Mercedes-Benz E 220 CDI Cabriolet
Unterwegs im Warmluftsee
Paul-Janosch Ersing, veröffentlicht am 10.03.2010
Zwanzig Sekunden reichen aus, um das zweitürige Gefährt in eine elegante Open-Air-Kutsche zu verwandeln: Das in drei verschiedenen Farbtönen erhältliche Verdeck verschwindet automatisch im Heck. Die elektrisch betriebene Klapp- und Falttechnik funktioniert bis Tempo 40: Sobald der erste Sonnenstrahl an der Nase kitzelt, bietet eine gemächliche Fahrt durch einen großen Kreisverkehr genug Zeit, um fortan unter freiem Himmel weiterzugleiten. Grenzenlose Kopffreiheit, ungefiltertes Sonnenlicht und eine frische Brise Sommerluft: drei klassische Motive für eine Ausfahrt mit dem Cabriolet. Zumindest war das viele Jahrzehnte der Fall. Doch weil der moderne Mensch nicht nur in der warmen Jahreszeit oben ohne fahren möchte, dachten sich Mercedes-Aerodynamiker im Jahr 1989 einen Kniff aus: Im SL-Roadster debütierte damals ein klappbares Windschott, das die bei geöffnetem Verdeck so unangenehmen Böen im Innenraum spürbar minderte. Die Freiluftsaison für Cabriofahrer hat sich dadurch deutlich ausgedehnt.
Was bei Zweisitzern gut klappt, ist für viersitzige Cabrios nicht zu gebrauchen: Dort, wo sich bei Zweisitzern das Windschott befindet, sollen ja noch Passagiere sitzen können - noch dazu ist die Fahrgastzelle zu lang, um den Wind mittels einer riesigen Frontscheibe über die Köpfe der Hinterbänkler zu leiten.
Endlich gibt es die erlösende Rettung: Für das neue E-Klasse-Cabriolet wurde ein neuartiges Windschott-System namens Aircap (zu deutsch: Luftmütze) erfunden. Es sorgt dafür, dass die offene Fahrt im Fond keine windige Angelegenheit mehr sein muss. Auf Knopfdruck fährt ein Windabweiser mit einem feinen Netz etwa sechs Zentimeter aus dem Rahmen der Windschutzscheibe. Dadurch wird die Luftströmung, die für gewöhnlich recht knapp über die Passagiere hinweg pfeift, entscheidend angehoben. Gleichzeitig fahren die hinteren Kopfstützen samt einem dazwischen angebrachten Windschott in die Höhe. So wird die Rückströmung reduziert, die vom Heck ins Fahrzeug wirbelt.
Das Zusammenspiel der beiden Aircap-Bauteile ist beeindruckend: Die Luft im gesamten Fahrgastbereich bleibt spürbar wärmer, die Zugluft geht deutlich zurück. "Wir nennen das Warmluftsee", erläutert Dr. Teddy Woll, oberster Aerodynamiker bei Daimler. Eine weitere angenehme Nebenwirkung sei der deutlich gesenkte Geräuschpegel. Tatsächlich: Auf einer ersten Testfahrt war ein Gespräch über die Sitzreihen hinweg möglich. Die vorderen Passagiere hatten es dabei besonders wohlig, da die aus SL und SLK bekannte Nackenheizung Airscarf (zu deutsch: Luftschal) eingeschaltet war.
Bei geschlossenem (Stoff-)Verdeck spielt Zugluft erwartungsgemäß keine große Rolle. Das sogenannte Akustik-Verdeck ist knapp zweieinhalb Zentimeter dick, wärmeisolierend und wehrt Außengeräusche selbst bei hohen Geschwindigkeiten verlässlich ab. Die Silhouette des Cabriolets ähnelt jener des E-Klasse-Coupés: lange Motorhaube, breite Türen mit rahmenlosen Scheiben, hohe Seitenflanken. Der Luftwiderstandsbeiwert von 0,28 ist für ein Cabriolet mit klassischem Stoffdach beachtlich und liegt nur zwei Punkte über dem des Coupés.
