Wimsheim/Santiago
David Walburg erlebt das große Beben
veröffentlicht am 09.03.2010
Als das Beben beginnt, ist David Walburg noch wach. Der junge Wimsheimer sitzt mit Freunden zusammen im Armenviertel Renca in der chilenischen Hauptstadt Santiago. Es ist Samstag, der 27. Februar, halb vier in der Frühe. Tagsüber haben David und die anderen jungen Männer und Frauen in Renca ein Kinderferienprogramm auf die Beine gestellt.
Am Abend haben die jungen Chilenen und Deutschen dann begonnen, den Erfolg zu feiern. Gerade stoßen sie an. Da beginnt die Erde zu wackeln, Minuten lang. „So etwas habe ich noch nie erlebt“, berichtet David Walburg. „Wir haben uns hilflos gefühlt, konnten uns gerade noch irgendwo festhalten“, erzählt der 21-Jährige weiter. Mauern stürzen ein, bald fällt der Strom aus, Laternen knicken um, Rauch steigt über der Stadt auf. Dabei liegt Santiago de Chile weit vom Epizentrum des Bebens entfernt. Im Süden, hunderte Kilometer von der Hauptstadt entfernt, sind die Verwüstungen viel größer. 8,8 misst die Richterskala hier.
Fernsehsender und Zeitungen sprechen in den nächsten Tagen von einem der schwersten Erdbeben der Menschheitsgeschichte. In Südchile sterben Hunderte, Millionen Menschen sind ohne Obdach. „Die große Flucht aus den stärker betroffenen Gebieten ist vorerst ausgeblieben“, beobachtet David Walburg. „Aber das liegt vor allem daran, dass es schlicht an Benzin fehlt.“
Der junge Mann aus dem Heckengäu ist in Wimsheim bekannt wegen seines Engagements für das dortige Jugendhaus. In Santiago de Chile arbeitet er seit August vergangenen Jahres. Statt seinen Wehrdienst bei der Bundeswehr abzuleisten, entschied er sich für die Alternative Ersatzdienst: David Walburg hilft in der Tagesstätte „Hogar – Dios Con Nosotros“. Dort pflegt und betreut er im Auftrag des Entwicklungsprojektes „Fundación Christo Vive“ beeinträchtigte Menschen.
Seit dem Erdbeben ist allerdings weniger los in der Tagesstätte. Denn das Erdbeben hat auch mehrere Einrichtungen und Gebäude der „Fundación“ verwüstet – die Kindergärten, die Volksküchen, die Werkstätten. Von „15000 Euro Schaden“, spricht Schwester Karoline Mayer. Sie ist Gründerin des Sozial- und Bildungswerkes. Eine deutsche Missionarin, gebürtig aus Oberbayern, die sich seit Jahren in Südamerika für die Schwächsten der Gesellschaft einsetzt. Sie berichtet ebenfalls von den Minuten des Bebens. „Während das Haus hin und her schwankte, Schränke und Regale tanzten, beteten wir gemeinsam im Schutz des Türrahmens“, sagt sie. Trotzdem sei das Beben für ihre eigene Einrichtung glimpflich ausgegangen. „Im Vergleich zu den unbeschreiblichen Schäden im Süden dürfen wir nicht klagen.“
Und dennoch: Es fehlt an Geld für Lebensmittel und Reparaturen. Die „Fundación“ muss ihre Ressourcen bündeln, will erst kaputte Maschinen in ihren Berufsschulen ersetzen. Auch David Walburgs Tagesstätte bleibt daher wohl noch einige Wochen geschlossen. Aufräumen, wieder richten, was eben geht – das ist derzeit seine Aufgabe und die seiner Kollegen. Sorgen machte sich das Team der Tagesstätte außerdem um eine Mitarbeiterin, die zum Zeitpunkt des Bebens ihre Schwester im Süden besuchte – „in Gegenden, wo reihenweise Häuser zusammen gebrochen sind“, wie David Walburg erzählt. Sonia Sandoval, so der Name der 48-Jährigen, sei tagelang nicht zu erreichen gewesen. „Schließlich sind viele Telefonleitungen ausgefallen“, erklärt David Walburg. „Aber sie ist mittlerweile wieder aufgetaucht, die Frauen haben einige Tage in Notzelten gelebt.“
Für Aufsehen sorgte auch der Santiago-Besuch von Michael Mronz, dem Lebensgefährten Guido Westerwelles. Die Medien in Deutschland debattieren derzeit darüber, ob Mronz den Außenminister nur begleitet, um wirtschaftliche Kontakte zu knüpfen und auszunutzen. In Santiago verteilte er allerdings als Vorstand einer Hilfsorganisation Geld, unter anderem für einen Kindergarten der „Fundación Christo Vive“.
