Schwerkraft
Lieber Banken ausrauben als in Banken arbeiten
Ulrich Kriest, veröffentlicht am 25.03.2010
Filmbeschreibung
Wer hat noch gleich gesagt, in gar manchem Bankangestellten finde sich hinter der rauen Schale des Dispogrenzen-Kontrolleurs mitunter ein weicher, menschlicher Kern? Scheinbar ganz auf der Höhe der Zeit widmet sich "Schwerkraft" von Maximilian Erlenwein, der diesjährige Preisträgerfilm des Max-Ophüls-Festivals in Saarbrücken, der umfassenden Sinn- und Lebenskrise des Bankangestellten Frederik Feinermann, gespielt vom offenbar auf grenzwertige Psychos abonnierten und dabei stets herausragend agierenden Schauspieler Fabian Hinrichs ("Schussangst", "66/67-Fairplay war gestern").
Nachdem sich ein Kunde, dem er den Kredit gekündigt und damit dessen Existenz vernichtet hat, vor seinen Augen im Bankbüro erschossen hat, läuft das bisher mühsam in Wohlanständigkeit geordnete Leben des feinen Herrn Feinermann komplett aus dem Ruder. Andere nennen das wohl Befreiung. Gemeinsam mit Vince (Jürgen Vogel), einem straffällig gewordenen Kumpel aus alten Psychobilly-Tagen, schult der saubere Banker auf Gewaltverbrecher und Einbrecherkönig um - mit außerordentlichem Vergnügen am neuen Zeitvertreib mit Baseballschläger.
Einerseits ist "Schwerkraft" gewissermaßen "American Psycho" in Leipzig. Hinrichs, der seine Figur mit sardonischem Humor als wandelnde Zeitbombe und Adrenalinjunkie zeichnet, wurde dafür in Saarbrücken zu Recht mit einem Sonderpreis als "Bester Darsteller" ausgezeichnet. Andererseits verhagelt die Begegnung mit dem alten Kumpel auch Vinces Bemühungen, nach der Haftentlassung eine bürgerliche Existenz zu begründen und eine Kneipe zu eröffnen. Tatsächlich geht es in "Schwerkraft" viel weniger um die in der Manier der Coen-Brüder gezeichneten Abgründe eines "Bad Banker", sondern der Film entwirft - als Buddy Movie und als verquere Liebesgeschichte - zwei der komplexesten Figuren der jüngeren deutschen Filmgeschichte. Nicht die Drift in die Kriminalität ist nämlich das Problem von Frederik Feinermann, sondern eher stellt sich die Bankkarriere als schmerzhafte Entfremdung dar, die nicht länger auszuhalten ist. Feinermann hatte einst diesen Ausweg nach einer unglücklichen Liebesgeschichte mit Nadine (Nora von Waldstätten) gewissermaßen als Strategie der Selbstdisziplinierung gewählt. Das Resultat davon war aber ungleich schmerzhafter als die späteren Prügeleien mit Skinheads.
Es ehrt im Übrigen diesen für hiesige Verhältnisse ungewöhnlich ambitionierten Film, dass er sein fulminantes Ende ungewöhnlich humorvoll als Happy End beschreibt, obwohl der ausgeflippte Banker nun die nächsten Jahre erst mal gesiebte Luft atmen wird. Nadine kann warten, Frederick konnte es schließlich auch.
Nachdem sich ein Kunde, dem er den Kredit gekündigt und damit dessen Existenz vernichtet hat, vor seinen Augen im Bankbüro erschossen hat, läuft das bisher mühsam in Wohlanständigkeit geordnete Leben des feinen Herrn Feinermann komplett aus dem Ruder. Andere nennen das wohl Befreiung. Gemeinsam mit Vince (Jürgen Vogel), einem straffällig gewordenen Kumpel aus alten Psychobilly-Tagen, schult der saubere Banker auf Gewaltverbrecher und Einbrecherkönig um - mit außerordentlichem Vergnügen am neuen Zeitvertreib mit Baseballschläger.
Einerseits ist "Schwerkraft" gewissermaßen "American Psycho" in Leipzig. Hinrichs, der seine Figur mit sardonischem Humor als wandelnde Zeitbombe und Adrenalinjunkie zeichnet, wurde dafür in Saarbrücken zu Recht mit einem Sonderpreis als "Bester Darsteller" ausgezeichnet. Andererseits verhagelt die Begegnung mit dem alten Kumpel auch Vinces Bemühungen, nach der Haftentlassung eine bürgerliche Existenz zu begründen und eine Kneipe zu eröffnen. Tatsächlich geht es in "Schwerkraft" viel weniger um die in der Manier der Coen-Brüder gezeichneten Abgründe eines "Bad Banker", sondern der Film entwirft - als Buddy Movie und als verquere Liebesgeschichte - zwei der komplexesten Figuren der jüngeren deutschen Filmgeschichte. Nicht die Drift in die Kriminalität ist nämlich das Problem von Frederik Feinermann, sondern eher stellt sich die Bankkarriere als schmerzhafte Entfremdung dar, die nicht länger auszuhalten ist. Feinermann hatte einst diesen Ausweg nach einer unglücklichen Liebesgeschichte mit Nadine (Nora von Waldstätten) gewissermaßen als Strategie der Selbstdisziplinierung gewählt. Das Resultat davon war aber ungleich schmerzhafter als die späteren Prügeleien mit Skinheads.
Es ehrt im Übrigen diesen für hiesige Verhältnisse ungewöhnlich ambitionierten Film, dass er sein fulminantes Ende ungewöhnlich humorvoll als Happy End beschreibt, obwohl der ausgeflippte Banker nun die nächsten Jahre erst mal gesiebte Luft atmen wird. Nadine kann warten, Frederick konnte es schließlich auch.
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