Stuttgarter Zeitung online | Zeitungsgruppe Stuttgart |  Sonntag, 12. Februar 2012

Sport


Joachim Löw im Gespräch "Uns hat der Mut gefehlt"

Fragen von Jens Mende, dpa, veröffentlicht am 04.03.2010
Foto: dpa

München - Nach der ersten Länderspiel-Niederlage seit mehr als einem Jahr setzt Joachim Löw ganz auf die unmittelbare WM- Vorbereitung von Mai an. Derzeit gebe es in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft mit Blick auf die Weltmeisterschaft im Sommer "die eine oder andere Baustelle", räumte Löw nach dem 0:1 in München gegen Argentinien ein, doch der 50-Jährige ist sicher: "Wenn wir dann vier Wochen zusammen sind, können wir konsequent an diesen Dingen arbeiten."


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Welche Erkenntnisse nehmen Sie mit aus dem 0:1 gegen Argentinien in die unmittelbare WM-Vorbereitung?


Das Spiel war sehr stark von der Taktik geprägt. In der Defensive haben wir es schon relativ ordentlich gemacht. Die gesamte Mannschaft hat gegen starke Argentinier nicht viele Chancen zugelassen. Was wir nicht gut gemacht haben: Wir haben es nicht geschafft, Druck aufzubauen, die Argentinier zu Fehlern zu zwingen, in der Offensive klare Akzente zu setzen. Es hat uns der Mut gefehlt, aus der Kompaktheit mehr nach vorne zu machen.

Welche Defizite nehmen Sie noch mit in die nächsten Wochen?


Es gibt immer Dinge, an denen man arbeiten muss. Beispielsweise in der Detailabstimmung in jedem Mannschaftsteil. Erst als Cacau ins Spiel kam, kam nach vorne mehr Leben rein. Mit Özil, Podolski, Müller und Klose hatten wir schon ganz offensive Spieler auf dem Platz. Daran lag es nicht. Wir brauchen mehr Selbstbewusstsein. Natürlich müssen wir in der Vorbereitung darauf hinarbeiten, dass wir mehr Druck erzeugen, mutiger nach vorne spielen, den Gegner zu Fehler zwingen.

Wie haben Sie die Neulinge Thomas Müller und Toni Kroos gesehen?


Sie haben ihre Sache ordentlich gemacht. Für Toni Kroos war es sehr schwer, in dieser Phase ins Spiel reinzukommen. Aber er hat sich eingefunden und angeboten, wollte etwas nach vorn machen. Bei Thomas Müller hatte ich nicht das Gefühl, dass er nervös ist. Man hat gegen einen starken Gegner gesehen, dass sie gutes Potenzial haben.

Bleibt jetzt Bastian Schweinsteiger neben Kapitän Michael Ballack im zentralen defensiven Mittelfeld?


Schweinsteiger und Ballack können schon zusammen spielen. Es hängt viel von der WM-Vorbereitung ab, da muss einiges eingespielt werden mit den drei Zentralen Schweinsteiger, Özil und Ballack. Ich möchte da ballsichere, fußballerisch gute Spieler. In der Vorbereitung wird es sich herauskristallisieren. Ich glaube schon, dass Müller das Potenzial hat, auf Dauer rechts zu spielen.

Wie sehen sie das Gegentor, so passiert das ja nicht oft?


Das war nicht so überraschend. Wenn so ein Ballverlust passiert wie uns, und ein Argentinier ist im Mittelfeld frei, da kann man die Sekunden zählen, bis sie vor das Tor kommen. Ein Klassepass, eine 1:1-Situation reichte. Es ist richtig, wenn wir so weit vorne sind, dass René Adler da rauskommt. Wir haben ein paar Fehler mehr gemacht als Argentinien, das wird auf dem Niveau bestraft.

Wo steht die Mannschaft denn 100 Tage vor dem WM-Auftakt?


Das Gerüst steht. Selbstverständlich spüre ich, es gibt die eine oder andere Baustelle. Wenn wir dann vier Wochen zusammen sind, können wir konsequent an diesen Dingen arbeiten.

Was erwarten Sie von Spielern wie Lukas Podolski oder Miroslav Klose, die bei ihren Clubs nicht so zum Zuge kommen, bis dahin?


Sie müssen enorm hochtourig, hochintensiv trainieren, jede Möglichkeit nutzen. Wenn Miro etwas weniger spielt, dass müssen wir das akzeptieren. Bayern hat einen Lauf, dann gibt es nicht so viel Gründe zu wechseln. Nachwievor, und das hat nichts mit dem Spiel gegen Argentinien zu tun, bin ich von den Spielern absolut überzeugt. Natürlich müssen sie jetzt im März und April weiter alles tun, damit sie in Form kommen.


Kommentare (3)
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Schlonzi,
04.03.2010
Chancenlos nicht mutlos
Dass da der Mut gefehlt hat, mag sein, aber das Spiel hat vor allem mal wieder gezeigt, dass man gegen internationale Topmannschaften (als die man die Argentinier momentan nicht mal bezeichnen kann) absolut chancenlos ist. An dieser Tatsache hat sich seit 2002 nichts und wird sich bis zur WM auch nichts mehr ändern. Naja, wenigstens kann man sich schon mal darauf einstellen, dass spätestens im Viertefinale Schluss sein wird. Dann hoffentlich auch für Löw.
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