Blind Side - Die große Chance
Vom Obdachlosen zum Schoßhündchen
Iris Benker, veröffentlicht am 25.03.2010
Filmbeschreibung
Es passiert nicht oft, dass ein und dieselbe Schauspielerin an einem Tag die "Goldene Himbeere" für die miserabelste schauspielerische Leistung in einem Film persönlich abholt, und anderntags für einen anderen Film gleich den Oscar als beste Schauspielerin kassiert. Sandra Bullock hat das geschafft. Aber sie hat ja schon immer durch ihren paradoxen Charme bestochen, durch ein Schwanken zwischen Ungehobeltsein und Liebenswürdigkeit. Mit Mitte vierzig ist sie aus dem Karrieretal zurück und erobert Hollywood, in einem Alter, in dem die meisten weiblichen Stars schon abdanken müssen.
Der Charakter der Leigh Anne Tuohy in John Lee Hancocks "Blind Side - Die große Chance" ist für Bullock, die sonst hauptsächlich im Romantisch-Komödiantischen zu Hause ist, eine eher ungewöhnliche Rolle. Es war auch keine Liebe auf den ersten Blick. Doch nach einem Treffen mit der realen Leigh Anne Tuohy war Bullocks Begeisterung für die Rolle geweckt. Grund mag der sehr dominante und präsente Charakter Tuohys gewesen sein, der es Bullock ermöglicht, ihr Bestes zu geben: durch einen Film zu marschieren und mit ihrer Präsenz alles niederzuwalzen, was da noch existiert.
In "Blind Side" funktioniert das, da sie damit einem realen Vorbild gerecht wird. Die Geschichte des Afroamerikaners Michael Oher, der dank der schützenden, helfenden Hände einer weißen Südstaatenfamilie vom Ghettokid zum gefeierten Footballstar avanciert, beruht auf einer wahren Begebenheit. Was man kaum glauben möchte, denn die allzu perfekte, mit christlichen Werten getränkte Welt des hier gezeigten amerikanischen Traums wirkt durchkonstruiert und realitätsfremd. Doch genau dieser überzogene, konservative Wohlfühlfaktor mag den Erfolg von "Blind Side" in den ländlichen und südlichen Gegenden der USA erklären. Das Publikum der großen Metropolen reagierte da etwas verhaltener.
Oher, wegen seiner Größe und seines Körpervolumens auch Big Mike genannt, wird von Quinton Aaron gespielt. Aaron ist erstmals in einer Hauptrolle zu sehen, bekommt aber nicht viele Chancen auf Entfaltung. Denn der Aufsteiger, um den es doch gehen sollte, wird von Bullocks Pflegemutterfigur an den Rand der Belanglosigkeit gedrängt. Der sanfte Riese hat hauptsächlich die Aufgabe, infantil dreinzuschauen und wortkarg zu bleiben. Das Innenleben des Sohns einer Cracksüchtigen bleibt dem Zuschauer verborgen. Als Big Mike aufgrund des Engagements eines Sportlehrers als "schwarze Fliege im Milchglas", wie der Film es treffend nennt, an einer gehobenen Christlichen Privatschule aufgenommen wird, trottet er ergeben weiter durch sein Obdachlosenleben, bis Leigh Anne ihn von der Straße auf ihr Familiensofa verfrachtet und adoptiert, um ihn zum Profifootballer zu formen. Auch hier trottet der Riese ergeben und ohne nennenswerte Regungen den von weißen Samaritern vorbestimmten Weg entlang. Es geht hier nicht um ihn, sondern um das Herzeigen der Wohltätigkeit einer Bilderbuchfamilie.
Etwas anderes, was an der handwerklich sicher inszenierten Geschichte bitter aufstößt, ist der latente Rassismus. Außer Michael sind fast alle anderen afroamerikanischen Charaktere negativ besetzt und entweder durch Gewalt oder Drogensucht gezeichnet. Eine Ausnahme bildet einer von Michaels Brüdern, den er seit Jahren nicht gesehen hat und zufällig in einem Restaurant als Kellner antrifft. Selbst Michael wirkt unterm Strich einfältig und zurückgeblieben, so, als wäre er ohne die Großzügigkeit der Tuohys nicht überlebensfähig. Immer stärker drängt sich die Assoziation zu einem Straßenhund auf, der barmherzig als Familienmitglied aufgenommen wird, weil trotz aller Vorzeigeharmonie, oder gerade deswegen, etwas zu fehlen scheint. Zu einem wohlerzogenen Hündchen abgerichtet, sitzt er dann treu hechelnd neben seiner Herrin und den Kindern und bietet zumindest dem Jüngsten im Bunde ein reges Spielvergnügen.
