StZ im Gespräch Zwischen Faszination und Gefahr

Christian Gottschalk, veröffentlicht am 20.04.2010
Fußball vor einer Traumkulisse. Acht Spiele werden in Kapstadt ausgetragen. Foto: dpa

Stuttgart - Eines gleich vorneweg: welche Mannschaften am 11. Juli in Johannesburg das Finale der Fußball-WM bestreiten werden, und welches Team sich am Ende als beste Mannschaft der Welt feiern lassen wird, das weiß auch Johannes Dieterich nicht. Das ist aber schon die große Ausnahme, denn ansonsten gibt es kaum etwas in Südafrika, über das der StZ-Korrespondent vor Ort nicht bestens informiert ist. Am 14. Mai, exakt vier Wochen vor dem Anpfiff des Spektakels am Kap, stellt sich Johannes Dieterich im Rahmen der Veranstaltungsreihe "StZ im Gespräch" den Fragen von Abonnenten.



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Der StZ-Chefredakteur Joachim Dorfs und Peter Stolterfoht, der Leiter der Sportredaktion, diskutieren mit Dieterich über die Lage am Kap. Die hält viele spannende Themen bereit, die weit über den Fußball hinausgehen. Danach haben die Leser die Möglichkeit, Fragen an den Afrikaexperten zu richten.

Dieterich, 1957 in Maulbronn geboren, hat schon 1990 die Entlassung Nelson Mandelas aus der Haft und die Umwandlung des Apartheidstaates in eine Demokratie hautnah miterlebt. Weil seine südafrikanische Frau die Heimat ihres Mannes kennenlernen wollte, zogen die beiden 1994 nach Hamburg. Nur sieben Jahre später war das Paar wieder am Kap, von wo aus Dieterich seit 2001 für die Stuttgarter Zeitung berichtet.

Ratschläge für den sicheren Aufenthalt


Die Liebe, die Dieterich mit seiner Wahlheimat verbindet, ist aus seinen Geschichten herauszulesen - zum Beispiel wenn er von der Sängerin Angelique Kidjo erzählt, der neuen "Mama Afrika", die in die Fußstapfen der legendären, 2008 gestorbenen Miriam Makeba getreten ist. "Südafrika ist immer noch total faszinierend", sagt Dieterich über sein Zuhause - trotz zahlreicher Widrigkeiten.

Ganz gleich, ob es um den schwierigen Kampf von Aidsaktivisten gegen die Verbreitung dieser Krankheit geht oder um den Präsidenten Jacob Zuma und dessen Problem, welche seiner drei Ehefrauen First Lady ist: der StZ-Korrespondent trifft mit seinen Geschichten, Bewertungen und Kommentaren den richtigen Ton. Das gilt auch bei dem Thema im Vorfeld der Fußball-WM, das potenzielle Besucher aus Deutschland umtreibt: die Sicherheitslage.

"Natürlich muss man sich darüber Gedanken machen", sagt Dieterich, "schließlich werden in Südafrika jedes Jahr um die 20.000 Menschen ermordet, das entspricht der Einwohnerzahl einer kleinen Stadt in Deutschland." Im gleichen Atemzug warnt er vor übertriebener Panik. "Man muss dabei natürlich auch wissen, dass der Großteil dieser Verbrechen Beziehungstaten in Townships sind, also an Orten, die ein Tourist nicht betreten wird." Dass die Veranstalter der WM von ihren Vorstellungen, 450.000 Besucher empfangen zu können, abgerückt sind, und nun mit der Hälfte rechnen, bewegt Dieterich. Für alle, die es interessiert, wird er am 14. Mai auch verraten, wie man sich "street wise" verhält, welche Sachen man lieber nicht machen sollte, damit aus dem Traumurlaub kein Albtraum wird.

Gemeinsam zur Fußball-Ausstellung


Nach den Fragen auf dem Podium wird es bei dieser Veranstaltungsrunde von "StZ im Gespräch" eine Premiere geben. Alle Besucher sind dazu eingeladen, zusammen mit Johannes Dieterich ein paar Schritte zum Kunstgebäude am Schlossplatz zu gehen, wo derzeit die Ausstellung "Gefühle, wo man schwer beschreiben kann" zu sehen ist. Historiker aus dem Haus der Geschichte haben dort viel Wissenswertes und Kurioses zum Thema Fußball zusammengetragen. Zu sehen ist nicht nur die Tonne, die der damalige Bayern-Spieler Jürgen Klinsmann 1997 mit Tritten malträtierte, sondern auch die WM-Trophäe und die lang vermisste Victoria, die einst den deutschen Meister zierte. Der Eintritt ist frei, eine kleine Stärkung inklusive.

Gerne wird der Afrikaexperte dann auch Fragen beantworten, die jenseits der Grenzen des WM-Gastgebers von Bedeutung sind. Auf einem Kontinent, der dreimal so groß ist wie Europa, gibt es davon einige. Das Pulverfass Nigeria, die Piraterie vor Somalia, Terror in Mauretanien und der wachsende Einfluss Chinas sind nur einige Themen. Und natürlich kann Dieterich über eines seiner Lieblingsländer berichten. Das ist Ghana - einer von drei Vorrundengegnern der deutschen Mannschaft.


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