Renningen
Als der "erlauchte" Graf Renningen kaufte
Von Peter Meuer, veröffentlicht am 12.03.2010
Sie haben damals sicher über ihren neuen Grundherrn gesprochen, die Handwerker und Bauern in Renningen. Gerüchte kursierten wohl an den Feuern und in der Schenke: "Es herrscht also wieder ein Graf über uns, ein ganz hoher Herr." Noch dazu sei der Vater des neuen Grafen, Ulrich I., wenige Tage vor dessen Geburt gestorben - kein gutes Omen.
"Doch darüber hinaus dürfte für das einfache Volk nicht so wichtig gewesen sein, wer künftig ihr Herr ist", erläutert der Renninger Stadtarchivar Mathias Graner. "Ihre Abgaben mussten sie so oder so weiter leisten." Wichtiger seien da die Nachwirkungen der mittelalterlichen Transaktion: Geld gegen Land. "Denn, dass Renningen am 2. März 1310 württembergisch geworden ist, das beeinflusst die Menschen und die Struktur hier noch heute sehr."
Ziemlich genau 700 Jahre ist es also her, dass Graf Reinhard von Neuenbürg Renningen an den Grafen Eberhard den "Erlauchten" von Württemberg verkaufte. Renningen war damals noch ein Dorf. Zur Stadt wurde es erst im Jahr 1982.
Nur wenige Jahre vor dem Handel zwischen den beiden Grafen hatte Renningen schon einmal den Besitzer gewechselt. Über ein kompliziertes Dreiecksgeschäft um Geld, Besitz und Burgen, bei dem auch der deutsch-römische König Albrecht I. mitgemischt hatte, hatte Reinhard von Neuenbürg Renningen 1307 erworben - nur um es drei Jahre später wieder an die Württemberger zu verkaufen. "Jene hatten sich grob gesagt das Ziel gesetzt, württembergische Ländereien in den direkten Besitz ihrer Familie zu bringen", erläutert Mathias Graner. "Sie wollten weiße Flecken auf ihren Landkarten vermeiden."
Graner hat wegen des runden Geburtstags den Ereignissen nachgespürt. "Aber die entsprechenden Forschungen haben schon früher Historiker von hier, aus Stuttgart oder Tübingen vorgenommen", berichtet er. Viele Informationen stünden beispielsweise im Buch "Eine Stadt und ihre Geschichte", das die Rankbachstadt 1991 anlässlich ihrer 1000-Jahr Feier veröffentlicht hat. "Weitere interessante Stellen fanden Rolf Mayer vom Heimatverein und ich in der Höschele-Chronik", sagt Graner. Diese Chronik sei in den 30er Jahren von Emil Höschele, einem Renninger Lehrer, geschrieben worden. "Da es handschriftlich ist, gibt es bisher nur ein Exemplar der Höschele-Chronik", sagt Mathias Graner. "Aber wir wollen es zum Sommer hin vervielfältigen und verkaufen", ergänzt der Archivar. Dass Renningen württembergisch wurde, hat sich vor allem in den folgenden Jahrhunderten ausgewirkt.
Während der Reformation mussten die Einwohner die Konfession ihrer Grundherren annehmen. Es galt der Grundsatz "cuius regio, eius religio" ("wessen Gebiet, dessen Religion"), daher wurden die Renninger evangelisch. In der freien Reichstadt Weil der Stadt, nur wenige Kilometer weiter, blieben die Bürger "unreformiert" - weswegen es heute dort noch mehr Katholiken gibt als in anderen Gemeinden und Städten der Region. 1495 schließlich erlangten die Grafen von Württemberg sogar die Herzogswürde. Auch deswegen, weil sie über die Jahrhunderte ihren Einflussbereich vergrößert hatten, immer mehr Land und Orte wie Renningen kauften.
"1806 schließlich wurde Württemberg ja ein eigenes Königreich", sagt Mathias Graner. "Und Renningen lag mittendrin."
Ziemlich genau 700 Jahre ist es also her, dass Graf Reinhard von Neuenbürg Renningen an den Grafen Eberhard den "Erlauchten" von Württemberg verkaufte. Renningen war damals noch ein Dorf. Zur Stadt wurde es erst im Jahr 1982.
Nur wenige Jahre vor dem Handel zwischen den beiden Grafen hatte Renningen schon einmal den Besitzer gewechselt. Über ein kompliziertes Dreiecksgeschäft um Geld, Besitz und Burgen, bei dem auch der deutsch-römische König Albrecht I. mitgemischt hatte, hatte Reinhard von Neuenbürg Renningen 1307 erworben - nur um es drei Jahre später wieder an die Württemberger zu verkaufen. "Jene hatten sich grob gesagt das Ziel gesetzt, württembergische Ländereien in den direkten Besitz ihrer Familie zu bringen", erläutert Mathias Graner. "Sie wollten weiße Flecken auf ihren Landkarten vermeiden."
Graner hat wegen des runden Geburtstags den Ereignissen nachgespürt. "Aber die entsprechenden Forschungen haben schon früher Historiker von hier, aus Stuttgart oder Tübingen vorgenommen", berichtet er. Viele Informationen stünden beispielsweise im Buch "Eine Stadt und ihre Geschichte", das die Rankbachstadt 1991 anlässlich ihrer 1000-Jahr Feier veröffentlicht hat. "Weitere interessante Stellen fanden Rolf Mayer vom Heimatverein und ich in der Höschele-Chronik", sagt Graner. Diese Chronik sei in den 30er Jahren von Emil Höschele, einem Renninger Lehrer, geschrieben worden. "Da es handschriftlich ist, gibt es bisher nur ein Exemplar der Höschele-Chronik", sagt Mathias Graner. "Aber wir wollen es zum Sommer hin vervielfältigen und verkaufen", ergänzt der Archivar. Dass Renningen württembergisch wurde, hat sich vor allem in den folgenden Jahrhunderten ausgewirkt.
Während der Reformation mussten die Einwohner die Konfession ihrer Grundherren annehmen. Es galt der Grundsatz "cuius regio, eius religio" ("wessen Gebiet, dessen Religion"), daher wurden die Renninger evangelisch. In der freien Reichstadt Weil der Stadt, nur wenige Kilometer weiter, blieben die Bürger "unreformiert" - weswegen es heute dort noch mehr Katholiken gibt als in anderen Gemeinden und Städten der Region. 1495 schließlich erlangten die Grafen von Württemberg sogar die Herzogswürde. Auch deswegen, weil sie über die Jahrhunderte ihren Einflussbereich vergrößert hatten, immer mehr Land und Orte wie Renningen kauften.
"1806 schließlich wurde Württemberg ja ein eigenes Königreich", sagt Mathias Graner. "Und Renningen lag mittendrin."
Anzeigen
Anzeigen
Anzeigen
Veranstaltungen
Finden Sie
Heute können Sie aus 359 Veranstaltungsterminen auswählen
StZ ePaper
Lesen Sie sich die Druckausgaben digital im Originallayout mit allen Bildern durch.
Für Abonnenten
Für Käufer
Hier können sie sich über Preise informieren, Abos abschließen oder Einzelexemplare kaufen.





