"Die Kritik an der Kirche ist ein Thema"
Artikel aus der Leonberger Kreiszeitung vom 16.03.2010
Die Serie von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche hat sich nicht negativ auf die Wahlbeteiligung bei den Kirchengemeinderatswahlen ausgewirkt. Das betonten Kirchenvertreter aus dem Leonberger Altkreis gegenüber unserer Zeitung. So sagte Joachim Krass, der Vorsitzende des Wahlauschusses in Weil der Stadt, die Beteiligung liege wie bei den Wahlen 2005 gleichbleibend bei über 20 Prozent. In Weissach ist die Wahlbeteiligung sogar gestiegen. Gut 28 Prozent der Katholiken nahmen hier ihr Wahlrecht in Anspruch. "Bei den Wahlen vor fünf Jahren waren es einige Prozente weniger", sagte der Wahlauschussvorstand Gerhard Winter. In Renningen habe es ebenfalls noch "nie so eine hohe Wahlbeteiligung" gegeben, berichteten Pfarrer Franz Pitzal und der Vorstand Johann Georg Schlegel: Rund ein Fünftel Prozent der Gläubigen wählten in der Rankbachstadt. In der Leonberger St. Johannes-Gemeinde waren es hingegen nur knapp neun Prozent der 6800 Wahlberechtigten. Von den Mitgliedern der kleinen kroatischen Gemeinde "Sveti Ante Padovanski" in Leonberg gaben dafür rund 40 Prozent ihre Stimme ab. In Rutesheim lag die Wahlbeteiligung in der St. Raphael-Gemeinde bei 15 Prozent.
Die Vorstände begründen das hohe Interesse an den Kirchengemeinderatswahlen auch mit den geänderten Wahlbestimmungen. Denn zum ersten Mal konnten die Gläubigen ihre Stimme auch per allgemeiner Briefwahl abgeben. Obwohl wegen der Missbrauchsdebatte "keine Gläubigen aus Protest den Wahlen fernblieben", wie Joachim Krass betont, sei der Missbrauch in katholischen Schulen dennoch ein Thema. Es gebe in Weil der Stadt viele kritische Stimmen bezüglich des Auftretens von Vatikan und katholischer Kirche Deutschland. "Man denkt auch laut darüber nach: Muss das Zölibat in dieser Form sein", ergänzt Krass. Gerhard Winter weist darauf hin, es sei ein falscher Weg, nur mit dem Finger auf die Katholiken zu zeigen. "Missbrauch darf es nicht geben, weder in der Kirche, noch anderswo in der Gesellschaft."
Der Hörfunkpfarrer Michael Broch aus Renningen sieht die Schuld bei "Leibfeindlichkeit" und Erziehungsmethoden der katholischen Kirche, spricht von "strenger Machtausübung." Die Kirche müsse ihre "antiquierte Sexualmoral" überdenken, ergänzt der 66-jährige, der im SWR predigt und im Sommer Geistlicher Direktor der katholischen Journalistenschule in München wird. "Auch sollten wir trotz Priestermangels genau darauf achten, wer den Beruf ergreift", sagt Broch weiter. Das Zölibat sehe er nicht als alleinige Ursache für Missbrauch an. "Aber wir sollten darüber nachdenken, den privaten Lebensstil besser dem einzelnen zu überlassen." Er hofft darauf, dass es "irgendwann einen offeneren Papst aus Südamerika" gebe.
Die Vorstände begründen das hohe Interesse an den Kirchengemeinderatswahlen auch mit den geänderten Wahlbestimmungen. Denn zum ersten Mal konnten die Gläubigen ihre Stimme auch per allgemeiner Briefwahl abgeben. Obwohl wegen der Missbrauchsdebatte "keine Gläubigen aus Protest den Wahlen fernblieben", wie Joachim Krass betont, sei der Missbrauch in katholischen Schulen dennoch ein Thema. Es gebe in Weil der Stadt viele kritische Stimmen bezüglich des Auftretens von Vatikan und katholischer Kirche Deutschland. "Man denkt auch laut darüber nach: Muss das Zölibat in dieser Form sein", ergänzt Krass. Gerhard Winter weist darauf hin, es sei ein falscher Weg, nur mit dem Finger auf die Katholiken zu zeigen. "Missbrauch darf es nicht geben, weder in der Kirche, noch anderswo in der Gesellschaft."
Der Hörfunkpfarrer Michael Broch aus Renningen sieht die Schuld bei "Leibfeindlichkeit" und Erziehungsmethoden der katholischen Kirche, spricht von "strenger Machtausübung." Die Kirche müsse ihre "antiquierte Sexualmoral" überdenken, ergänzt der 66-jährige, der im SWR predigt und im Sommer Geistlicher Direktor der katholischen Journalistenschule in München wird. "Auch sollten wir trotz Priestermangels genau darauf achten, wer den Beruf ergreift", sagt Broch weiter. Das Zölibat sehe er nicht als alleinige Ursache für Missbrauch an. "Aber wir sollten darüber nachdenken, den privaten Lebensstil besser dem einzelnen zu überlassen." Er hofft darauf, dass es "irgendwann einen offeneren Papst aus Südamerika" gebe.
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