Nothing Personal
Emigration ins Grüne
Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 08.04.2010
Filmbeschreibung
Es ist ein wenig mehr als Urlaub. Die junge Holländerin Anne (Lotte Verbeek) hat ihre Wohnung aufgegeben, ihre Habseligkeiten verschenkt und ist ins grünste Irland aufgebrochen, in ein Dasein, für das auch die Beschreibung selbst gewählte Obdachlosigkeit nicht passt, weil sich Anne ja bald im fast märchenhaft einsam und malerisch gelegenen Haus des Eigenbrötlers Martin (Stephen Rea) einquartiert. Ihm gegenüber verhält sie sich wie ein launisches, misstrauisches und doch zur Menschennähe hingezogenes Wildtier. Anne, könnte man sagen, erprobt das Vogelfreie, womit ein filmisches Vorbild von Urszula Antoniaks "Nothing Personal" genannt wäre, Agnès Vardas "Vogelfrei" (1985). Wie einst Sandrine Bonnaire bekommt nun Lotte Verbeek die Gelegenheit zu eindrucksvollen Auftritten. Antonikas Film ist leichtgewichtiger, koketter als der von Varda, zu verliebt ins eigene Rätselspiel um Annes Motive und Innenleben, aber in vielen Passagen wirkungsvoll in seiner Bildgestaltung. Er erzählt vom Aussteigen, ohne sich auf eine Ideologie, Utopie oder soziale Härten einlassen zu müssen. Ein wenig sieht es aus, als sei Anne in ein Bilderbuch emigriert.
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