"So etwas macht ja nicht einmal Sindelfingen"
Artikel aus der Leonberger Kreiszeitung vom 16.03.2010
Die Jungs vom Jugendhaus "Kloster" in Weil sind erfahren im Umzugsfragen. Aus einer knallgrünen Mülltonne stampfen fette Beats, "wir lassen uns nicht in die Tonne klopfen", lautet das Motto auf dem kleinsten Demonstrationswagen der Welt. "Das ist eigentlich unsere 1.Mai-Wandertonne", sagt einer und dreht den Lautstärkeregler vor dem Leonberger Rathaus ein wenig lauter. Muss er auch. Gegen das ohrenbetäubende Pfeifkonzert, vorrangig aus 1,30 bis 1,50 Meter Schallhöhe, kommt nicht einmal die Partytonne an.
Wie viele Jugendliche, Kinder, Sozialpädagogen und Freunde der offenen Jugendarbeit gegen die vorgeschlagene Schließung der fünf Leonberger Jugendhäuser demonstrieren, weiß auch Martin Riethmüller, der Vorsitzende des Jugendhausvereins, nicht. 200, 300? Nur schwer setzt sich sein Megafon gegen die schreienden Jugendlichen durch. Die quirligsten unter ihnen kommen geradewegs vom Café Siesta. Der Treff beim Schulzentrum hat sich in wenigen Jahren etabliert, die "Siesta-Dancer" sind fast schon ein Export-Schlager der offenen Jugendarbeit.
"Wenn die das Siesta zumachen, wird mir alles genommen." Die 15-jährige Irina Batt ist mehrmals die Woche dort. Vor drei Jahren machte sie einen Tanzkurs im Siesta, heute ist sie eine der Tanzlehrerinnen und unterrichtet gleichaltrige Mädels. "Man findet immer jemand zum reden, man kann seine Probleme loswerden", berichtet sie über ihr Domizil. Dann hakt sie sich bei ihren Freundinnen unter, rast wieder vor die verschlossene Rathaustüre. Von der Verwaltung ist niemand zu sehen.
"So etwas gibt es ja nicht einmal in Sindelfingen. Kein Mensch hat sich bei uns gemeldet und über die Kürzungen gesprochen", sagt Sebastian Kruggel. Der sonst so smarte Fachvorstand des Vereins für Jugendhilfe verfolgt mit versteinertem Gesicht die Demonstration. Sonst benutzt er gerne Fachbegriffe und Vergleiche aus der Business-Szene, in Leonberg fällt dem Sozialmanager nicht mehr viel ein. "Wir wären natürlich verhandlungsbereit, auch über unsere Methoden. Aber das ist schwierig, wenn die andere Seite einfach nicht mit einem reden will", sagt er. Die Vorwürfe, dass die Sozialarbeit auch auf der Straße stattfinden könne, lässt Kruggel nicht gelten. "Natürlich müssen wir mobiler werden - aber wohin wollen wir die Jugendlichen denn dann einladen, wo sollen sie einen Platz finden?", fragt er und ist so ratlos wie viele seiner Kollegen. Selbst ältere Jugendliche, wie der 17-jährige Tim aus Weissach, sind - gleichwohl "keine Jugenhausgänger" - entsetzt: Aus dem Internet habe er von der möglichen Schließung erfahren.
Noch etwas erbost viele Jugendliche. Und das sollte den Stadträten besonders zu denken geben, weil es fast schon eine Auszeichung demokratischer Jugendarbeit ist: Der NPD-Kreisrat Janus Nowak ätzt via Internet über "die Brutstätten antideutscher Agitation" und freut sich über eine bevorstehende Schließung der Leonberger Jugendhäuser. Wie immer ist er dabei politisch isoliert: Denn auch CDU-Räte wie Tobias Mörk und Wolfgang Röckle oder das Freie-Wähler-Urgestein Dieter Vestner verfolgen die Demo und hören, was die Jungen zu sagen haben.
Wie viele Jugendliche, Kinder, Sozialpädagogen und Freunde der offenen Jugendarbeit gegen die vorgeschlagene Schließung der fünf Leonberger Jugendhäuser demonstrieren, weiß auch Martin Riethmüller, der Vorsitzende des Jugendhausvereins, nicht. 200, 300? Nur schwer setzt sich sein Megafon gegen die schreienden Jugendlichen durch. Die quirligsten unter ihnen kommen geradewegs vom Café Siesta. Der Treff beim Schulzentrum hat sich in wenigen Jahren etabliert, die "Siesta-Dancer" sind fast schon ein Export-Schlager der offenen Jugendarbeit.
"Wenn die das Siesta zumachen, wird mir alles genommen." Die 15-jährige Irina Batt ist mehrmals die Woche dort. Vor drei Jahren machte sie einen Tanzkurs im Siesta, heute ist sie eine der Tanzlehrerinnen und unterrichtet gleichaltrige Mädels. "Man findet immer jemand zum reden, man kann seine Probleme loswerden", berichtet sie über ihr Domizil. Dann hakt sie sich bei ihren Freundinnen unter, rast wieder vor die verschlossene Rathaustüre. Von der Verwaltung ist niemand zu sehen.
"So etwas gibt es ja nicht einmal in Sindelfingen. Kein Mensch hat sich bei uns gemeldet und über die Kürzungen gesprochen", sagt Sebastian Kruggel. Der sonst so smarte Fachvorstand des Vereins für Jugendhilfe verfolgt mit versteinertem Gesicht die Demonstration. Sonst benutzt er gerne Fachbegriffe und Vergleiche aus der Business-Szene, in Leonberg fällt dem Sozialmanager nicht mehr viel ein. "Wir wären natürlich verhandlungsbereit, auch über unsere Methoden. Aber das ist schwierig, wenn die andere Seite einfach nicht mit einem reden will", sagt er. Die Vorwürfe, dass die Sozialarbeit auch auf der Straße stattfinden könne, lässt Kruggel nicht gelten. "Natürlich müssen wir mobiler werden - aber wohin wollen wir die Jugendlichen denn dann einladen, wo sollen sie einen Platz finden?", fragt er und ist so ratlos wie viele seiner Kollegen. Selbst ältere Jugendliche, wie der 17-jährige Tim aus Weissach, sind - gleichwohl "keine Jugenhausgänger" - entsetzt: Aus dem Internet habe er von der möglichen Schließung erfahren.
Noch etwas erbost viele Jugendliche. Und das sollte den Stadträten besonders zu denken geben, weil es fast schon eine Auszeichung demokratischer Jugendarbeit ist: Der NPD-Kreisrat Janus Nowak ätzt via Internet über "die Brutstätten antideutscher Agitation" und freut sich über eine bevorstehende Schließung der Leonberger Jugendhäuser. Wie immer ist er dabei politisch isoliert: Denn auch CDU-Räte wie Tobias Mörk und Wolfgang Röckle oder das Freie-Wähler-Urgestein Dieter Vestner verfolgen die Demo und hören, was die Jungen zu sagen haben.
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