Green Zone
Geheimdienstberichte und die Lage vor Ort
Thomas Klingenmaier , veröffentlicht am 18.03.2010
Filmbeschreibung
Sie erwarten Höllenküchen, Todeslabore, Lagerhallen des Weltuntergangs. Sie finden lange verlassene Fabriken. Chief Warrant Officer Roy Miller (Matt Damon) und seine Truppe brausen durch den Irak. Wir schreiben das Jahr 2003, der Krieg ist offiziell noch nicht zu Ende. Millers Mannen sollen die Massenvernichtungswaffen Saddam Husseins sicherstellen, deretwegen die Koalitionstruppen überhaupt einmarschiert sind. Sie finden am ersten Ort, den die Geheimdienste ihnen als Versteck einer Bedrohung markiert haben, nichts, am zweiten nichts und am dritten nichts. Unterlagen und Realität klaffen so weit auseinander, als seien Erstere freie Erfindung.
Der Regisseur Paul Greengrass und sein Hauptdarsteller Matt Damon, die miteinander schon zwei Filme der Jason-Bourne-Reihe gedreht haben, legen diesmal ein politisches Lehrstück im Gewand eines durchaus actionorientierten Kriegsfilms vor. Miller verliert in diesem Film erst den Glauben an die Zuverlässigkeit der Informationen. Dann verliert er den Glauben an die Aufrichtigkeit seiner Auftraggeber.
"Green Zone" personifiziert Washingtons Strategie in dem von Greg Kinnear schneidig gespielten Karrierebeamten Poundstone. Der Mann kommt eingeflogen, um die Bush-Politik vor Ort entschlossen durchzusetzen: Wahrheit ist das, was dem Weißen Haus nutzt. Aus Gründen dichter Dramaturgie wird Poundstone zum vielbeschäftigten Strippenzieher. Miller findet Anhaltspunkte dafür, dass dieser Mann im Auftrag der Bush-Riege die falschen Geheimdienstberichte verfertigt hat, um einen Krieg überhaupt möglich zu machen.
Man kann "Green Zone" schnell ein wenig europäisch mokant vorwerfen, er schlage für Hollywood eine geschlagene Schlacht, er komme um Jahre zu spät. Schließlich glaubt man auf unserer Seite des Teichs wie unter Amerikas Liberalen schon lange, dass die Bush-Administration vorsätzlich Kongress, Senat, Volk und Weltöffentlichkeit belogen hat. Aber umgekehrt wird der bessere Schuh daraus: die Produzenten von "Green Zone" sowie der Regisseur Greengrass und der Drehbuchautor Brian Helgeland erkennen, dass ein Großskandal bereits Historie zu werden droht. Und sie erzählen ihn für die Kinogänger von heute noch einmal so, dass er in seiner Perfidie begreifbar wird. Junge Amerikaner, die bereits damit aufgewachsen sind, dass die Soldaten ihres Landes im Irak und in Afghanistan scheitern, werden mit einer herben Interpretation konfrontiert, wie es zu diesem Schlamassel kam.
"Green Zone" nutzt gängige Kriegsfilm- und Kriegsspielbilder, wird aber kein plattes Spektakel mit Botschaft. Wenn Millers Truppe anfangs Häuser durchsucht, dann bewegt sie sich mitten durch irakische Zivilisten, die versuchen, um diese Störenfriede herum ihren eigenen Ausnahmezustand geregelt zu bekommen. Sie gehen ihren Geschäften nach, und sei das Geschäft gerade auch Plünderung. Einerseits tasten sich die Amerikaner durch die Stadt wie durch eine heiße Gefechtszone. Andererseits beachten die Iraker sie so wenig, als liefen da nur Hühner und Hunde durch die Gassen. Diese Bilder sagen viel über die prekäre Präsenz der USA im Irak.
