13 Oscar-Chancen

Deutscher Ansturm in Hollywood

dpa, veröffentlicht am 07.03.2010
Foto: dpa
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Los Angeles - Für Christoph Waltz ist der Countdown zur Oscar-Gala eine "schöne Anstrengung". Pausenlos Interviews und Partybesuche, die Dankesrede muss vorbereitet werden.

"Wenn einen möglicherweise eine Milliarde Menschen sehen und Sie als Nominierter rechnerisch eine 20-prozentige Chance haben, fänden Sie es angebracht, sich nicht Gedanken zu machen? Also ich nicht, ehrlich gesagt", sinnierte der Oscar-Anwärter bei der Pre-Oscar-Feier der deutschen Filmbranche in Hollywoods Nobel-Lounge Ivan Kane's Café, nur einen Katzensprung vom Kodak Theater entfernt, wo in der Nacht zum Montag das Trophäen-Spektakel über die Bühne gehen soll.

Hollywoods Filmkenner haben den "Inglourious Basterds"-Star längst zum Sieger gekürt. "Absolut, der ist ja wunderbar. Der Waltz wird mit Sicherheit gewinnen", sagte der deutsche "Das Boot"-Held Jürgen Prochnow am Oscar-Vortag beim traditionellen Empfang für die deutschsprachigen Nominierten in der Villa Aurora in Pacific Palisades. Doch Waltz stapelt trotz pausenloser Belagerung mit Kameras und Reportern tief. "Da darf man sich keinen kindischen Fantasien hingeben", wehrt er den Nonstop-Rummel um seine Person ab. "Am Montagmorgen ist es vorbei, Montagabend haben sich die Wogen geglättet und am Dienstag sieht das wieder ganz normal aus. Dann werden wir wieder in einen normalen Tagesablauf übergehen, was vielleicht nicht ganz einfach ist."

Gleich aus 13-fachem Grund feiert Deutschland mit den Stars und Machern von "Inglourious Basterds", "Das weiße Band", "Ein russischer Sommer" und dem israelischen Film "Ajami". Es sind alles deutsche Produktionen oder Teilproduktionen, die zusammen 13 Oscar-Chancen haben. Offiziell ist Deutschland mit zwei Nominierungen für Michael Hanekes "Das weiße Band" im Rennen, als bester nicht-englischsprachiger Film und für Christian Bergers Kameraführung.

Haneke und sein Team testeten vorab den roten Teppich. Mit den Filmemachern aus Peru, Argentinien, Frankreich und Israel, die mit Deutschland um den Auslands-Oscar konkurrieren, stellten sie sich dem Blitzlichtgewitter der Fotografen. Nervös sei er noch nicht, versicherte der 67 Jahre alte Regisseur beim Countdown zu der Show. "Die Spannung wird steigen, wenn man drinnen sitzt und es los geht." Noch habe er die Situation "ganz gut im Griff". Nur eins bedauert Haneke: "Ich hätte gerne alle Schauspieler mit reingenommen, auch die Kinder, aber die Sitzzahl ist begrenzt." Mit zur Oscar-Gala dürfen nun seine Frau, sein Übersetzer, sowie die drei Darsteller Susanne Lothar, Christian Friedel und Burghart Klaußner.

Theater-Schauspieler Friedel, der in "Das weiße Band" als Dorflehrer seinen ersten Spielfilmauftritt hatte, schraubt die Erwartungen vorsichtshalber runter. "Wir haben uns alle darauf geeinigt, wir sind bescheiden und gucken was passiert. Wenn wir gewinnen, dann freuen wir uns wahnsinnig, wenn nicht, dann feiern wir trotzdem, denn die Nominierungen sind schon eine große Ehre."

"Vielleicht haben wir eine kleine Chance", sagt Klaußner augenzwinkernd. Die professionelle Machart, von der Kamera über das Skript bis zur Schauspielerleistung, habe die Academy-Juroren möglicherweise überzeugt. Es seien "einfache Grundzutaten, die aber gut ausgesucht sind, wie bei einem guten Essen", sagt er über den Film.

7000 Kinder habe er in langen Casting-Sitzungen auf der Suche nach seinen jungen Darstellern vorsprechen lassen, erzählte Haneke am Samstag in den heiligen Hallen der Oscar-Akademie bei der ausverkauften Vorstellung der ausländischen Filme. Eine Handvoll junger Stars sind aus Deutschland eingeflogen, darunter die 15-jährige Maria Dragus. "Supernervös" sei sie beim ersten Hollywood-Besuch, doch das war der Darstellerin im türkisfarbenen Ballkleid mit gestylter Lockenfrisur nicht anzumerken. "Ich würde schon gerne mehr im Ausland drehen und bin gespannt, was auf mich zukommt", strahlte sie erwartungsvoll.

Kühlung für die Nerven brachte ein Sturmtief über Kalifornien, das am Sonntagmorgen noch mit Regen und Wind über den roten Teppich fegen sollte, gerade wenn für die Oscar-Gäste die heiße Phase beginnt. "Ich werde mich rechtzeitig anziehen", packte Waltz bereitwillig aus: "Ich gehe zum Schrank und hole meinen Smoking raus. Mein Hemd bügle ich selber, keiner bügelt so gut Hemden wie ich!", trumpfte der Oscar-Anwärter auf. Doch an anderer Stelle räumte er Defizite ein. Mit den Oscar-Shows der vergangenen Jahren kenne er sich nicht so gut aus, gesteht Waltz. Die habe er sich "eher selten" im Fernsehen angesehen.
 

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