Chloe
Schön schwül im Treibhaus von Toronto
Ruprecht Skasa-Weiß, veröffentlicht am 22.04.2010
Filmbeschreibung
Was hat der Kanadier Atom Egoyan mit dem Franzosen Resnais zu tun? Nicht viel obenhin; und doch eine Menge. Beide lieben das Spiel mit Wahrheit und Trug, Täuschung und Schein, beide inszenieren Schauspielerfilme, erfüllt von Irritationen, in denen die Fantasie lustvoll oder auch quälend die Oberhand behält gegen die Realität.
Man könnte Egoyan und Resnais Vexierspieler nennen, die mit der Glaubwürdigkeit ihrer Kinogeschichten jonglieren, weil ihr oberstes Ziel exakt dieses eine ist: die Erfindungsgabe lebendig zu halten. Jetzt will's der verleihprogrammatische Zufall, dass die neuen Filme beider Regisseure in derselben Woche ins Kino gelangen - welch ein Überangebot mithin an Hirnakrobatik, Imagination, Einbildungskraft!
Aber Egoyan, sonst so gepriesen wegen seiner kunstvollen Verschachtelung diverser Zeitebenen, hat einen geradezu simpel-konventionell wirkenden Film abgeliefert, welcher das Genre des Erotikthrillers auf eine Weise bedient, die gemeinhin RTL-2Zuschauern gefällt.
Sein Buch greift erstmals auf eine fremde Vorlage zurück, Anne Fontaines lesbisch durchschmachtetes Eifersuchtsdrama "Nathalie", nun ins Kanadische transportiert. Wunderbar kühl, kalt, luzid bringt der Regisseur Torontos gläsern-elegante Skyline ins Bild, die Multikulti-City mit ihrem schicken Yorkville-Viertel, dessen Nobelrestaurants und urgemütliche Cafés heimelig wirken, allerdings nur auf befriedete, aufgeräumte Gemüter.
Nichts ist befriedet bei Egoyan. Gegen die luzide Konturiertheit der City setzt er emotionelle Wirrnis, schwärzeste Zweifel, schwüle Ekstasen. Eben noch hat die Gynäkologin Catherine das Abdomen einer jammernden Balletttänzerin abgetastet (deren Jammer: sie habe nie einen Orgasmus gehabt), und eben noch hatte die selber reichlich kontrolliert wirkende Catherine (Julianne Moore) kühl erläutert: "Ein Orgasmus ist nichts als eine Abfolge von Muskelkontraktionen", - da gerät sie in schwere affektive Turbulenzen. Sie wollte ihren Gatten David, einen smarten Musikprofessor, mit einer Geburtstagsparty überraschen, aber der Gute gab an, das Flugzeug verpasst zu haben, dann fand sie die Handy-Mail: "Thanks for last night", und seitdem war nichts mehr wie vorher. Betrog David sie? Um seine Treue zu testen, setzt sie daraufhin ein Callgirl auf ihn an.
So kommt Chloe ins Spiel, ein mondgesichtiger Engel (Amanda Seyfried), und was macht die Sexpertin? Sie erzählt Catherine haarklein, was David mit ihr so treibt, zum Beispiel im Treibhaus: "Ich fühlte durch seine Hose, wie erregt er war." Catherine denkt es mit, stellt sich die Situation intensiv vor, daheim unter der Dusche.
Genau darin besteht überhaupt der einzige Witz des geilen Konstrukts, dass die gerissene Hure Chloe die Treffs mit David nur erfindet, um die verboten-überhitzten Fantasien der Ehefrau zu bedienen - bis diese sich in diesem Film ihrerseits einlässt auf die sexuellen Offerten des Lustweibs.
Damit ist der Film bei seinem voyeuristischen Thema, den Fortgang muss man nicht eigens erzählen - es endet in Kolportage. Schade, von Atom Egoyan hätte man minder Abgeschmacktes erwartet.
Man könnte Egoyan und Resnais Vexierspieler nennen, die mit der Glaubwürdigkeit ihrer Kinogeschichten jonglieren, weil ihr oberstes Ziel exakt dieses eine ist: die Erfindungsgabe lebendig zu halten. Jetzt will's der verleihprogrammatische Zufall, dass die neuen Filme beider Regisseure in derselben Woche ins Kino gelangen - welch ein Überangebot mithin an Hirnakrobatik, Imagination, Einbildungskraft!
Aber Egoyan, sonst so gepriesen wegen seiner kunstvollen Verschachtelung diverser Zeitebenen, hat einen geradezu simpel-konventionell wirkenden Film abgeliefert, welcher das Genre des Erotikthrillers auf eine Weise bedient, die gemeinhin RTL-2Zuschauern gefällt.
Sein Buch greift erstmals auf eine fremde Vorlage zurück, Anne Fontaines lesbisch durchschmachtetes Eifersuchtsdrama "Nathalie", nun ins Kanadische transportiert. Wunderbar kühl, kalt, luzid bringt der Regisseur Torontos gläsern-elegante Skyline ins Bild, die Multikulti-City mit ihrem schicken Yorkville-Viertel, dessen Nobelrestaurants und urgemütliche Cafés heimelig wirken, allerdings nur auf befriedete, aufgeräumte Gemüter.
Nichts ist befriedet bei Egoyan. Gegen die luzide Konturiertheit der City setzt er emotionelle Wirrnis, schwärzeste Zweifel, schwüle Ekstasen. Eben noch hat die Gynäkologin Catherine das Abdomen einer jammernden Balletttänzerin abgetastet (deren Jammer: sie habe nie einen Orgasmus gehabt), und eben noch hatte die selber reichlich kontrolliert wirkende Catherine (Julianne Moore) kühl erläutert: "Ein Orgasmus ist nichts als eine Abfolge von Muskelkontraktionen", - da gerät sie in schwere affektive Turbulenzen. Sie wollte ihren Gatten David, einen smarten Musikprofessor, mit einer Geburtstagsparty überraschen, aber der Gute gab an, das Flugzeug verpasst zu haben, dann fand sie die Handy-Mail: "Thanks for last night", und seitdem war nichts mehr wie vorher. Betrog David sie? Um seine Treue zu testen, setzt sie daraufhin ein Callgirl auf ihn an.
So kommt Chloe ins Spiel, ein mondgesichtiger Engel (Amanda Seyfried), und was macht die Sexpertin? Sie erzählt Catherine haarklein, was David mit ihr so treibt, zum Beispiel im Treibhaus: "Ich fühlte durch seine Hose, wie erregt er war." Catherine denkt es mit, stellt sich die Situation intensiv vor, daheim unter der Dusche.
Genau darin besteht überhaupt der einzige Witz des geilen Konstrukts, dass die gerissene Hure Chloe die Treffs mit David nur erfindet, um die verboten-überhitzten Fantasien der Ehefrau zu bedienen - bis diese sich in diesem Film ihrerseits einlässt auf die sexuellen Offerten des Lustweibs.
Damit ist der Film bei seinem voyeuristischen Thema, den Fortgang muss man nicht eigens erzählen - es endet in Kolportage. Schade, von Atom Egoyan hätte man minder Abgeschmacktes erwartet.
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