Vor allem aber lobt David Walburg die Hilfsbereitschaft der Chilenen untereinander. Selbst arme Menschen in Santiago hätten Kleidungsstücke, Lebensmittel und Geld gespendet. „Tausende LKW konnten bereits Hilfe in den Süden bringen“, sagt David Walburg. „Das begeistert mich.“
Weitere Informationen gibt es unter http://david-in-chile.jimdo.com
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Fernsehsender und Zeitungen sprechen in den nächsten Tagen von einem der schwersten Erdbeben der Menschheitsgeschichte. In Südchile sterben Hunderte, Millionen Menschen sind ohne Obdach. „Die große Flucht aus den stärker betroffenen Gebieten ist vorerst ausgeblieben“, beobachtet David Walburg. „Aber das liegt vor allem daran, dass es schlicht an Benzin fehlt.“
Der junge Mann aus dem Heckengäu ist in Wimsheim bekannt wegen seines Engagements für das dortige Jugendhaus. In Santiago de Chile arbeitet er seit August vergangenen Jahres. Statt seinen Wehrdienst bei der Bundeswehr abzuleisten, entschied er sich für die Alternative Ersatzdienst: David Walburg hilft in der Tagesstätte „Hogar – Dios Con Nosotros“. Dort pflegt und betreut er im Auftrag des Entwicklungsprojektes „Fundación Christo Vive“ beeinträchtigte Menschen.
Seit dem Erdbeben ist allerdings weniger los in der Tagesstätte. Denn das Erdbeben hat auch mehrere Einrichtungen und Gebäude der „Fundación“ verwüstet – die Kindergärten, die Volksküchen, die Werkstätten. Von „15
Und dennoch: Es fehlt an Geld für Lebensmittel und Reparaturen. Die „Fundación“ muss ihre Ressourcen bündeln, will erst kaputte Maschinen in ihren Berufsschulen ersetzen. Auch David Walburgs Tagesstätte bleibt daher wohl noch einige Wochen geschlossen. Aufräumen, wieder richten, was eben geht – das ist derzeit seine Aufgabe und die seiner Kollegen. Sorgen machte sich das Team der Tagesstätte außerdem um eine Mitarbeiterin, die zum Zeitpunkt des Bebens ihre Schwester im Süden besuchte – „in Gegenden, wo reihenweise Häuser zusammen gebrochen sind“, wie David Walburg erzählt. Sonia Sandoval, so der Name der 48-Jährigen, sei tagelang nicht zu erreichen gewesen. „Schließlich sind viele Telefonleitungen ausgefallen“, erklärt David Walburg. „Aber sie ist mittlerweile wieder aufgetaucht, die Frauen haben einige Tage in Notzelten gelebt.“
Für Aufsehen sorgte auch der Santiago-Besuch von Michael Mronz, dem Lebensgefährten Guido Westerwelles. Die Medien in Deutschland debattieren derzeit darüber, ob Mronz den Außenminister nur begleitet, um wirtschaftliche Kontakte zu knüpfen und auszunutzen. In Santiago verteilte er allerdings als Vorstand einer Hilfsorganisation Geld, unter anderem für einen Kindergarten der „Fundación Christo Vive“.
Vor allem aber lobt David Walburg die Hilfsbereitschaft der Chilenen untereinander. Selbst arme Menschen in Santiago hätten Kleidungsstücke, Lebensmittel und Geld gespendet. „Tausende LKW konnten bereits Hilfe in den Süden bringen“, sagt David Walburg. „Das begeistert mich.“
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