Mit seinem schnittigen Verwandten teilt sich das Cabriolet neben der Außenlänge von 4,70 Metern auch das Motorenangebot. Drei Dieselaggregate mit Leistungen ab 125 kW (170 PS) balgen sich ab dem 27. März mit vier bis zu 285 kW (388 PS) starken Benzinern um des Käufers Gunst. Der E 220 CDI Blue-Efficiency begnügt sich auf dem Prüfstand mit 5,4 Liter Dieselkraftstoff je hundert Kilometer und bewegt das 1,8-Tonnen-Cabriolet alles andere als schwerfällig über den Asphalt. Das Fahrwerk hat Mercedes-Benz mit hydromechanischen Dämpfern versehen, die bei ruhiger Geradeausfahrt weicher federn als bei hektischen Ausweichmanövern. Für den Ernstfall sind spezielle Seitenairbags, sogenannte Headbags, mit an Bord: Aus der oberen Türverkleidung entfalten sich die Luftsäcke in Sekundenbruchteilen und schützen die Insassen. Bei Mercedes bereits etabliert ist der Überrollschutz: Unabhängig davon, ob das Verdeck geöffnet oder geschlossen ist, schnellen die hinteren Kopfstützen pyrotechnisch befeuert in die Höhe und bieten gemeinsam mit der verstärkten vorderen Dachsäule bei jedem Wetter die erwünschte Sicherheit.
Das Auto
Mercedes-Benz E 220 CDI Cabriolet
Die Fakten
Motor Diesel, 4 Zylinder, 2143 cm3 Hubraum
Leistung 125 kW (170 PS) bei 3000-4200 U/min
Maximales Drehmoment 400 Nm bei 1400-2800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 232 km/h
Beschleunigung 0 bis 100 km/h 8,8 s
Elastizität 80 bis 120 km/h k. A.
Getriebe 6-Gang-Handschaltgetriebe, auf Wunsch Automatikgetriebe
Abmessungen 4698 mm x 1786 mm x 1398 mm
Kofferraumvolumen 390 l (bei geöffnetem Verdeck: 300 l)
Leergewicht 1785 kg
Zulässiges Gesamtgewicht 2255 kg
Zuladung 470 kg
Reifen 235/45 R 17
Verbrauch lt. Hersteller 5,4 l Diesel
CO2-Ausstoß 143 g/km
Tankinhalt 66 l
Grundpreis 47 719 Euro
Lob und Tadel
Im Vergleich zum Vorgängermodell CLK wirkt das neue Cabriolet der E-Klasse eleganter und trägt seine Familienzugehörigkeit offen zur Schau.
Ab Tempo 80 leitet das Aircap-System den Fahrtwind geschickt um und sorgt so für Ruhe und Wärme an Bord.
Bei geschlossenem Verdeck sind dank guter Isolierung auch bei höheren Geschwindigkeiten Telefonate via Freisprechanlage noch gut verständlich.
Beim Öffnen und Schließen klappt das Verdeck zu weit in den Innenraum herein und gefährdet kurzzeitig die Kopffreiheit der Passagiere auf der Rückbank.
Das wirkungsvolle Aircap-System gehört nicht zum Serienumfang, sondern kostet stolze 821 Euro Aufpreis.
Den preisgünstigeren Einstiegsbenziner E 200 CGI wird es erst ab Juni mit Handschalter und Start-Stopp-Funktion geben - bis dahin steht er ausschließlich mit Automatikgetriebe bereit.
Was bei Zweisitzern gut klappt, ist für viersitzige Cabrios nicht zu gebrauchen: Dort, wo sich bei Zweisitzern das Windschott befindet, sollen ja noch Passagiere sitzen können - noch dazu ist die Fahrgastzelle zu lang, um den Wind mittels einer riesigen Frontscheibe über die Köpfe der Hinterbänkler zu leiten.
Endlich gibt es die erlösende Rettung: Für das neue E-Klasse-Cabriolet wurde ein neuartiges Windschott-System namens Aircap (zu deutsch: Luftmütze) erfunden. Es sorgt dafür, dass die offene Fahrt im Fond keine windige Angelegenheit mehr sein muss. Auf Knopfdruck fährt ein Windabweiser mit einem feinen Netz etwa sechs Zentimeter aus dem Rahmen der Windschutzscheibe. Dadurch wird die Luftströmung, die für gewöhnlich recht knapp über die Passagiere hinweg pfeift, entscheidend angehoben. Gleichzeitig fahren die hinteren Kopfstützen samt einem dazwischen angebrachten Windschott in die Höhe. So wird die Rückströmung reduziert, die vom Heck ins Fahrzeug wirbelt.
