Vor Fußball-WM Der Härtetest ist gründlich misslungen
Marko Schumacher, veröffentlicht am 04.03.2010
München - Bereits um 20.45 Uhr wirkt Joachim Löw sehr angespannt. Er weiß, dass von der Partie gegen Argentinien maßgeblich abhängen wird, ob die WM-Vorbereitung einigermaßen ruhig ablaufen kann oder ob Turbulenzen zu befürchten sind. Brisante Themen gibt es beim DFB schließlich genug, vor allem die geplatzte Vertragsverlängerung des Bundestrainers. Jetzt kommt noch ein mäßiger Auftritt der Nationalmannschaft hinzu. Deshalb sieht Löw um 22.45 Uhr noch gestresster aus als zwei Stunden zuvor. Der dreimalige Weltmeister aus Deutschland unterlag dem zweimaligen Weltmeister aus Argentinien mit 0:1 – und das Fazit lautet: der Härtetest vor der WM ist gründlich misslungen.
Da wollte auch Löw nichts beschönigen. "Uns ist es nicht gelungen, Chancen zu erarbeiten", sagte er, "die Argentinier haben uns laufen lassen." Insgesamt habe er sich mehr Mut von seinem Team gewünscht. "Aber das Selbstvertrauen war nicht da." So wirft das in gut drei Monaten beginnende Turnier in Südafrika seine Schatten voraus. Die Spieler einigten sich jetzt mit dem DFB auf die Prämienregelung. Für den Titelgewinn würde jeder 250.000 Euro kassieren. Doch hat die Mannschaft im Sommer überhaupt das Zeug für einen solchen Triumph? Weil es bis Mai keine Testspiele mehr gibt, war klar, dass die 90 Minuten am Mittwochabend bis auf Weiteres die letzten Erkenntnisse über die Aussichten liefern würden. Die sind den aktuellen Eindrücken nach zu urteilen bescheiden.
Dabei ging es für einige Profis noch darum, ihre Ansprüche auf einen Platz im WM-Kader zu untermauern – etwa für Thomas Müller, der sein Debüt feierte. Dafür rückte Bastian Schweinsteiger zurück ins defensive Mittelfeld neben Michael Ballack. Die Standortbestimmung begann damit, dass Löw die Argentinier als "einen großen Gegner" bezeichnete – warum, zeigte sich bald, da die Südamerikaner den deutschen Spielaufbau schon im Ansatz störten. So entwickelte sich eine Partie, die kaum Torraumszenen lieferte. Taktische Ordnung lautete das Gebot, auch weil Löw nicht ein ähnliches Debakel erleben wollte wie sein Vorgänger Jürgen Klinsmann, der den letzten ernsthaften Test vor der WM 2006 in Italien mit 1:4 verloren hatte. Anschließend war sogar über die Ablösung von Klinsmann diskutiert worden, aber was folgte, war das Sommermärchen von Deutschland. Und jetzt? In der Verfassung von Mittwoch droht in Südafrika eher ein Albtraum.
Die DFB-Auswahl kam über Ansätze nicht hinaus. Auf verlorenem Posten stand im Sturm der Bayern-Ersatzmann Miroslav Klose, der den Vorzug vor der erst in der Pause eingewechselten Bayern-Stammkraft Mario Gomez erhalten hatte. Zudem war auch Lukas Podolski ein Ausfall. "Wir haben im Spiel nach vorne zu wenig riskiert", sagte Ballack.
Dabei beherzigten die Argentinier nur die elementaren Fußballtugenden, die lauten: Pressing, konsequentes Zweikampfverhalten, Disziplin – Eigenschaften, für die ihr Trainer Diego Maradona nicht bekannt ist. Seinen Spielern hat er diese Qualitäten aber offensichtlich vermittelt, so dass Argentinien auch zur ersten Chance kam. Angel Di Maria setzte sich gegen Tasci und Jerome Boateng durch, doch den Schuss lenkte der Keeper René Adler noch an die Latte (38.). Die zweite Chance führte zum Tor. Gonzalo Higuain nutzte einen Fehler von Adler, der am Montag von Löw zur Nummer eins bei der WM erklärt worden war. Hat der Trainer jetzt ein Torwartproblem? "Ich war eine Zehntelsekunde zu langsam", sagte Adler. Wenig später leistete er sich dann eine weitere Unsicherheit, als er den Ball genau zu Juan Veron spielte. Der verfehlte das Tor knapp (50.).
Die deutsche Elf war nach dem Rückstand gelähmt und schaffte es nicht, Druck zu erzeugen. Mesut Özil fand keinen Rhythmus, und auch Müller tauchte nach einem guten Start unter. Phasenweise schien es fast so, als hätten die Argentinier, die Martin Demichelis mit Verdacht auf einen Jochbeinbruch verloren, einen Spieler mehr auf dem Platz in der Münchner Arena, so souverän kontrollierten sie das Geschehen.
Deutlich wurde, dass auf Löw noch viel Arbeit wartet, wenn die Mannschaft bei der Weltmeisterschaft eine gute Rolle spielen soll. Aber das war im März 2006 unter Klinsmann nicht anders. Dies ist dann so ziemlich die einzige Hoffnung, die nach der Leistung am Mittwoch bleibt. Oder um mit Löw zu sprechen: "Wir werden eine gute WM spielen, das ist klar."
