Coco Chanel & Igor Strawinsky
Das Leben ist ein schickes Kunstwerk
Thomas Klingenmaier, veröffentlicht am 15.04.2010
Filmbeschreibung
Das feine Publikum weiß, was es von der Kunst will: unterhalten, umschmeichelt, erhoben, in seinen Selbsteinschätzungen bestätigt werden. Da hat es zu Beginn von Jan Kounens "Coco Chanel und Igor Strawinsky" aber den ganz falschen Abend erwischt: Wir befinden uns im Pariser Théâtre des Champs-Elysées am 29. Mai 1913. Igor Strawinskys Ballett "Le sacre du printemps" wird uraufgeführt - und die Besucher werden wegen der unruhigen Musik, dem rätselhaften Geschehen, der unschönen Kostüme nervös. Bald beginnen sie zu zischen, zu buhen, zu poltern.
Der in Frankreich arbeitende Niederländer Kounen zeigt uns diesen Abend vor, auf und hinter der Bühne in einer furiosen Eröffnungssequenz. Zu gern würde man ihr nun programmatische Absicht unterstellen: dass der Regisseur satirisch aufzeigt, was sich sein Publikum vom Kino erwartet - und dass er die Missachtung dieser Erwartungen gleich vorweg ankündigt.
Doch kaum ist der Premierenskandal vorbei, hüpft der Film weiter. Der mittlerweile verarmte, aus Russland geflohene Strawinsky (Mads Mikkelsen) begegnet der bereits arrivierten Modemacherin Coco Chanel (Anna Mouglalis) - und Kounen beginnt ein ermüdendes Spiel mit kühlem Design, überhitztem Schwulst und affektierter Klanghysterie. Dauernd fiedelt und klimpert es seelenwund von der Tonspur, fiebrig versunken starren Coco und Igor einander in die Augen, beflissen weist die Kamera auf den modernen Schick des zentralen Liebespaares hin. Die alte Opernwelt war bunt und plüschig, aber dieses Kreativpaar gestaltet sich und seine Lebenswelt in Schwarz und Weiß. Man spürt dem Film ein Grinsen an, wenn er dieses Farbmuster auch auf der Klaviertastatur entdeckt, als seien Hochkultur und Werbeagentur damit glücklich vermählt.
So was sieht man nicht oft: einen Film, der sich in fünf klugen Minuten erschöpft und dann blufft, bis ihn der Abspann erlöst.
Der in Frankreich arbeitende Niederländer Kounen zeigt uns diesen Abend vor, auf und hinter der Bühne in einer furiosen Eröffnungssequenz. Zu gern würde man ihr nun programmatische Absicht unterstellen: dass der Regisseur satirisch aufzeigt, was sich sein Publikum vom Kino erwartet - und dass er die Missachtung dieser Erwartungen gleich vorweg ankündigt.
Doch kaum ist der Premierenskandal vorbei, hüpft der Film weiter. Der mittlerweile verarmte, aus Russland geflohene Strawinsky (Mads Mikkelsen) begegnet der bereits arrivierten Modemacherin Coco Chanel (Anna Mouglalis) - und Kounen beginnt ein ermüdendes Spiel mit kühlem Design, überhitztem Schwulst und affektierter Klanghysterie. Dauernd fiedelt und klimpert es seelenwund von der Tonspur, fiebrig versunken starren Coco und Igor einander in die Augen, beflissen weist die Kamera auf den modernen Schick des zentralen Liebespaares hin. Die alte Opernwelt war bunt und plüschig, aber dieses Kreativpaar gestaltet sich und seine Lebenswelt in Schwarz und Weiß. Man spürt dem Film ein Grinsen an, wenn er dieses Farbmuster auch auf der Klaviertastatur entdeckt, als seien Hochkultur und Werbeagentur damit glücklich vermählt.
So was sieht man nicht oft: einen Film, der sich in fünf klugen Minuten erschöpft und dann blufft, bis ihn der Abspann erlöst.
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