Nachverdichtung nicht um jeden Preis

Artikel aus der Filder-Zeitung vom 16.03.2010

Die Nachverdichtung in den Filderstädter Stadtteilen ist das erklärte Ziel von Verwaltung und Gemeinderat. Deshalb haben die Stadträte im Prinzip nichts gegen eine im Ortszentrum von Bernhausen geplante Bebauung. Dort soll an der Eisenbahnstraße statt einer alten Scheuer ein Gebäude mit sieben Wohnungen erstellt werden.

Wenn es allerdings ins Detail geht, gibt es noch Bedenken der Stadträte. Dies wurde im Technischen Ausschuss deutlich, als der für das Projekt erforderliche Bebauungsplan diskutiert wurde. Sprecher verschiedener Fraktionen erklärten, dass ihnen das geplante Gebäude zu massiv und zu hoch sei.

Erst vor der jüngsten Gemeinderatssitzung stellte sich dann heraus, dass die Räte offensichtlich von falschen Voraussetzungen ausgegangen waren. Der Investor, die Firma Baur Objektbau, hatte inzwischen an die Stadträte einen Plan verschickt, der zeigt, dass das fragliche Gebäude nicht höher werden soll als die Nachbarhäuser.

In der Sitzung des Gemeinderats bemängelte der Fraktionsvorsitzende von Grüne/FFL, Matthias Gastel, dass dieser Plan den Stadträten nicht bereits vor der Sitzung des Technischen Ausschusses vorgelegt wurde. Dies sei nicht möglich gewesen, weil die Verwaltung die entsprechenden Pläne erst später bekommen habe, behauptete Bürgermeister Dieter Lentz.

Wie auch immer - die Stadträte hatten trotz der zwischenzeitlich vorliegenden Pläne noch Klärungsbedarf. Deshalb fassten sie schließlich nur den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan. Damit setzte sich FDP-Fraktionschef Johannes Jauch mit seinem Vorschlag, auch den Auslegungsbeschluss sofort zu fassen, nicht durch. Er befürchtete, dass im anderen Fall der Bau zu stark verzögert werde.

Auf Antrag von SPD-Fraktionschef Walter Bauer wurde die Sache an den Technischen Ausschuss zurückverwiesen. Dort soll am 17. Mai der Auslegungsbeschluss gefasst werden. Zuvor will man in der Sitzung erneut Einzelheiten des Projekts diskutieren. Dabei wird es vor allem darum gehen, ob das vierstöckige Gebäude näher an die Eisenbahnstraße heranrückt. Richard Briem (FW) hatte bemängelt, dass der Abstand zum Sonnenweg zu gering sei. Anwohner der Rosenstraße befürchten offenbar, dass ihre Grundstücke durch das neue Gebäude zu stark verschattet werden.

Diese Angst versteht Bürgermeister Dieter Lentz nicht. "Da könnte man ein Hochhaus bauen, ohne dass es einen solchen Schatten geben würde", sagte er auf Anfrage unserer Zeitung. Auch Markus Baur, Inhaber von Baur Objektbau, kann nicht nachvollziehen, weshalb das Gebäude näher an die Eisenbahnstraße rücken soll. Er befürchtet, dass dadurch die Abfahrt zur zehn Autos fassenden Tiefgarage zu steil würde. "Die Alternative wäre dann nur, die Tiefgarage höher zu setzen", sagt er. Dann würde das Gebäude jedoch höher als geplant. Das aber wollten die Stadträte gerade verhindern. Es gibt offensichtlich noch Diskussionsbedarf am 17. Mai.
 
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