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Ein kurzer Brief verursacht große Aufregung

Artikel aus der Nord-Rundschau, S-Innenstadt vom 16.03.2010

Pumpwerk Botnang 1902" ist auf der Steinfassade der Casa Pompa zu lesen, der ersten zentralen Botnanger Wasserversorgung. Noch ist das ehrwürdige Gebäude, das nicht die Voraussetzungen erfüllt, unter Denkmalschutz gestellt zu werden, in städtischem Besitz. Doch dies könnte sich ändern, wobei die Betonung auf dem Konjunktiv liegt. Zwar steht das Haus auf einer Liste mit Immobilien, die die Stadt verkaufen will, doch ob es überhaupt soweit kommt, ist derzeit noch völlig offen. Das gleiche gilt für das Haus Himmerreichstraße 40/2. Dort haben die Botnanger Pfadfinder vom Stamm der Feuerreiter einen Kellerraum als Treffpunkt. Zudem steht im dazugehörigen Garten ein Holzhaus, dass die Gruppe als Lager nutzt.

Seit die Pfadfinder in einem standardisierten Brief des Liegenschaftsamtes von der Verkaufsabsicht informiert wurden, fürchten die jungen Leute um ihr Domizil. Ein kurzer Anruf bei Liegenschaftsamt oder beim Botnanger Bezirksvorsteher hätte ihnen jedoch viel Aufregung ersparen können. Steht besagtes Haus doch auf einer so genannten Gemeinbedarfsfläche, auf der nach derzeitigem Recht kein Wohnbau möglich ist. Dazu müsste zunächst ein Bebauungsplanverfahren eingeleitet werden. Hinzu kommt: Der Standort Himmerreichstraße ist seit Jahren für ein Botnanger Haus der Jugend im Gespräch. Ein Haus der Jugend, in dessen Planung die Pfadfinder aktiv mit eingebunden sind, und in dem sie auch Platz finden würden. "So lange dieses Thema nicht geklärt ist, wird dort überhaupt nichts passieren", sagt Doris Rüdiger vom Liegenschaftsamt, die bedauert, dass die Pfadfinder durch den Brief in Aufregung versetzt wurden. War dieser doch als Information gedacht, dass die betroffenen Mieter nicht aus der Zeitung erfahren, dass ihr Haus eventuell verkauft wird. Wobei auch dann das Mietverhältnis zunächst weiterbestehen würde.

Für die Pfadfinder besteht also keine Gefahr, dass sie in absehbarer Zeit heimatlos werden. Ganz im Gegenteil: Derzeit wird von Seiten des Bezirksbeirats wieder sehr engagiert über das Haus der Jugend diskutiert. Neben dem Standort Himmerreichstraße hat die CDU-Fraktion die Fläche des Flüchtlingsdorfes an der Beethovenstraße ins Gespräch gebracht. Da dieses abgerissen wird, könnte dort ein Haus der Jugend entstehen. Im Tausch dazu könnten an der Himmerreichstraße dann Wohnungen gebaut werden, so der Vorschlag der CDU an die Adresse von Finanzbürgermeister Michael Föll. Die SPD-Fraktion im Bezirksbeirat lehnt diesen Vorschlag jedoch ab, befürchtet sie doch, dass dann einer Bebauung in der Talaue entlang des Buberlesbachs Tür und Tor geöffnet werden würde. Sie favorisiert vor diesem Hintergrund weiterhin den Standort Himmerreichstraße.

Ein Problem beim Flüchtlingsdorf-Areal ist, dass das Gebiet im Bebauungsplan als Grünfläche ausgeschrieben ist, mit "der Widmung öffentlicher Festplatz, Parkplatz und Weg". Es müsste also das Planungsrecht geändert werden, was Baubürgermeister Matthias Hahn bis dato als "nicht machbar" bezeichnet. Der Grund: Ein Neubau müsste einen 30-Meter-Abstand zum nahen Wald einhalten, was nicht möglich wäre. Für die Flüchtlingsunterkünfte gibt es eine bis 2013 befristete Sondergenehmigung, die laut dem Referat Städtebau und Umwelt aufgrund eines "öffentlichen Interesses" genehmigt wurde. Ob dies schon das letzte Wort ist, bleibt abzuwarten. Es wird wohl letztlich eine politische Frage sein, ob dort ein Haus der Jugend gebaut werden kann, oder nicht.
 
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