Das Zusammenspiel der beiden Aircap-Bauteile ist beeindruckend: Die Luft im gesamten Fahrgastbereich bleibt spürbar wärmer, die Zugluft geht deutlich zurück. "Wir nennen das Warmluftsee", erläutert Dr. Teddy Woll, oberster Aerodynamiker bei Daimler. Eine weitere angenehme Nebenwirkung sei der deutlich gesenkte Geräuschpegel. Tatsächlich: Auf einer ersten Testfahrt war ein Gespräch über die Sitzreihen hinweg möglich. Die vorderen Passagiere hatten es dabei besonders wohlig, da die aus SL und SLK bekannte Nackenheizung Airscarf (zu deutsch: Luftschal) eingeschaltet war.
Bei geschlossenem (Stoff-)Verdeck spielt Zugluft erwartungsgemäß keine große Rolle. Das sogenannte Akustik-Verdeck ist knapp zweieinhalb Zentimeter dick, wärmeisolierend und wehrt Außengeräusche selbst bei hohen Geschwindigkeiten verlässlich ab. Die Silhouette des Cabriolets ähnelt jener des E-Klasse-Coupés: lange Motorhaube, breite Türen mit rahmenlosen Scheiben, hohe Seitenflanken. Der Luftwiderstandsbeiwert von 0,28 ist für ein Cabriolet mit klassischem Stoffdach beachtlich und liegt nur zwei Punkte über dem des Coupés.
Mit seinem schnittigen Verwandten teilt sich das Cabriolet neben der Außenlänge von 4,70 Metern auch das Motorenangebot. Drei Dieselaggregate mit Leistungen ab 125 kW (170 PS) balgen sich ab dem 27. März mit vier bis zu 285 kW (388 PS) starken Benzinern um des Käufers Gunst. Der E 220 CDI Blue-Efficiency begnügt sich auf dem Prüfstand mit 5,4 Liter Dieselkraftstoff je hundert Kilometer und bewegt das 1,8-Tonnen-Cabriolet alles andere als schwerfällig über den Asphalt. Das Fahrwerk hat Mercedes-Benz mit hydromechanischen Dämpfern versehen, die bei ruhiger Geradeausfahrt weicher federn als bei hektischen Ausweichmanövern. Für den Ernstfall sind spezielle Seitenairbags, sogenannte Headbags, mit an Bord: Aus der oberen Türverkleidung entfalten sich die Luftsäcke in Sekundenbruchteilen und schützen die Insassen. Bei Mercedes bereits etabliert ist der Überrollschutz: Unabhängig davon, ob das Verdeck geöffnet oder geschlossen ist, schnellen die hinteren Kopfstützen pyrotechnisch befeuert in die Höhe und bieten gemeinsam mit der verstärkten vorderen Dachsäule bei jedem Wetter die erwünschte Sicherheit.
Das Auto
Mercedes-Benz E 220 CDI Cabriolet
Die Fakten
Motor Diesel, 4 Zylinder, 2143 cm3 Hubraum
Leistung 125 kW (170 PS) bei 3000-4200 U/min
Maximales Drehmoment 400 Nm bei 1400-2800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 232 km/h
Beschleunigung 0 bis 100 km/h 8,8 s
Elastizität 80 bis 120 km/h k. A.
Getriebe 6-Gang-Handschaltgetriebe, auf Wunsch Automatikgetriebe
Abmessungen 4698 mm x 1786 mm x 1398 mm
Kofferraumvolumen 390 l (bei geöffnetem Verdeck: 300 l)
Leergewicht 1785 kg
Zulässiges Gesamtgewicht 2255 kg
Zuladung 470 kg
Reifen 235/45 R 17
Verbrauch lt. Hersteller 5,4 l Diesel
CO2-Ausstoß 143 g/km
Tankinhalt 66 l
Grundpreis 47 719 Euro
Lob und Tadel
Im Vergleich zum Vorgängermodell CLK wirkt das neue Cabriolet der E-Klasse eleganter und trägt seine Familienzugehörigkeit offen zur Schau.
Ab Tempo 80 leitet das Aircap-System den Fahrtwind geschickt um und sorgt so für Ruhe und Wärme an Bord.
Bei geschlossenem Verdeck sind dank guter Isolierung auch bei höheren Geschwindigkeiten Telefonate via Freisprechanlage noch gut verständlich.
Beim Öffnen und Schließen klappt das Verdeck zu weit in den Innenraum herein und gefährdet kurzzeitig die Kopffreiheit der Passagiere auf der Rückbank.
Das wirkungsvolle Aircap-System gehört nicht zum Serienumfang, sondern kostet stolze 821 Euro Aufpreis.
Den preisgünstigeren Einstiegsbenziner E 200 CGI wird es erst ab Juni mit Handschalter und Start-Stopp-Funktion geben - bis dahin steht er ausschließlich mit Automatikgetriebe bereit.
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