Das Problem von "Green Zone" liegt in der Spannung zwischen politischem Bewusstsein hie und Wunsch nach Klarheit da. Miller wird, nachdem der Krieg für beendet erklärt und Saddams Armee aufgelöst wurde, entdecken, dass es ein schwerer Fehler war, bei Befriedung und Wiederaufbau des Landes nicht auf bestehende Strukturen und Eliten zu setzen. Aber der Film findet keinen rechten Weg, diesen Fehler der Bush-Leute anzuklagen, ohne die betreffenden Saddam-Helfer zu verklären - und umgekehrt Saddams Günstlinge als blutbesudelt zu zeigen, ohne Bushs Versagen doch ein wenig nachvollziehbar zu machen. Ab einem bestimmten Moment wird hier gerannt, gejagt, geschossen, um der heiklen Diskussion über die Amnestierbarkeit der irakischen Apparatschiks aus dem Weg gehen zu können.
Der Regisseur Paul Greengrass und sein Hauptdarsteller Matt Damon, die miteinander schon zwei Filme der Jason-Bourne-Reihe gedreht haben, legen diesmal ein politisches Lehrstück im Gewand eines durchaus actionorientierten Kriegsfilms vor. Miller verliert in diesem Film erst den Glauben an die Zuverlässigkeit der Informationen. Dann verliert er den Glauben an die Aufrichtigkeit seiner Auftraggeber.
"Green Zone" personifiziert Washingtons Strategie in dem von Greg Kinnear schneidig gespielten Karrierebeamten Poundstone. Der Mann kommt eingeflogen, um die Bush-Politik vor Ort entschlossen durchzusetzen: Wahrheit ist das, was dem Weißen Haus nutzt. Aus Gründen dichter Dramaturgie wird Poundstone zum vielbeschäftigten Strippenzieher. Miller findet Anhaltspunkte dafür, dass dieser Mann im Auftrag der Bush-Riege die falschen Geheimdienstberichte verfertigt hat, um einen Krieg überhaupt möglich zu machen.
Man kann "Green Zone" schnell ein wenig europäisch mokant vorwerfen, er schlage für Hollywood eine geschlagene Schlacht, er komme um Jahre zu spät. Schließlich glaubt man auf unserer Seite des Teichs wie unter Amerikas Liberalen schon lange, dass die Bush-Administration vorsätzlich Kongress, Senat, Volk und Weltöffentlichkeit belogen hat. Aber umgekehrt wird der bessere Schuh daraus: die Produzenten von "Green Zone" sowie der Regisseur Greengrass und der Drehbuchautor Brian Helgeland erkennen, dass ein Großskandal bereits Historie zu werden droht. Und sie erzählen ihn für die Kinogänger von heute noch einmal so, dass er in seiner Perfidie begreifbar wird. Junge Amerikaner, die bereits damit aufgewachsen sind, dass die Soldaten ihres Landes im Irak und in Afghanistan scheitern, werden mit einer herben Interpretation konfrontiert, wie es zu diesem Schlamassel kam.
"Green Zone" nutzt gängige Kriegsfilm- und Kriegsspielbilder, wird aber kein plattes Spektakel mit Botschaft. Wenn Millers Truppe anfangs Häuser durchsucht, dann bewegt sie sich mitten durch irakische Zivilisten, die versuchen, um diese Störenfriede herum ihren eigenen Ausnahmezustand geregelt zu bekommen. Sie gehen ihren Geschäften nach, und sei das Geschäft gerade auch Plünderung. Einerseits tasten sich die Amerikaner durch die Stadt wie durch eine heiße Gefechtszone. Andererseits beachten die Iraker sie so wenig, als liefen da nur Hühner und Hunde durch die Gassen. Diese Bilder sagen viel über die prekäre Präsenz der USA im Irak.
Das Problem von "Green Zone" liegt in der Spannung zwischen politischem Bewusstsein hie und Wunsch nach Klarheit da. Miller wird, nachdem der Krieg für beendet erklärt und Saddams Armee aufgelöst wurde, entdecken, dass es ein schwerer Fehler war, bei Befriedung und Wiederaufbau des Landes nicht auf bestehende Strukturen und Eliten zu setzen. Aber der Film findet keinen rechten Weg, diesen Fehler der Bush-Leute anzuklagen, ohne die betreffenden Saddam-Helfer zu verklären - und umgekehrt Saddams Günstlinge als blutbesudelt zu zeigen, ohne Bushs Versagen doch ein wenig nachvollziehbar zu machen. Ab einem bestimmten Moment wird hier gerannt, gejagt, geschossen, um der heiklen Diskussion über die Amnestierbarkeit der irakischen Apparatschiks aus dem Weg gehen zu können.
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