuersektor boomen, Ulrich Sommer berichtet von 20-prozentigen Zuwächsen. Dagegen habe das Bankwesen einen Einbruch von mindestens zehn Prozent erlitten. "Die Banken suchen händeringend Leute", die jungen Leute wollten aber nach dem Imageverlust zurzeit nicht Banker werden.
Die Unternehmen selbst befürworten die Aufwertung zur Hochschule ebenfalls. Bosch, das zu den Gründungsunternehmen der Berufsakademie vor 35 Jahren zählte, begrüßt, die Abschlüsse seien nun leichter zu vergleichen. Früher seien für die Absolventen der Berufsakademie häufig Sonderkonstruktionen notwendig gewesen. Jetzt könnten sie leichter einen Master aufsetzen. Das sei ein größerer Anreiz für viele, tatsächlich weiterzustudieren.
Hochschule soll kooperative Forschung vorantreiben
Das Wissenschaftsministerium erwartet, dass die DHBW selbst im Schulterschluss mit den Unternehmen berufsbegleitende Masterstudiengänge anbietet. Der Aufsichtsrat der DHBW will im Juni abschließend über die ersten eigenen Masterangebote entscheiden. Hans Wolff, der Gründungspräsident sagte der Stuttgarter Zeitung, die duale Hochschule werde in den Bereichen Technik, Wirtschaftswissenschaften, Informatik und Sozialwesen mindestens jeweils ein Mastermodell auflegen.
Zum Auftrag der neuen Hochschule gehört es, die kooperative Forschung voranzutreiben. Das sei man etwa ein Vierteljahr hinterher, räumt Wolff ein. Man habe der Einführung der Masterstudiengänge Priorität gegeben. Neu ist auch, dass im Herbst erstmals Studenten mit Fachhochschulreife aufgenommen werden. Die ersten 450 seien in der vergangenen Woche beim Studieneignungstest gewesen.
Wissenschaftsminister Peter Frankenberg sieht die neue Hochschule "auf einem sehr guten Weg". Es sei gelungen die zentralen Wesensmerkmale der früheren Berufsakademien zu übernehmen. Zwischen der Stuttgarter Zentrale und den acht Standorten bestehe eine gute Balance.
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