Deutschland Adler – Boateng, Mertesacker, Tasci, Lahm – Schweinsteiger (76. Khedira), Ballack – Müller (67. Kroos), Özil (67. Cacau), Podolski – Klose (46. Gomez).
Argentinien Romero – Otamendi, Demichelis (57. Burdisso), Samuel, Heinze (47. Rodriguez) – Mascherano – Verón (90. Bolatti), Gutiérrez, di Maria – Messi, Higuain (62. Tevez).
Schiedsrichter Atkinson (England).
Tor 0:1 Higuain (45.).
Zuschauer 65 000.
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Dabei ging es für einige Profis noch darum, ihre Ansprüche auf einen Platz im WM-Kader zu untermauern – etwa für Thomas Müller, der sein Debüt feierte. Dafür rückte Bastian Schweinsteiger zurück ins defensive Mittelfeld neben Michael Ballack. Die Standortbestimmung begann damit, dass Löw die Argentinier als "einen großen Gegner" bezeichnete – warum, zeigte sich bald, da die Südamerikaner den deutschen Spielaufbau schon im Ansatz störten. So entwickelte sich eine Partie, die kaum Torraumszenen lieferte. Taktische Ordnung lautete das Gebot, auch weil Löw nicht ein ähnliches Debakel erleben wollte wie sein Vorgänger Jürgen Klinsmann, der den letzten ernsthaften Test vor der WM 2006 in Italien mit 1:4 verloren hatte. Anschließend war sogar über die Ablösung von Klinsmann diskutiert worden, aber was folgte, war das Sommermärchen von Deutschland. Und jetzt? In der Verfassung von Mittwoch droht in Südafrika eher ein Albtraum.
"Wir haben im Spiel nach vorne zu wenig riskiert"
Die DFB-Auswahl kam über Ansätze nicht hinaus. Auf verlorenem Posten stand im Sturm der Bayern-Ersatzmann Miroslav Klose, der den Vorzug vor der erst in der Pause eingewechselten Bayern-Stammkraft Mario Gomez erhalten hatte. Zudem war auch Lukas Podolski ein Ausfall. "Wir haben im Spiel nach vorne zu wenig riskiert", sagte Ballack.
Dabei beherzigten die Argentinier nur die elementaren Fußballtugenden, die lauten: Pressing, konsequentes Zweikampfverhalten, Disziplin – Eigenschaften, für die ihr Trainer Diego Maradona nicht bekannt ist. Seinen Spielern hat er diese Qualitäten aber offensichtlich vermittelt, so dass Argentinien auch zur ersten Chance kam. Angel Di Maria setzte sich gegen Tasci und Jerome Boateng durch, doch den Schuss lenkte der Keeper René Adler noch an die Latte (38.). Die zweite Chance führte zum Tor. Gonzalo Higuain nutzte einen Fehler von Adler, der am Montag von Löw zur Nummer eins bei der WM erklärt worden war. Hat der Trainer jetzt ein Torwartproblem? "Ich war eine Zehntelsekunde zu langsam", sagte Adler. Wenig später leistete er sich dann eine weitere Unsicherheit, als er den Ball genau zu Juan Veron spielte. Der verfehlte das Tor knapp (50.).
Die deutsche Elf war nach dem Rückstand gelähmt und schaffte es nicht, Druck zu erzeugen. Mesut Özil fand keinen Rhythmus, und auch Müller tauchte nach einem guten Start unter. Phasenweise schien es fast so, als hätten die Argentinier, die Martin Demichelis mit Verdacht auf einen Jochbeinbruch verloren, einen Spieler mehr auf dem Platz in der Münchner Arena, so souverän kontrollierten sie das Geschehen.
Deutlich wurde, dass auf Löw noch viel Arbeit wartet, wenn die Mannschaft bei der Weltmeisterschaft eine gute Rolle spielen soll. Aber das war im März 2006 unter Klinsmann nicht anders. Dies ist dann so ziemlich die einzige Hoffnung, die nach der Leistung am Mittwoch bleibt. Oder um mit Löw zu sprechen: "Wir werden eine gute WM spielen, das ist klar."
Das Spiel auf einen Blick
Deutschland Adler – Boateng, Mertesacker, Tasci, Lahm – Schweinsteiger (76. Khedira), Ballack – Müller (67. Kroos), Özil (67. Cacau), Podolski – Klose (46. Gomez).
Argentinien Romero – Otamendi, Demichelis (57. Burdisso), Samuel, Heinze (47. Rodriguez) – Mascherano – Verón (90. Bolatti), Gutiérrez, di Maria – Messi, Higuain (62. Tevez).
Schiedsrichter Atkinson (England).
Tor 0:1 Higuain (45.).
Zuschauer 65 000.
Kommentare (5)
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Matthias,
04.03.2010
Logisch
Ist doch klar, wenn der Bundestrainer einerseits blutige Anfänger wie Müller oder seit Wochen formschwache "Stammspieler" wie Podolski gegen eine so ausgebuffte Mannschaft auflaufen lässt, kann ja nichts Zählbares dabei herauskommen. Ein Härtetest sieht jedenfalls anders aus.....
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