Der Charakter der Leigh Anne Tuohy in John Lee Hancocks "Blind Side - Die große Chance" ist für Bullock, die sonst hauptsächlich im Romantisch-Komödiantischen zu Hause ist, eine eher ungewöhnliche Rolle. Es war auch keine Liebe auf den ersten Blick. Doch nach einem Treffen mit der realen Leigh Anne Tuohy war Bullocks Begeisterung für die Rolle geweckt. Grund mag der sehr dominante und präsente Charakter Tuohys gewesen sein, der es Bullock ermöglicht, ihr Bestes zu geben: durch einen Film zu marschieren und mit ihrer Präsenz alles niederzuwalzen, was da noch existiert.
In "Blind Side" funktioniert das, da sie damit einem realen Vorbild gerecht wird. Die Geschichte des Afroamerikaners Michael Oher, der dank der schützenden, helfenden Hände einer weißen Südstaatenfamilie vom Ghettokid zum gefeierten Footballstar avanciert, beruht auf einer wahren Begebenheit. Was man kaum glauben möchte, denn die allzu perfekte, mit christlichen Werten getränkte Welt des hier gezeigten amerikanischen Traums wirkt durchkonstruiert und realitätsfremd. Doch genau dieser überzogene, konservative Wohlfühlfaktor mag den Erfolg von "Blind Side" in den ländlichen und südlichen Gegenden der USA erklären. Das Publikum der großen Metropolen reagierte da etwas verhaltener.
Oher, wegen seiner Größe und seines Körpervolumens auch Big Mike genannt, wird von Quinton Aaron gespielt. Aaron ist erstmals in einer Hauptrolle zu sehen, bekommt aber nicht viele Chancen auf Entfaltung. Denn der Aufsteiger, um den es doch gehen sollte, wird von Bullocks Pflegemutterfigur an den Rand der Belanglosigkeit gedrängt. Der sanfte Riese hat hauptsächlich die Aufgabe, infantil dreinzuschauen und wortkarg zu bleiben. Das Innenleben des Sohns einer Cracksüchtigen bleibt dem Zuschauer verborgen. Als Big Mike aufgrund des Engagements eines Sportlehrers als "schwarze Fliege im Milchglas", wie der Film es treffend nennt, an einer gehobenen Christlichen Privatschule aufgenommen wird, trottet er ergeben weiter durch sein Obdachlosenleben, bis Leigh Anne ihn von der Straße auf ihr Familiensofa verfrachtet und adoptiert, um ihn zum Profifootballer zu formen. Auch hier trottet der Riese ergeben und ohne nennenswerte Regungen den von weißen Samaritern vorbestimmten Weg entlang. Es geht hier nicht um ihn, sondern um das Herzeigen der Wohltätigkeit einer Bilderbuchfamilie.
Etwas anderes, was an der handwerklich sicher inszenierten Geschichte bitter aufstößt, ist der latente Rassismus. Außer Michael sind fast alle anderen afroamerikanischen Charaktere negativ besetzt und entweder durch Gewalt oder Drogensucht gezeichnet. Eine Ausnahme bildet einer von Michaels Brüdern, den er seit Jahren nicht gesehen hat und zufällig in einem Restaurant als Kellner antrifft. Selbst Michael wirkt unterm Strich einfältig und zurückgeblieben, so, als wäre er ohne die Großzügigkeit der Tuohys nicht überlebensfähig. Immer stärker drängt sich die Assoziation zu einem Straßenhund auf, der barmherzig als Familienmitglied aufgenommen wird, weil trotz aller Vorzeigeharmonie, oder gerade deswegen, etwas zu fehlen scheint. Zu einem wohlerzogenen Hündchen abgerichtet, sitzt er dann treu hechelnd neben seiner Herrin und den Kindern und bietet zumindest dem Jüngsten im Bunde ein reges Spielvergnügen.
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