Boxhagener Platz
Und Oma mag die Männer immer noch
Ruprecht Skasa-Weiß, veröffentlicht am 04.03.2010
Filmbeschreibung
Das Leben in der DDR, wie war's? Große Frage; stellt man sie kleiner, fragt, wie es war auf dem Friedhof, in der Kneipe, beim Friseur 1968, dann gibt dieser Film eine hinreißend muntere Antwort, halb wahr und ganz verkauzt, fern aller Ostalgie. Zwischen Gräbern fängt's an (nach einem Buch von Thorsten Schulz), mit Enkel Holger, dem pubertierenden Polizistensohn, und Oma Otti, die der Graukopf Karl soeben anquatscht: Er fahre für zwee Wochen nach drüben, "ob Sie wohl meine Frau mitgießen könnten?" Oma hat nüscht dagegen. Aber hinterher wird sie dem Enkel erklären, wie sie die Sache sieht: "Det is doch keen Jrab, det is ne Frechheit"; und dass der alte Spartakus-Kämpfer Karl (Michael Gwisdek), sich bloß ranmachen wollte an sie, det war ihr gleich klar.
Was Erotik angeht, kann Holger von Oma viel lernen. Sie hat im Leben wenig anbrennen lassen, hat mehrere Männer gehabt, fünfe liegen bereits auf dem Friedhof (derzeit lebt noch der sieche Rudi), und seit Jahren ist der Fischhändler scharf auf sie. Oma ist die Zentralfigur, Großmutter Courage mit Schnauze, ohne Liebreiz, dafür resch, patent, geradeheraus (prächtig proletarisch unverbogen: Gudrun Ritter). Aber erzählt wird der Film aus der Perspektive des Enkels, dem das Zeug zum Weibereroberer noch fehlt. Und feine Typen sind auch die anderen: Holgers Mama, die vom Rübermachen träumende Friseuse, die den Bericht von den Westberliner Studentenprotesten laut aufdreht; ihr Mann, der Vopo, der sich im Treppenhaus anhören muss, dass er seine Frau nicht im Griff habe; der karpfenköpfende Nazifischhändler: "Stellt euch vor, det wär'n Russe!"
Matti Geschonnecks Regie fängt den kleinen grauen DDR-Alltag hinter verrußten Fassaden erfrischend ungeschönt ein, das Arbeiterviertel im Ostberliner Friedrichshain wirkt traut und dreckig - statt Filmmusik hört man Besteckgeklapper, Rudis Husten und Kneipenreden, weil das Saufen von Eierlikör, Kirsch und Wodka als letzte Lustbarkeit blieb, neben dem Sex. Der Film ist immer in Bewegung, wuselig, geschäftig, wie nebenher auch aktuelle Politik hineinverwirbelnd (die Flugblätter gegen den Einmarsch in Prag). Eines Tags ist der Fischhändler tot - erschlagen aus Eifersucht, aus politisch motiviertem Hass? Wir sagen nichts, nur dass Oma doch noch was anfängt mit Karl und dass es zwei weitere Tote gibt. Ein herrlich schrulliger Film.
Was Erotik angeht, kann Holger von Oma viel lernen. Sie hat im Leben wenig anbrennen lassen, hat mehrere Männer gehabt, fünfe liegen bereits auf dem Friedhof (derzeit lebt noch der sieche Rudi), und seit Jahren ist der Fischhändler scharf auf sie. Oma ist die Zentralfigur, Großmutter Courage mit Schnauze, ohne Liebreiz, dafür resch, patent, geradeheraus (prächtig proletarisch unverbogen: Gudrun Ritter). Aber erzählt wird der Film aus der Perspektive des Enkels, dem das Zeug zum Weibereroberer noch fehlt. Und feine Typen sind auch die anderen: Holgers Mama, die vom Rübermachen träumende Friseuse, die den Bericht von den Westberliner Studentenprotesten laut aufdreht; ihr Mann, der Vopo, der sich im Treppenhaus anhören muss, dass er seine Frau nicht im Griff habe; der karpfenköpfende Nazifischhändler: "Stellt euch vor, det wär'n Russe!"
Matti Geschonnecks Regie fängt den kleinen grauen DDR-Alltag hinter verrußten Fassaden erfrischend ungeschönt ein, das Arbeiterviertel im Ostberliner Friedrichshain wirkt traut und dreckig - statt Filmmusik hört man Besteckgeklapper, Rudis Husten und Kneipenreden, weil das Saufen von Eierlikör, Kirsch und Wodka als letzte Lustbarkeit blieb, neben dem Sex. Der Film ist immer in Bewegung, wuselig, geschäftig, wie nebenher auch aktuelle Politik hineinverwirbelnd (die Flugblätter gegen den Einmarsch in Prag). Eines Tags ist der Fischhändler tot - erschlagen aus Eifersucht, aus politisch motiviertem Hass? Wir sagen nichts, nur dass Oma doch noch was anfängt mit Karl und dass es zwei weitere Tote gibt. Ein herrlich schrulliger Film.
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