Agora - Die Säulen des Himmels
Spätrömisch, aber ohne Sandalen
Ina Hochreuther, veröffentlicht am 11.03.2010
Filmbeschreibung
Nicht nur Feministinnen wissen, dass es sie wirklich gegeben hat. Die Wissenschaftlerin Hypatia lebte während des vierten nachchristlichen Jahrhunderts im ägyptischen Alexandria. Klug, schön und unabhängig, starb sie einen gewaltsamen Tod - ein Schicksal, wie fürs Kino gewoben. Der chilenisch-spanische Regisseur Alejandro Amenábar, spätestens seit "Das Meer in mir" auch hierzulande geschätzt, widersteht der Versuchung der Ikonenmalerei. Es geht ihm in "Agora - Die Säulen des Himmels", ein Titel, der Marktplatz und Mittelpunkt des kulturellen Austausches bedeutet, um mehr: um eine Gesellschaft im Umbruch, die aus der weltoffenen Antike ins dogmatische Mittelalter taumelt.
Hypatia (Rachel Weisz) lehrt Astronomie. Aber im zerfallenden spätrömischen Reich gewinnen die Christen gegenüber Andersgläubigen die Oberhand. Dem neuen Kirchenoberhaupt Kyrill (Sammy Samir) sind Freigeister wie Hypatia ein Dorn im Auge. Ein Mob zerstört das Haus des Wissens, die junge Frau kommt mit dem Leben davon. Viele schließen sich den neuen Machthabern zumindest formal an, darunter Hypatias ehemaliger Schüler Orestes (Oscar Isaac). Die christliche Miliz vor Ort, einst sozial gesinnt, wird zu Wächtern des öffentlichen Geschehens. In "Agora" erinnert sie unwillkürlich an die Taliban.
So überzeugend Alexandria rekonstruiert ist, dies wird kein Sandalenfilm. Amenábars Historiendrama verweist stets auch auf die Gegenwart und fordert den kritischen Diskurs ein. Zwischen den drei Filmkapiteln sehen wir immer wieder unseren blauen Planeten wie einen Appell, den großen Zusammenhang nicht aus den Augen zu verlieren. "Agora" ist ein überzeugendes Plädoyer gegen religiösen Fanatismus und steht in der Tradition der Aufklärung. Als ein guter Freund und Priester Hypatia überreden will, dem christlichen Glauben beizutreten, entgegnet sie: "Du glaubst, ich aber muss hinterfragen."
Hypatia (Rachel Weisz) lehrt Astronomie. Aber im zerfallenden spätrömischen Reich gewinnen die Christen gegenüber Andersgläubigen die Oberhand. Dem neuen Kirchenoberhaupt Kyrill (Sammy Samir) sind Freigeister wie Hypatia ein Dorn im Auge. Ein Mob zerstört das Haus des Wissens, die junge Frau kommt mit dem Leben davon. Viele schließen sich den neuen Machthabern zumindest formal an, darunter Hypatias ehemaliger Schüler Orestes (Oscar Isaac). Die christliche Miliz vor Ort, einst sozial gesinnt, wird zu Wächtern des öffentlichen Geschehens. In "Agora" erinnert sie unwillkürlich an die Taliban.
So überzeugend Alexandria rekonstruiert ist, dies wird kein Sandalenfilm. Amenábars Historiendrama verweist stets auch auf die Gegenwart und fordert den kritischen Diskurs ein. Zwischen den drei Filmkapiteln sehen wir immer wieder unseren blauen Planeten wie einen Appell, den großen Zusammenhang nicht aus den Augen zu verlieren. "Agora" ist ein überzeugendes Plädoyer gegen religiösen Fanatismus und steht in der Tradition der Aufklärung. Als ein guter Freund und Priester Hypatia überreden will, dem christlichen Glauben beizutreten, entgegnet sie: "Du glaubst, ich aber muss hinterfragen."
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